Rezensionen | AIB 69 / 5.2005 | 27.12.2005

Zeitschrift für Geschichtswissenschaft (ZfG)

Im vergangenen Jahr feierte die ZfG ihren 50. Geburtstag. Gegründet wurde die renommierte Zeitschrift zu Beginn der 1950er Jahre in der DDR. Sie war das staatlich lizensierte historiographische Wissenschaftsorgan, in welchem sich alle wesentlichen geschichtspolitischen Debatten der DDR widerspiegelten. Hier fanden sich die geschichtsteleologischen Revolutionstheorien von Dogmatikern wie Erich Paterna ebenso wieder, wie sich seit Mitte der 1980er Jahre eine behutsame Öffnung der ideologischen Scheuklappen in der DDR-Geschichtswissenschaft nachlesen ließ. In der Wende und Nachwendezeit war die Zeitschrift, wie so viele DDR-Zeitschriften, vom Aus bedroht. Dass sie vom Berliner Metropol-Verlag übernommen und zu einer der führenden geschichtswissenschaftlichen Zeitschriften in Deutschland wurde, darf man einen Glücksfall nennen, der dem Engagement des Verlegers Friedrich Veitl zu verdanken ist. Zur Qualität der Zeitschrift trägt bei, dass sie ausschließlich Erstveröffentlichungen von Aufsätzen und Exposés druckt. Im Heft finden sich alle historischen Epochen repräsentiert. Allerdings legt ZfG einen Schwerpunkt bei Themen der neueren und Neuesten Geschichte. Das bringt es mit sich, dass sich im Heft eine Vielzahl von Aufsätzen zum Themenkontext Nationalsozialismus und seiner Ideologiegeschichte finden. So schrieb Karsten Wilke in Heft 2 des laufenden Jahrgangs einen zumindest organisationsgeschichtlich interessanten Aufsatz über die HIAG in den 1950er Jahren. Die Redaktion scheut die Kontroverse nicht, wodurch das Blatt erfrischender daher kommt, als die ebenfalls arrivierte VfZ des Münchener Instituts für Zeitgeschichte. Denn so mancher Aufsatz wagt den Blick über den Tellerrand der klassischen Historiographie hinaus auf mentalitäts- oder generationsgeschichtliche Fragestellungen. Dabei ist die grundsätzlich linksliberale Blattlinie unverkennbar. Der ebenfalls nach Epochen gegliederte, umfangreiche Rezensionsteil der ZfG gibt regelmäßig einen recht repräsentativen Überblick zu wichtigen wissenschaftlichen Neuerscheinungen im Themenkontext zu NS-Diktatur, Vergangenheitspolitik und Zeitgeschichte. All dies macht die ZfG zu einer lohnenden Lektüre nicht nur für Historiker und Politikwissenschaftler.