Steffen Hupka (links mit grünem Oberteil) tanzt bei den „Anastasia-Festspielen“ 2016. (Screenshot ganzheitlichelebensberatung.de)
Braunzone | AIB 134 / 1.2022 | 30.06.2022

Völkische (Siedlungs-) Projekte im Harz

Mit „Weda Elysia“ ist seit 2009 im Blankenburger Ortsteil Wienrode im Ostharz (Sachsen-Anhalt) eine Gruppe aus dem „Anastasia“-Spektrum ansässig. Zwar gelang es den Siedler:innen um das Gründungspaar Maik Schulz und Aruna Palit­zsch-Schulz nicht, einen geplanten „Familienlandsitz“, manchmal auch „Gärtnerhof“ genannt, einzurichten, dennoch verfügt die Gruppe über eine Strahlkraft in der völkischen Szene.

Gastbeitrag von "Sachsen-Anhalt Rechtsaussen"

Ein Projekt der Gruppe nimmt zunehmend Gestalt an: Im Zentrum des Dorfs renoviert „Weda Elysia“ die heruntergekommene ehemalige Dorfschänke. Unter dem Namen „Haus Lindenquell“ soll hier nach eigener Aussage „ein Ort für Kultur, Kunsthandwerk, Feste, Seminare, dörfliches Miteinander für Jung und Alt“ entstehen. Erste Veranstaltungen im „Haus Lindenquell“ fanden im Jahr 2019 statt. Während das „Gartenfest“ im September von der Öffentlichkeit weitestgehend unbeachtet blieb, gab es beim „Julmarkt“ Mitte Dezember 2019 erstmals Gegenprotest. Im Vorfeld zur Veranstaltung waren bei sechs Fahrzeugen von Kritiker­:innen der Gruppe im Ort die Reifen zerstochen worden. Neben „Anastasia“-Anhänger:innen präsentierten dort auch andere lokale Händler an Ständen ihre Produkte. Der Elbingeröder Heimat­chor, dem auch Anhänger:innen von „Weda Elysia“ ang­e­hör(t)en, trat auf. Regelmäßig lädt „Weda Elysia“ zum „Volkstanz“. Solange das „Haus Lindenquell“ dafür nicht zur Verfügung steht, weicht man in den „Gasthof Reddeburg“ in Reddeber aus.

In einem im Dezember 2020 veröffentlichten Video unter dem Titel „Herzkraft“ gibt sich die Gruppe friedliebend, naturverbunden und traditionsbewusst. Stilistisch erinnert das Video stark an die Produktionen der ultra-rechten Gruppierung „Ein Prozent“, die mit dem „Netzwerk Land­raum“ lange um Spenden und Investitionen für völkische Siedlungsprojekte warb, jedoch die Verwendung der Mittel nie offenlegte.

Völkische Vernetzung?

Im September 2018 trafen im sächsischen Bischofswerda Vertreter:innen der völkischen Szene aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zusammen. An zwei Abenden führte die „Laienspielgruppe Friedrich Schiller“ auf der dortigen Waldbühne das Stück Wilhelm Tell auf. Die zahlreichen beteiligten Kinder und Jugend­lichen, von denen einige völkischen Jugendbünden wie dem „Sturmvogel“ oder dem „Freibund“ zugerechnet wurden, probten zuvor u.a. in Räumen der „Schlesischen Jugend“ im thüringischen Marlishausen. Allein am zweiten Vorstellungsabend reisten mehrere hundert Zuschauer:innen an, oft mit der ganzen Familie – darunter bekannte Neonazi-Funktionäre, aber auch Akteure von „Weda Elysia“. Eine andere Familie, die sich unter den Gästen in Bischofs­werda befand, lenkte den Blick auf eine Art völkisches Alternativ-Milieu im Harz, das bisher wenig Aufmerksamkeit erfahren hatte.

Völkische Lehrerschaft im Nordharz?

Die Vorstellung besuchte auch ein Familien­vater mit zweien seiner Kinder. Optisch waren sie in ihrer Tracht nicht sonderlich vom Rest der (völkischen) Gäste zu unterscheiden. Die Familie bewohnt einen Hof im Harz, die Mutter ist als Lehrerin der „Freien Waldorfschule Harzvorland“ in Thale bekannt gewesen, offiziell eine „Schule ohne Rassismus“.

Bei ­E­ltern aus dem regionalen völkischen Milieu soll diese Schule beliebt (gewesen) sein, was neben einer gewissen Anschlussfähigkeit der steinerschen Anthroposophie an völkisches und rassistisches Denken, auch am örtlichen Lehrpersonal liegen könnte, das zeitweilig hier beschäftigt war. Ein Anhänger von „Weda Elysia“ war dort als Gartenbaulehrer beschäftigt gewesen. Auch ein weiteres Paar aus dem rechten Milieu lehrte einige Zeit an dieser Schule. Beide waren in den 1990er Jahren in den Kreisen der zur „Deutschen Gildenschaft“ gehörigen „Deutschen Hochschulgilde Theodor Storm“ in Kiel aktiv. Der Lehrer soll 1997 an einem Treffen der rechten Zeitschrift „elemente“ teilgenommen haben.

Noch ein anderes Ehepaar aus diesem Spektrum war zur gleichen Zeit in der rechten Kieler Hochschulgilde aktiv. Der Mann betätigte sich zeitweilig im „Freibund“, seine heutige Ehefrau entstammt ebenfalls einer mit dem „Freibund“ verbundenen Familie aus Ostniedersachsen. Regelmäßig sorgte die Vergangenheit dieses Paares in den letzten Jahren für Schlagzeilen in der Lokalpresse – immer dann, wenn der seit 2002 in der dortigen Verwaltung tätige Mann als Vize-Bürgermeister von Wernigerode im Gespräch war. Die Frau war zeitweise Lehrerin für Biologie und Naturpädagogik an einer berufsbildenden Schule in der Region. Beteiligt war sie auch an der Gründung des Wernigeröder Waldorfkindergartens.

Völkisches Alternativ Milieu?

Als sich während der ersten Corona-Welle ab Mai 2020 auf den Quedlinburger Marktplatz Anhänger:innen von Corona-Verschwörungsideologien trafen, war die Frau aus den (früheren) „Freibund“-Kreisen wenig überraschend mit vor Ort. Auf Videos der Veranstaltungen ist auch das Lehrerpaar der Waldorfschule zu sehen. Auch Personen aus dem Umfeld von „Weda Elysia“ waren vor Ort. Ebenfalls anwesend war ein Ehepaar, das in Halberstadt zu den Betreiber:innen eines Bioladens und eines Naturkostladens zählen soll. Der Kreis schließt sich schnell, denn im Dezember 2019 beteiligten sich Vertreter:innen der Läden am „Julmarkt“ von „Weda Elysia“ im „Haus Lindenquell“ in Wienrode.

Nebenbei sind Personen aus diesem Halberstädter Personenkreis im Landesverband der „Ökologisch Demokratischen Partei“ (ÖDP) aktiv (gewesen). Zeitweilig war der Posten des Landesvorsitzenden und ein Stadtrat-Posten in Halberstadt aus diesem Kreis besetzt.

Dem Umfeld von „Weda Elysia“ ist auch eine „Anastasia­“-Anhängerin zuzurechnen, die in Quedlinburg ein Geburtshaus betreibt, in dem wiederholt Veranstaltungen mit Verschwö­rungs­ideo­log­:innen stattfanden. Ein weiteres der „Anastasia“-Bewegung nahestehende Projekt befindet sich etwa in Pansfelde, wohin im September 2020 zu einem „Fest der guten Früchte“ eingeladen wurde.

Verbindungen nach Rechtsaußen

Bioläden, Waldorfschule, ÖDP, Waldorfkita - wer in der Region ökologische oder alternative Projekte sucht, sollte genau hinschauen, wenn man nicht in rechtsoffene, völkische oder (extrem) rechte Fahrwasser geraten will. Akteure von „Weda Elysia“ hatten beispielsweise Verbindungen zu einem Urgestein der Neonaziszene in Sachsen-Anhalt unterhalten, dem derzeit in Hohenthurm bei Halle ansässigen Steffen Hupka. Mittlerweile soll man wieder auf Distanz gegangen sein. Schon 2016 nahm der frühere NPD-Kader Hupka an den „Anastasia-Festspielen“ im hessischen Poppenhausen teil. Auch zahlreiche Anhänger:innen von „Weda Elysia“ nahmen teil und gestalteten das Programm mit. Das Hupka die Ideen völkischer Siedler:innen zumindest wohlwollend teilen dürfte ist anzunehmen. Schon 2012 formuliert Hupka in seiner Publikation „Neue Wege“, das dem deutsche Volk nur noch mit einer „nationalen Wehr- und Siedlungsgemeinschaft“ zu helfen sei. Das die Ideen völkischer „Wehrdörfer“ auch die Gefahr eine militanten Komponente beinhalten, verdeutlicht eine Razzia an Hupkas Wohnsitz in Hohenthurm im Juli 2020. Im Auftrag der Generalstaatsanwalt­schaft München durchsuchte die Polizei die Objekte von zwölf Personen in Deutsch­land und Österreich wegen des Verdachts der illegalen Einfuhr von Waffen aus Kroatien durch eine Art rechten Waffenhändler-Ring.

Wie weit Anhänger:innen von „Weda Elysia“ nach rechts außen vernetzt sind, zeigt sich auch in den Videos des Neonazis und Holocaustleugners Nikolai Nerling, der unter der Selbstbezeichnung „Volkslehrer“ aktiv ist. Als Nerling im September 2020 eine Lesung des Autors Andreas Speit in Quedlinburg zu stören versuchte, waren auch Personen aus dem Kreis von „Weda Elysia“ anwesend. Sie sind im später auf dem „Volkslehrer“-Kanal veröffentlichten Video, in dem am Ende das von Speit vorgestellte Buch „Völkische Landnahme“ verbrannt wird, im Hintergrund beim Singen zu sehen.

Als zehntausende Corona-Leugner:innen im August 2020 zum sogenannten „Fest für Frieden und Freiheit“ nach Berlin strömten, welches bekanntlich im versuchten „Sturm auf den Reichstag“ gipfelte, waren auch „Weda Elysia“-Akteure dabei. Im Videobericht Nerlings sind einige Anhänger:innen zu sehen, die hier gemeinsam mit neonazistischen Personen auf der Straße Volkstänze aufführen. Hier trafen sie auch auf Anhäger:innen der neonazistischen „Artgemeinschaft“. Deren Funktionäre und Anhänger:innen sind in Sachsen-Anhalt ebenfalls mit einer Reihe von eigenen „Familiensitzen“ und Projekten in Bornitz, Wendemark und Gardelegen vertreten.