Werbung für die Bücher "Hunter", "The Turner Diaries" und "A call to arms" Ende der 1990er Jahre im Sprachrohr der US-amerikanischen Neonazi-Organisation "National Alliance", dem Fanzine "Resistance" von William Luther Pierce
NS-Szene | AIB 124 / 3.2019 | 03.12.2019

Deutsch-amerikanische (Terror) Freundschaft

Die Reaktion der Öffentlichkeit auf den Mord an Walter Lübcke hat erneut deutlich gemacht, dass die Neonazi-Szene in Deutschland noch immer unterschätzt und missverstanden wird. Die Überraschung darüber, dass ein Neonazi einen Politiker als Opfer ausgewählt hatte, zeigte eindrucksvoll, dass weder das Attentat auf die Kölner Oberbürgermeisterkandidatin Henriette Reker noch die vielen NSU-Untersuchungsausschüsse das Verständnis der Neonazi-Bewegung wirklich vertieft hat. Ihre Ziele und Struktur werden nach wie vor zu oft falsch gedeutet. Weder werden Neonazis erst dann gefährlich, wenn sie ihr ultimatives Ziel, die Machtergreifung, erreicht haben, noch sind nur die scheinbar offensichtlichen Opfer – Migranten etwa – in Gefahr. War für die NSDAP der Antisemitismus die treibende Kraft, mit dem man die Anhänger mobilisierte, ist es heute ein radikaler Rassismus, der sich auf eine internationale Bewegung bezieht.

Dirk Laabs

Viele deutsche Neonazis haben seit Jahren angelsächsische Vorbilder und wähnen sich in einem weltweiten „Rassenkrieg“. Anhänger werden durch einen radikalen Rassismus mobilisiert, der sich auf eine internationale Bewegung bezieht.

Hendrik Möbus (rechts) beim „Rock gegen Links“-Konzert im Oktober 2017 in Themar (Thüringen).
NS-Szene | AIB 117 / 4.2017 | 24.02.2018

V-Leute setzten sich für „Satansmörder“ Möbus in den USA ein

Die Flucht von Hendrik Möbus währte nicht einmal ein Jahr: im August 2000 wurde der als „Satansmörder“ bekannt gewordene Neonazi nach mehrwöchiger Observation in West-Virginia festgenommen. Er hatte sich Ende 1999 in die USA abgesetzt, nachdem das Amtsgericht Erfurt seine Bewährung nach der vorzeitigen Haftentlassung im August 1998 widerrufen hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Möbus eine vierjährige Haftstrafe wegen gemeinschaftlich geplanten Mordes, Freiheitsberaubung und Nötigung hinter sich gebracht. Er war einer der drei Täter, die 1993 den 15-jährigen Sandro Beyer in einer Waldhütte im thüringischen Sondershausen erdrosselt und den Leichnam in einer Baugrube vergraben hatten.

Kai Budler

Wieder in Freiheit, hatte er sein Mordopfer als „Volksschädling“ verhöhnt und bei einem Auftritt seiner Band „Absurd“ den Hitlergruß gezeigt. Möbus flüchtete nicht zufällig nach West-Virginia, denn dort konnte er sich der Unterstützung von William Pierce, dem Gründer der „National Alliance“ (NA), sicher sein.

Zwei zeitweilige Neonazi-Spitzel auf einem Rechts-Rock-Konzert: Thomas Starke (l.) und Carsten Szczepanski (r). (Bild: Screenshot von der rechten Homepage „NSU-Leaks“)
NS-Szene | AIB 116 / 3.2017 | 25.11.2017

Der NSU im Spitzelnetz

Das Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz legt – wenn man ihm das glauben will – bereits seit Jahren hohe Maßstäbe an Lebenswandel und Selbstverständnis seiner Quellen. Maßstäbe, die laut BfV deutlich über den Kriterien liegen, nach denen die meisten Landesämter ihre sogenannten Vertrauenspersonen vulgo Spitzel auswählen. Dieser Bundesmaßstab sollte künftig auch von den Ländern angelegt werden, regte Köln schon ein Jahr nach der Selbstenttarnung des NSU als Konsequenz aus dem Desaster um die rechte Terrorgruppe an.

Andreas Förster

Das Beispiel des NSU zeigt, dass selbst mit Geheimdienst-Informanten ein Ausleuchten von Terror-Netzwerken nicht gelingen muss. Und dass die Beamten im Verfassungsschutz mit den ihnen gelieferten Informationen nicht effektiv umgehen können – oder wollen. Fast 14 Jahre lang waren Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt auf der Flucht. Sie lebten mit Hilfe von rechten Gesinnungsgenossen ein unauffälliges Leben im Untergrund – umgeben allerdings von einem dichten Spitzelnetz.

(Foto: Screenshot nsu-leaks)
 

Der Funktionär des Thüringer Heimatschutzes André Kapke (vorne rechts) und Uwe Mundlos (mitte) beim Heß-Gedenkmarsch am 17. August 1996 in Worms.
NS-Szene | AIB 110 / 1.2016 | 24.06.2016

Das lange Ende: Zwischenstand im NSU-Prozess

Nach beinahe drei Jahren Prozessdauer schleppt sich die Verhandlung seit dem Spätsommer 2015 mehr schlecht als recht dahin. Lange Zeit konnten sich die Prozessbeteiligten nicht so recht erklären, warum der Vorsitzende die Beweisaufnahme auf ein Minimum heruntergefahren und den Prozess beinahe zum Stillstand hatte kommen lassen, als ziemlich überraschend die Mitteilung kam, Beate Zschäpe würde eine Einlassung abgeben. 

RA Alexander Hoffmann

Nach beinahe drei Jahren Prozessdauer schleppt sich die Verhandlung seit dem Spätsommer 2015 mehr schlecht als recht dahin. Lange Zeit konnten sich die Prozessbeteiligten nicht so recht erklären, warum der Vorsitzende die Beweisaufnahme auf ein Minimum heruntergefahren hatte, als die Mitteilung kam, Beate Zschäpe würde eine Einlassung abgeben.
 

NS-Szene | AIB 108 / 3.2015 | 16.12.2015

„Der III. Weg“

Ein Produkt der Krise des „Nationalen Widerstandes“?

Die Neonazi-Partei „Der III. Weg“ ersetzte nach einer Razzia gegen das „Freie Netz Süd“ (FNS) dessen Strukturen und etablierte sich bis zu dessen Verbot als unangefochtene Aktionsplattform in Bayern. Nun dehnt „Der III. Weg“ seinen Aktionsraum zusehends bundesweit aus. Der Artikel beleuchtet die Entstehungsgeschichte, alt bekannte Strippenzieher innerhalb der Führungsriege und die Ausbreitung, gemessen an Relevanz und Einflussnahme. 

von Johannes Hartl, Inforiot.de, Haskala.de und AIB

Die Neonazi-Partei „Der III. Weg“ ersetzte nach einer Razzia gegen das „Freie Netz Süd“ (FNS) dessen Strukturen und etablierte sich bis zu dessen Verbot als unangefochtene Aktionsplattform in Bayern. Nun dehnt „Der III. Weg“ seinen Aktionsraum zusehends bundesweit aus. 

Bodo Pfalzgraf war für die Berliner Partei "Die Republikaner" (REP) aktiv.
Braunzone | AIB 106 / 1.2015 | 23.03.2015

Bodo Pfalzgraf: eine (r)echte Karriere?

Starke Worte fand Bodo Pfalzgraf (geb. 1963), Berliner Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft im DBB (DPolG), nach „Ausschreitungen linksextremistischer Demonstranten“ und forderte mehr Engagement gegen „Kiezterroristen“. Er wolle von den politisch Verantwortlichen das gleiche Engagement sehen wie in Sachen Pegida1. Als illegalisierte Flüchtlinge in Berlin eine ehemalige Schule besetzten erklärte Pfalzgraf: „Diese Räumung muss jetzt stattfinden! (...) Jetzt muss wirklich Druck auf den Kessel!2 Er unterstütze „jede Maßnahme, die geeignet ist, diese Zustände zu beenden“.3 An anderer Stelle erklärte er: „Dass die linke Szene agieren kann, wie sie will, ist vor allem ein politisches Problem.“ Er habe den Eindruck, dass man die linksextremistische Gewalt mit „nicht genug Energie“ bekämpfe.4

1990 stand der Polizeibeamte und Geschäftsführer Bodo Pfalzgraf (geb. 1963) auf Platz 15 einer Wahlkandidaten-Liste der rechten Partei „Die Republikaner“ (REP). Heute ist er Berliner Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft im DBB (DPolG).
 

  • 1. Berliner Morgenpost: Randale in Neukölln, 17./18.1.2015
  • 2. Berliner Zeitung: Polizeigewerkschaft fordert sofortige Räumung der besetzten Schule, 30.6.2014
  • 3. Berliner Kurier: Das Flüchtlingsheim des Grauens, 23.11.2013
  • 4. Berliner Morgenpost: In jeder Nacht brennen in Berlin Autos, 16.6.2009
Der Neonazi-Netzwerker im Absurd-Bandshirt: Hendrik Möbus im Sommer 2014.
NS-Szene | AIB 105 / 4.2014 | 02.03.2015

„Satansmörder“ als Neonazi-Netzwerker

Jahrelang konnte der Neonazi Hendrik Möbus, Szeneikone des „National Socialist Black Metal“ (NSBM) und bundesweit bekannt geworden als „Satansmörder von Sondershausen“, ungestört von Berlin aus seinen rechten Versand- und Labelaktivitäten nachgehen. Dabei baute er nicht nur ein internationales Netzwerk auf, sondern betätigte sich auch mehrfach als Konzertorganisator in unterschiedlichen europäischen Ländern. Antifaschist_innen wollen jetzt den Druck auf Möbus und sein Berliner Netzwerk erhöhen. 

Jahrelang konnte der Neonazi Hendrik Möbus, Szeneikone des „National Socialist Black Metal“ (NSBM) und bundesweit bekannt geworden als „Satansmörder von Sondershausen“, ungestört von Berlin aus seinen rechten Versand- und Labelaktivitäten nachgehen. 

NS-Szene | AIB 105 / 4.2014 | 19.02.2015

Der NSU-Prozess

Zwischenstand aus München (Teil 2)

Seit dem 6. Mai 2013 wird in München der Prozess gegen Beate Zschäpe, Ralf Wohlleben, Carsten Schultze, Holger Gerlach und André Eminger verhandelt.

Seit dem 6. Mai 2013 wird in München der Prozess gegen Beate Zschäpe, Ralf Wohlleben, Carsten Schultze, Holger Gerlach und André Eminger verhandelt.

Tatort des Nagelbomben-Anschlags in der Kölner Keupstraße | Foto: Herby Sachs (version-foto)
Gesellschaft | AIB 105 / 4.2014 | 12.01.2015

Rechter Terror in der antifaschistischen Analyse

Im NSU-Komplex gibt es mehrere zentrale Fragen, mit denen sich unabhängige Antifaschist_innen dringender denn je auseinandersetzen müssen, um der bislang sehr wirkmächtigen Erzählung des Generalbundesanwalts, der Geheimdienste und der Polizei entgegen zu treten: Denn Strafverfolger und Geheimdienste propagieren entgegen aller Fakten und einschlägigen Zeugenaussagen unbeirrt den Mythos vom isolierten Trio, von dessen terroristischen und mörderischen Aktivitäten kein einziger der zahllosen Unterstützer_innen informiert gewesen sei, und stellen den NSU-Komplex als ein singuläres, schon jetzt abgeschlossenes Ereignis ohne Wiederholungsgefahr dar.

Ein Diskussionsbeitrag von Hilde Sanft und Ulli Jentsch

Im NSU-Komplex gibt es mehrere zentrale Fragen, mit denen sich unabhängige Antifaschist_innen dringender denn je auseinandersetzen müssen, um der bislang sehr wirkmächtigen Erzählung des Generalbundesanwalts, der Geheimdienste und der Polizei entgegen zu treten.

Michael Petri (1 v.r.) und Norbert Weidner (3 v.l.) bei einer Neonazi-Demonstration 1993 in Fulda. (Bild: Screenshot von youtube.de/arte)
NS-Szene | AIB 101 / 4.2013 | 08.03.2014

Der »Brandstifter-Effekt« des Verfassungsschutzes

Im November 2012 veröffentlichte die Zeitschrift »Der Spiegel« unter dem Titel »Der Brandstifter-Effekt« Informationen über ein Positionspapier des Bundeskriminalamtes (BKA) von 1997.1  Das BKA erhob damals wegen des Einsatzes von Spitzeln in der Neonazi-Szene schwere Vorwürfe gegen den Verfassungsschutz. Die in dem BKA-Papier und dem Spiegel-Artikel aufgeworfene Frage »Haben die vielen V-Leute die rechtsextreme Szene erst stark gemacht?« dürften regelmäßige Leser_innen des AIB seit einigen Jahren mit »Ja« beantworten können.

Ein Positionspapier des Bundeskriminalamtes (BKA) von 1997 erhob wegen des Einsatzes von Spitzeln in der Neonazi-Szene schwere Vorwürfe gegen den Verfassungsschutz.

(Bild: Screenshot von youtube.de/arte)

  • 1. Vgl. DER SPIEGEL 45/2012: »Der Brand­stifter-Effekt«

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