Der Projektleiter Ronny Sanne am 20. November 2001 vor dem Landgericht Schwerin, er war dort wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung angeklagt worden.
NS-Szene | AIB 72 / 3.2006 | 15.09.2006

»Hooligan statt Fan« auf Staatskosten

Der Bezirksligist SG Dynamo Schwerin sorgt in Mecklenburg Vorpommern für Wirbel, nicht etwa wegen herausragender sportlicher Leistungen, sondern durch Gewalttaten der Fans. 

Der SG Dynamo Schwerin hat deswegen das Projekt »Fan statt Hooligan« ins Leben gerufen. Der Erfolg ist zweifelhaft: Zuletzt überfielen in der Nacht auf den 26. Mai 2006 etwa zehn Dynamo-Schwerin-Fans nach einem Vereinsfest am »Herrentag« vier alternative Einrichtungen in Schwerin. Dabei zerschlugen sie die Scheiben des »Café Kunterbunt«, des »Komplex«, des »Subversiv« und die Kneipe »Zum Freischütz«, mehrere Personen wurden verletzt. Umso verwunderlicher, dass das bereits seit dem 17. März 2005 vom Innenministerium mit 4.800 Euro geförderte Projekt daran keinen Schaden nimmt.

»Wir wissen, mit wem wir es zu tun haben«, erklärt Dynamo-Präsident Manfred Ratke und bezieht sich damit auf den Projektleiter Ronny Sanne. Der 31-Jährige stand bereits wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung vor Gericht, da er 1992 an den rassistischen Pogromen in Rostock-Lichtenhagen beteiligt war und wegen rechtsradikaler Straftaten bereits mehrmals verurteilt wurde. »Auf ihn hört die Truppe« erklärt Ratke.

Ob und – falls ja – wie in diesem Projekt überhaupt ein Umdenken der teils neonazistischen Fans erreicht werden soll, lässt der Dynamo-Präsident offen. Die Forderung der Antifa (affect) Schwerin Mitte, dass Innenminister Gottfried Timm die Förderung besser einstellen solle, stieß auf keine Gegenliebe. Der örtliche CDU-Fraktionschef erklärte in der Schweriner Volkszeitung: »Diese Arbeit mit Jugendlichen ist notwendig und verdient Anerkennung«.

Mehr Infos: www.komplex-schwerin.de