Rezensionen | AIB 96 / 3.2012 | 30.10.2012

Wie Rassismus aus Wörtern spricht

Susan Arndt, Nadja Ofuatey-Alazard

Rassismus wird auch in Zeiten von Sarrazin und Buschkowsky vor allem in zweierlei Hinsicht verharmlost: Zum einen wird er immer wieder als individuelle Fehlleistung einzelner von rassistischen Strukturen gelöst, zum anderen wird Rassismus in erster Linie in Bezug zur extremen Rechten gesetzt, womit zugleich die Involviertheit des Restes der Gesellschaft verschwiegen wird.

Gut, dass es Bücher wie das vorliegende gibt, die mit beiden Mythen brechen. Eindrucksvoll wird anhand der Sprache dargestellt, wie Rassismus Teil der Gesellschaft ist. Doch die Autor_innen beschränken sich nicht nur auf eine Analyse alltäglicher rassistischer Wörter, sondern  geben zugleich profunde Einführungen in Geschichten, Kontexte und Theorien von Rassismus und Kolonialismus sowie in Analysen herrschender weißer Denkweisen. Es werden außerdem Begriffe vorgestellt, die widerständig gegen Rassismus in Stellung gebracht werden können.

Ein besonderer Vorzug des Buches liegt darin, dass unterschiedliche Formate verbunden werden: Neben ausführlichen kultur- und sprachwissenschaftlichen Analysen finden sich auch zwei wunderbare Gedichte von May Ayim und kurze unterhaltsame Beiträge von Noah Sow, die zunächst zum Lachen anregen – im besten Falle aber zum Umdenken führen sollen. Das umfangreiche Buch eignet sich für Journalist_innen und Rassismusanalytiker_innen, für diejenigen, die sich alltäglich dem Rassismus stellen müssen, und vor allem auch für diejenigen, die das nicht müssen.

Susan Arndt / Nadja Ofuatey-Alazard (Hg.),
Wie Rassismus aus Wörtern spricht 
(K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk.
Unrast-Verlag 2011
ISBN: 978-3-89771-501-1
786 Seiten, 29,80 Euro