Zwei zeitweilige Neonazi-Spitzel auf einem Rechts-Rock-Konzert: Thomas Starke (l.) und Carsten Szczepanski (r). (Bild: Screenshot von der rechten Homepage „NSU-Leaks“)
NS-Szene | AIB 116 / 3.2017 | 25.11.2017

Der NSU im Spitzelnetz

Das Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz legt – wenn man ihm das glauben will – bereits seit Jahren hohe Maßstäbe an Lebenswandel und Selbstverständnis seiner Quellen. Maßstäbe, die laut BfV deutlich über den Kriterien liegen, nach denen die meisten Landesämter ihre sogenannten Vertrauenspersonen vulgo Spitzel auswählen. Dieser Bundesmaßstab sollte künftig auch von den Ländern angelegt werden, regte Köln schon ein Jahr nach der Selbstenttarnung des NSU als Konsequenz aus dem Desaster um die rechte Terrorgruppe an.

Andreas Förster

Das Beispiel des NSU zeigt, dass selbst mit Geheimdienst-Informanten ein Ausleuchten von Terror-Netzwerken nicht gelingen muss. Und dass die Beamten im Verfassungsschutz mit den ihnen gelieferten Informationen nicht effektiv umgehen können – oder wollen. Fast 14 Jahre lang waren Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt auf der Flucht. Sie lebten mit Hilfe von rechten Gesinnungsgenossen ein unauffälliges Leben im Untergrund – umgeben allerdings von einem dichten Spitzelnetz.

(Foto: Screenshot nsu-leaks)
 

NS-Szene | AIB 105 / 4.2014 | 19.02.2015

Der NSU-Prozess

Zwischenstand aus München (Teil 2)

Seit dem 6. Mai 2013 wird in München der Prozess gegen Beate Zschäpe, Ralf Wohlleben, Carsten Schultze, Holger Gerlach und André Eminger verhandelt.

Seit dem 6. Mai 2013 wird in München der Prozess gegen Beate Zschäpe, Ralf Wohlleben, Carsten Schultze, Holger Gerlach und André Eminger verhandelt.

Tatort des Nagelbomben-Anschlags in der Kölner Keupstraße | Foto: Herby Sachs (version-foto)
Gesellschaft | AIB 105 / 4.2014 | 12.01.2015

Rechter Terror in der antifaschistischen Analyse

Im NSU-Komplex gibt es mehrere zentrale Fragen, mit denen sich unabhängige Antifaschist_innen dringender denn je auseinandersetzen müssen, um der bislang sehr wirkmächtigen Erzählung des Generalbundesanwalts, der Geheimdienste und der Polizei entgegen zu treten: Denn Strafverfolger und Geheimdienste propagieren entgegen aller Fakten und einschlägigen Zeugenaussagen unbeirrt den Mythos vom isolierten Trio, von dessen terroristischen und mörderischen Aktivitäten kein einziger der zahllosen Unterstützer_innen informiert gewesen sei, und stellen den NSU-Komplex als ein singuläres, schon jetzt abgeschlossenes Ereignis ohne Wiederholungsgefahr dar.

Ein Diskussionsbeitrag von Hilde Sanft und Ulli Jentsch

Im NSU-Komplex gibt es mehrere zentrale Fragen, mit denen sich unabhängige Antifaschist_innen dringender denn je auseinandersetzen müssen, um der bislang sehr wirkmächtigen Erzählung des Generalbundesanwalts, der Geheimdienste und der Polizei entgegen zu treten.

»Blood & Honour« Gruppentreffen 1997 bei Leipzig. [1] Alexander Heinig, [2] Michael L., [3] Markus Frntic und [4] Jörg A.
NS-Szene | AIB 98 / 1.2013 | 02.04.2013

Die Achse Chemnitz – Ludwigsburg

Blood & Honour-Aktivitäten und NSU-Unterstützung von Sachsen bis Südwestdeutschland

Fast alle sächsischen NSU-Unterstützer standen dem verbotenen Neonazi-Musik-Netzwerk Blood & Honour (B&H) nahe. Viele Details hat das AIB hierzu schon berichtet1. Nach bisherigem Erkenntnisstand soll der B&H-Sektionschef Jan Werner im Austausch mit dem NSU-Mitglied Uwe Mundlos gestanden haben und 1998 versucht haben, über den Verfassungs­schutz-Informanten Carsten Szczepanski Schusswaffen für das NSU-Trio zu besorgen. Auch andere sächsische Sektionsmitglieder wurden entsprechend aktenkundig: Jörg Winter beschaffte Sprengstoff für Uwe Mundlos. Antje Probst wollte einen Ausweis besorgen, um dem NSU-Mitglied Beate Zschäpe eine Flucht nach Südafrika zu ermöglichen. Ihr Ehemann Michael Probst tauschte Nachrichten mit den Gesuchten aus. Andreas Graupner diente als Kontaktmann zwischen den Gesuchten und dem NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben. Thomas Rothe2 stellte dem untergetauchten Trio zeitweise seine Wohnung zur Verfügung und besuchte es auch in Zwickau. Hendrik Lasch3 stand in Kontakt mit Uwe Mundlos und wollte dessen Entwürfe auf T-Shirts drucken. Auch der spätere Polizei-Informant Thomas Starke half bei der Suche von Unterkünften. Damit hatte mindestens ein Drittel der 1998 etwa 18-köpfigen B&H-Sektion Sachsen mehr oder weniger Kontakt zu den Untergetauchten. Mit Jörg Winter und Andreas Graupner sollen zwei Exponenten dieses Milieus und deren Werdegänge näher dargestellt werden.

Blood & Honour-Aktivitäten und NSU-Unterstützung von Sachsen bis Südwestdeutschland.

  • 1. Vgl. AIB Nr. 95
  • 2. Er war Mitarbeiter der Neonazi-Fanzines Sachsens Glanz und White Supremacy, soll heute in der Hammerskin-nahen Band Blitzkrieg aktiv sein.
  • 3. Er ist bei der RechtsRockFirma Backstreetnoise und dem Rockerclub Motorradstaffel Kreuzeiche Germania aktiv
Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe während ihrer Zeit im Untergrund (2004).
NS-Szene | AIB 95 / 2.2012 | 14.07.2012

Wissen schützt vor Terror nicht?

Acht Monate nach dem Bekanntwerden des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU)1 bleibt festzustellen, dass sowohl die HaupttäterInnen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe wie auch ihr UnterstützerInnenumfeld bekannte Neonazis aus organisierten Strukturen waren. Böhnhard, Mundlos und Zschäpe waren Mitglieder der Sektion Jena des Thüringer Heimatschutzes (THS)2.

Acht Monate nach dem Bekanntwerden des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) bleibt festzustellen, dass sowohl die HaupttäterInnen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe wie auch ihr UnterstützerInnenumfeld bekannte Neonazis ...

  • 1. Am 4. November 2011 verstarben nach einem Banküberfall die beiden Neonazis Mundlos und Böhnhardt in einem brennenden Wohnwagen an Schußverletzungen. Sie gehörten zusammen mit Zschäpe zur Neonazi-Terror-Gruppe NSU, welche für mindestens zehn Morde verantwortlich ist. Vgl. AIB Nr. 93
  • 2. Im Februar 1995 meldete Zschäpe eine Demonstration des THS in Jena an.
NS-Szene | AIB 61 / 3.2003 | 17.12.2003

Profis, Geld und Subkultur

Seit Ende Juni 2003 stehen in Berlin mehrere Neonazis vor Gericht, denen die Generalbundesanwaltschaft die Mitgliedschaft und Unterstützung einer kriminellen Vereinigung – der RechtsRock Band Landser – vorwirft. Annähernd neun Jahre konnte die bekannteste deutsche Neonaziband mit Hilfe eines verdeckt arbeitenden und international organisierten Netzwerkes ihre menschenverachtende Musik verbreiten. Jetzt sitzen ihre maßgeblichen Köpfe vor Gericht, weil die konspirative Struktur ab Mitte der 90er Jahre beständig wegbrach, das große Geld lockte und manch eigener Kamerad seine Kollegen verpfiff. Ein guter Grund für das Antifaschistische Infoblatt, die Strukturen um »Landser« und ihr Scheitern näher zu beleuchten

Die Strukturen der Berliner RechtsRock Band Landser und ihr Versagen

Jens Hessler vom "Nibelungen Versand" auf einer Neonazi-Demonstration.
NS-Szene | Internetartikel | 24.01.2001

Das Ende des Nibelungen Versandes

Ende September 1999 fand in Lingen (Emsland) ein Gerichtsprozess gegen den "Nibelungen Versand" statt. Der Versand  galt zeitweilig als der führende RechtsRock-Versand aus dem deutschen Blood & Honour Spektrum. Der Hauptangeklagte Jens Hessler (Lingen) präsentierte sich als gesprächsbereiter "Aussteiger" und kam mit einer Bewährungsstrafe davon. Auch die Angeklagten Nils Frithjof Jannig und Sven Faltermeier (Stralsund) kamen mit Geld- bzw. mit Bewährungsstrafen davon.

Ende September 1999 fand in Lingen (Emsland) ein Gerichtsprozess gegen den "Nibelungen Versand" statt. Der Versand  galt zeitweilig als der führende RechtsRock-Versand aus dem deutschen Blood & Honour Spektrum. Der Hauptangeklagte Jens Hessler (Lingen) präsentierte sich als gesprächsbereiter "Aussteiger" und kam mit einer Bewährungsstrafe davon. Auch die Angeklagten Nils Frithjof Jannig und Sven Faltermeier (Stralsund) kamen mit Geld- bzw. mit Bewährungsstrafen davon.

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