Konfiszierte Waffen der UÇK im Juli 1999. (Bild: SGT Craig J. Shell, U.S. Marine Corps, wikimedia)
International | AIB 48 / 3.1999 | 07.09.1999

Unsicherheitsfaktor UÇK

Wer ist die UÇK, die "Ushtria Çlirimtare e Kosovës" („Befreiungsarmee des Kosovo“) - diese Organisation, die noch vor ein paar Jahren im Westen als obskurer Nationalistenverein bezeichnet, dann zur »Befreiungsbewegung« erklärt wurde und mittlerweile als Unsicherheitsfaktor gilt? Auf der Suche nach den Ursprüngen der UCK beginnen die Widersprüche schon beim Gründungsdatum: Französische Medien gehen von 1997 aus, englisch-sprachige Zeitungen datieren die Gründung auf 1996, albanische und kosovo-albanische Quellen sprechen von 1991 bzw. 1992. Der nachfolgende Artikel enthält längere Zitate aus unterschiedlichen Quellen, da sich das AIB bei diesem Thema in erster Linie auf Sekundärquellen stützen muß.

Bis vor kurzem, noch während der Verhandlungen von Rambouillet Anfang 1999, war die UCK den westlichen Staaten als Bündnispartner durchaus unheimlich, insbesondere den USA: In der zweiten Woche der Rambouillet-Verhandlungen zitiert die Nachrichtenagentur Reuters - am 14. Februar 1999 - einen hohen us-amerikanischen Diplomaten, der lieber ungenannt bleiben wollte, mit den Worten: »Es gibt eine Asymmetrie in den Verhandlungen, weil auf Belgrad direkter militärischer Druck ausgeübt werden kann, wohingegen die NATO der UCK nicht mit Militärschlägen drohen kann, für den Fall, daß sie dem Vertrag von Rambouillet nicht zustimmen«.

Bekannt wurde die UCK zunächst durch Anschläge auf Albaner, die nach den Säuberungen der staatlichen Institutionen seit 1990 noch in den serbischen Verwaltungsapparaten arbeiteten und als »Verräter« und »Kollaborateure« stigmatisiert wurden. Zwischen 1996 und 1997 wurden etwa zwanzig Menschen als »Kollaborateure« von der UCK hingerichtet. Das Ziel: Die kosovo-albanische Gesellschaft gegenüber den serbischen Institutionen abzuschotten und zu polarisieren. Es folgten Angriffe auf serbische Vertreter der Staatsmacht, insbesondere Polizisten. Belgrad reagierte mit massiven Truppenstationierungen im Kosovo im Frühjahr 1998 und systematischen Vertreibungen der Bevölkerung in den Hochburgen der UCK im Westen des Kosovo. Nach serbischen Angriffen auf einige Dörfer gründeten sich dort Selbstverteidigungskomitees, die aber von der UCK nicht unterstützt werden konnten. Außerdem erhielt die UCK nicht die notwendige Unterstützung von Seiten der Bevölkerung für den Volkswiderstand, den sie jetzt propagiert. Deshalb wich die UCK in ihre Camps nach Albanien zurück.

Langfristig geht es der UCK darum, ein »Großalbanien«, gestützt auf die albanische Bevölkerung im Kosovo, in Albanien, Mazedonien und Griechenland, zu errichten. Ein Ziel, das ebenfalls vom 1997 abgesetzten ehemaligen albanischen Staatspräsidenten Sali Berisha verfolgt wird. Auch die jetzige albanische Regierung unterstützt die UCK. Nach Angaben der "New York Times" soll die albanische Regierung gegenüber den NATO-Ländern als Bürge für die UCK aufgetreten sein.

Deutsche Unterstützung für die UCK

In einem Artikel der Zeitung »The European« vom 24. September 1997 mit dem Titel »Wie Deutschland die KLA1 unterstützte« wird detailliert über eine explizite deutsche Unterstützung für die UCK/KLA berichtet. »Sowohl der deutsche zivile als auch der militärische Geheimdienst sind damit befaßt, albanische Terroristen auszubilden und aufzurüsten mit dem Ziel, den deutschen Einfluß auf dem Balkan zu zementieren und das Flüchtlingsproblem anzupacken.« Unter Berufung auf diplomatische Quellen in Paris behauptet die Zeitung, das Engagement des deutschen Geheimdienstes habe im Februar 1996 begonnen. »Die Entstehung der UCK im Jahr 1996 fiel mit der Ernennung von Hansjörg Geiger zum neuen BND-Chef zusammen. Einer der ersten operativen Beschlüsse war die Einrichtung einer der größten Regionalvertretungen des BND in Tirana (...) BND-Agenten arbeiteten eng mit den Führern des SSIK, des albanischen Geheimdienstes, zusammen. (...) Die BND-Männer hatten die Aufgabe, Rekruten für die UCK-Kommandostruktur aus den etwa 500.000 Kosovo-Albanern in Albanien herauszusuchen.« Auch die Kommunikationsstrukturen der UCK seien weitgehend vom BND beschafft, UCKler in ihrer Handhabung ausgebildet worden. Außerdem seien »Journalisten, die aus dem Kosovo berichteten, erstaunt gewesen, als Mitglieder der KLA mit schußsicheren Westen der Bundeswehr antraten, die diese offen vor Fernsehkameras präsentierten

Der Bundeswehr-Geheimdienst "Militärischer Abschirmdienst" (MAD) und das "Kommando Spezialkräfte" (KSK) - eine militärische Spezialeinheit - seien mit der Lieferung von Ausrüstungen und Waffen an die KLA beauftragt gewesen, schreibt der "The European". Ebenfalls im September 1997 zeigte das deutsche Fernsehmagazin »Monitor« in einem Bericht u.a. Panzerfäuste, mit denen die UCK serbische Stellungen angegriffen hatte, »wie z.B. diese Panzerfaust vom Typ Armbrust für die deutsche Bundeswehr, entwickelt vom deutschen Rüstungskonzern MBB, gefertigt unter deutscher Lizenz in Singapur, jetzt in den Händen albanischer Separatisten, die damit Häuser beschießen. Deutsche Firmen verdienen so am Krieg im Kosovo.« Laut "Monitor" hatte der BND-Resident in Tirana mit mehreren illegalen Rüstungslieferungen zu tun, die in Deutschland vom MAD, genauer der Abteilung 3 des MAD in Köln, eingefädelt wurden. »Die waren von ganz oben gewünscht«, zitierte Monitor einen MAD-Mitarbeiter, der ungenannt bleiben wollte.

In den Jahren 1990 und 1991 habe der MAD mehrfach elektronische und optische Überwachungstechnik sowie anderes nachrichtendienstliches Gerät, z.B. Funktechnik, an den albanischen Geheimdienst geliefert. Über den albanischen Geheimdienst sei dann das Material aus Deutschland zur UCK gelangt.2

Wie heuchlerisch die deutsche Politik je nach politischen Interessen vorgeht, wird deutlich, wenn man den Bundesverfassungsschutzbericht von 1997 im Kapitel »Sicherheitsgefährdende und extremistische Bestrebungen von Ausländern« aufschlägt. Dort kann man über die kosovo-albanische Exilorganisation "Lëvizja Popullore e Kosovës" ("Volksbewegung von Kosovo") und deren Wochenzeitung "Zëri i Kosovës" ("Die Stimme Kosovos") noch lesen, daß »Mitglieder der Volksbewegung von Kosovo in Deutschland (...) die im Heimatland terroristisch operierende Befreiungsarmee von Kosovo politisch, moralisch und finanziell unterstützen wollen.« Die Aktionen der UCK im Kosovo beschreibt der Verfassungsschutz als »Terrorakte, die sich gegen Serben und serbische Interessen sowie gegen albanische Kollaborateure gerichtet hätten

Von einer Miniguerilla zur »Befreiungsbewegung« ?

Die Ursprünge kosovo-albanischer Autonomiebestrebungen und auch einiger UCK-Anführer reichen weit in die Tito-Ära zurück. 1974 wurde dem Kosovo Teilautonomie zugestanden. Es folgte eine Abwanderungswelle von Serben aus dem Kosovo, von der die "New York Times" in ihrer Ausgabe vom 12.7.1982 berichtet: »Serben sind von Albanern unterdrückt worden. Sie haben ihre Sachen gepackt und die Region verlassen. Die albanischen Nationalisten haben eine zwei-Punkte Plattform: Zunächst, die Etablierung einer 'ethnisch reinen albanischen Republik' und dann den Zusammenschluß mit Albanien, um ein Großalbanien zu errichten (...) Rund 57.000 Serben haben den Kosovo in den letzten zehn Jahren verlassen. Der Exodus der Serben ist eines der Hauptprobleme im Kosovo.«

Nach Titos Tod kam es Anfang der 80er Jahre wiederholt zu nationalistischen Protestbewegungen, die eine völlige Loslösung des Kosovo von der Republik Jugoslawien forderten. Ab 1981 wurden diese Proteste vor allem von Studenten getragen. Auch bei den Protesten gegen die Aberkennung der Teilautonomie 1989 spielten Studenten eine wichtige Rolle, so etwa der heutige UCK-Anführer und Rambouillet-Delegationsleiter Hashim Thaçi. Die "Federation of American Scientists" schreibt in einem Profil der UCK vom 2. Februar 1999:

»Während des Krieges im ehemaligen Jugoslawien kämpften ungefähr 5.000 ethnische Albaner zusammen mit kroatischen und moslemischen militärischen Formationen. Rugovas Position wurde unterminiert, als die Kosovo-Frage bei der Tagesordnung der Dayton-Friedensgespräche im November 1995 ausgeklammert wurde. Junge Kosovo-Albaner begannen sich zunehmend zu fragen, warum sie an Gewaltfreiheit festhalten sollten, wenn die bosnischen Serben für ihre Brutalität durch ihren eigenen Quasi-Staat innerhalb Bosniens belohnt wurden. Die UCK tauchte zum ersten Mal 1992 in Mazedonien auf. 1995 begannen die ersten vereinzelten Angriffe auf serbische Polizisten durch die UCK. Richtig öffentlich trat die UCK erstmals im Juni 1996 auf, als sie die Verantwortung für eine Serie von Sabotageakten übernahm (...). Nach diesen Bombenanschlägen wurde die UCK von den serbischen Behörden als terroristische Organisation eingestuft. (...) Die UCK ist keine einheitliche militärische Organisation, die einer politischen Partei oder zivilen Autorität untersteht, sondern agiert vielmehr als eine Guerilla-Bewegung mit leicht bewaffneten Kämpfern. (...) Die Mitgliederzahlen der UCK sind von 500 aktiven Mitgliedern zu Beginn des Jahres 1998 auf eine Stärke von mindestens einigen tausend Männern angestiegen - wobei einige Schätzungen davon ausgehen, daß es sich um rund 12.000 bis 20.000 Männer handelt. (...) Die UCK ist offensichtlich unterteilt zwischen einem kleinen, sehr beweglichen Kern von einigen hundert gut ausgebildeten Kommandos und einer wesentlich größeren Anzahl von lokal aktiven Mitgliedern in der gesamten Region. (...) Viele Mitglieder von UCK-Einheiten sind professionell ausgebildet und haben ihre militärische Ausbildung in der ehemaligen jugoslawischen Armee bekommen.«

Demgegenüber beschreibt die französische Tageszeitung "Liberation" am 21. Januar 1999 - also drei Monate vor Beginn des Bombenkrieges - ihren LeserInnen die Entstehung der UCK wie folgt:

»Der erste öffentliche Auftritt der UCK-Guerillas fand im November 1997 statt. Bewaffnet und mit Skimasken maskiert, eskortierten sie den Sarg eines Lehrers, der von Serben in dem Dorf Drenica getötet wurde. (...) Einige Monate nach diesem Vorfall, im Februar 1998, starteten die Spezialeinheiten aus Belgrad eine militärische Großoperation, um Adem Jashari und seine Kampfgefährten zu eliminieren, die sie für den harten Kern der UCK hielten. Der gesamte Familienclan, darunter die Kinder, wurden getötet. (85 Personen starben). Der Krieg im Kosovo hatte begonnen. Zu diesem Zeitpunkt denunzierte der Schriftsteller Ibrahim Rugova - Chef der Demokratischen Liga Kosovas - , die UCK als 'Geschöpf der serbischen Sicherheitsdienste'.(...) Doch viele Kosovo-Albaner, insbesondere die Jugend, waren der mageren Resultate der Strategie des friedlichen Massenwiderstands und der Gleichgültigkeit der internationalen Gemeinschaft überdrüssig. Sie entschieden sich für den bewaffneten Kampf, 'weil das die einzige Sprache ist, die die Serben verstehen'. Heute, trotz der militärischen Rückschläge, die die UCK im letzten Sommer erlitt, kontrolliert die UCK, die behauptet, sie habe rund 30.000 Kämpfer unter ihrem Kommando, wieder den Großteil der ländlichen Gebiete abseits der Hauptstraßen. Im Frühjahr letzten Jahres (1997) wurde der Schriftsteller Adem Demaci, der 'Mandela des Kosovo', der insgesamt 28 Jahre in serbischen Gefängnissen verbracht hat, ihr politischer Vertreter in Pristina. Trotzdem bleibt die Organisation in vielerlei Hinsicht ein Rätsel. Undurchsichtig in ihren Strukturen, leicht totalitär in ihren Methoden, sie verbietet beispielsweise in ihren Hochburgen alle anderen albanischen Parteien, die sie als 'unnützen Luxus' bezeichnet(..). Der von Tito zugestandene Autonomiestatus (des Kosovo) wurde 1989 von Slobodan Milosevic wieder abgeschafft. Daraufhin gingen die meisten der Anführer ins Exil in die Schweiz, nach Deutschland und Schweden. Im Exil schufen sie die militärische Organisation, die Dank der finanziellen Unterstützung der kosovo-albanischen Diasporagemeinde stark wuchs. Waffen sowie Freiwillige kommen durch Nordalbanien, wo die UCK ihre Basisstützpunkte in den Bergen rund um Tropoja, der Hochburg des ehemaligen albanischen Präsidenten und Nationalisten Sali Berisha hat. 'Wir wollen mehr als Unabhängigkeit, wir wollen die Wiedervereinigung aller Albaner auf dem Balkan,' betonte Jakup Krasnigi, Sprecher der Organisation im Juli 1998. (...)«

Einig sind sich die "Liberation" und die "Föderation Amerikanischer Wissenschaftler" bei der Bewertung des Vorgehens der UCK. Beide sind der Ansicht, daß die UCK eine gravierende Mitverantwortung für die Eskalation im Kosovo trägt und diese von der UCK gewollt wurde.

»Die Bewegung weiß, daß sie selbst jetzt 3, wo sie besser bewaffnet und organisiert ist als im Sommer letzten Jahres, ihre Stellungen gegenüber der serbischen Militärmaschinerie nicht halten kann. Daher ist es ihr Ziel, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und zu schockieren, da dies die einzige Kraft ist, die in der Lage zu sein scheint, die Zögerlichkeit des Westens hinwegzufegen. Seit mehreren Monaten versucht die UCK-Guerilla, die Serben dazu zu bringen, die Grenzen zu überschreiten, indem sie ihre Angriffe gegen einzelne Polizeibeamte vervielfachen. Dadurch versucht sie eine massive Reaktion der Milosevic-Streitkräfte zu provozieren. Diese Strategie ist klassisch.« schreibt die "Liberation".

Internationale Söldner in der UCK

Daß auf Seiten der UCK eine größere Anzahl von kroatischen Söldnern kämpft, bestätigen Berichte von kroatischen Tageszeitungen, die ganz offen von einem Kontingent von rund 300 »kampferfahrenen« Kroaten innerhalb der UCK schreiben. Die Mehrheit der auf rund 1.000 geschätzten Söldner sind jedoch Albaner, insbesondere ehemalige Offiziere der albanischen Armee, Polizeibeamte und Mitglieder des Sicherheitsapparates. Augenzeugen bestätigen zudem, daß u.a. Briten und Deutsche, beispielsweise aus Regensburg und Augsburg, als Ausbilder in den albanischen Hauptstützpunkten der UCK auftreten. Es kann davon ausgegangen werden, daß sich internationale Söldner, die vorher für die faschistischen kroatischen Milizen HOS gekämpft haben, mittlerweile der UCK angeschlossen haben - schließlich geht es weiter gegen den »Hauptfeind Serbien«.

Mehrere Quellen erwähnen darüber hinaus Söldner aus islamischen Staaten wie Saudi-Arabien oder Bewegungen wie beispielsweise ehemalige Mujaheddin aus Afghanistan. Seit Mitte April hat die UCK mit Agim Çeku zudem einen militärischen Oberbefehlshaber ernannt, der seine Kriegserfahrungen als ranghoher Offizier der kroatischen Armee sammelte und gegen den das Haager Kriegsverbrechertribunal bis vor kurzem wegen seines brutalen Vorgehens gegen Serben im Bosnienkrieg ermittelte.

Die Finanzierung der UCK

Finanziert wird die UCK hauptsächlich durch die Spenden der im Ausland lebenden Kosovo-Albaner. Alleine in den USA - wo mit rund 400.000 Menschen die größte Exilcommunity lebt - sollen im vergangenen Jahr rund 4 Millionen US-Dollar zusammengekommen sein. Koordiniert wird die Spendensammlung durch eine Organisation, die sich "Vendlindja therret" („Das Vaterland ruft“) nennt und weltweit Kosovo-Albaner dazu aufruft, drei Prozent ihres Einkommens an die UCK zu spenden. In Deutschland hat die "Demokratische Vereinigung der Albanerinnen und Albaner in Deutschland e.V." (DVAD) vor fünf Jahren einen Spendentopf unter dem Stichwort »Heimat bittet um Hilfe« eingerichtet, auf den allein im vergangenen Jahr nach Angaben des DVAD-Chefs Ibrahim Kelmendi, rund 8 Millionen Mark eingegangen sein sollen.4

Diese Zahlen dürften seit Beginn des Bombenkrieges erheblich gestiegen sein. In den Treffpunkten der DVAD rekrutiert die UCK auch die Freiwilligen, die über Italien nach Albanien gebracht werden und in den dortigen UCK-Lagern nach einem 14-tägigen Waffentraining mit den UCK-Kommandos in den Kosovo einsickern. Als eine weitere Finanzierungsquelle der UCK wird in mehreren Quellen der Heroinhandel genannt.

Die Zukunft des Kosovo und die UCK

Während des Bombenkrieges haben NATO-Flugzeuge mehrfach UCK-Einheiten, die in Kämpfe mit der serbischen Armee verwickelt waren, durch Bombenabwürfe unterstützt. Kein Wunder, daß die UCK, die jenseits ihres aggressiven Nationalismus über kein politisches Programm verfügt, bis vor kurzem jegliche Entwaffnung ablehnte. Auch wenn der »Waffenstillstand« der G8-Staaten eine »Demilitarisierung« der UCK, aber keineswegs deren völlig Entwaffnung vorsieht, erklärte beispielsweise am 4. Juni 1999 Sabri Kiçmari, diplomatischer Vertreter der UCK in Österreich, gegenüber der taz: «Unsere Truppen werden weiter gegen die serbischen Aggressoren militärische Aktionen unternehmen, wir sehen in ihnen eine Besatzungsmacht, und nur bei einem gerechten Frieden legen wir unsere Waffen nieder.«

Dementsprechend uneinheitlich agieren regionale UCK-Anführer. Momentanes Ziel der UCK ist es offensichtlich, als kosovo-albanische Ordnungsmacht anerkannt zu werden. Teile der NATO hingegen sehen die UCK jedoch allenfalls als mögliche Polizeitruppe für einen autonomen Kosovo. Interessant ist in diesem Zusammenhang des uneinheitliche Vorgehen der KFOR-Truppen. Während amerikanische und britische Truppen kaum Probleme damit hatten, UCKler zu entwaffnen, begann die Bundeswehr damit erst, nachdem es massive internationale Kritik an deren laissez-faire Haltung gegeben hatte.

Je länger der »Waffenstillstand« andauert, desto deutlicher zeigt sich allerdings auch, daß die UCK extrem fraktioniert ist. Neben Gruppen, die von einem islamischen Großalbanien träumen, zeichnen sich vor allem zwei Flügel ab: Auf der einen Seite Hashim Thaçi, der sich mittlerweile selbst zum »Premierminister« ernannt hat. Er gibt sich verhandlungsbereit. Von seinen Gegnern wird ihm laut taz »Kommunismus« vorgeworfen. Und auf der anderen Seite Bujar Bukoshi, der lange Zeit zu Ibrahim Rugova "Lidhja Demokratike e Kosovës" („Demokratische Liga des Kosovo“) gehörte und als Exilpremierminister der LDK auftrat. Er hat sich hauptsächlich um die Spendensammlungen in der kosovo-albanischen Exilcommunity in Westeuropa gekümmert. Böse Zungen behaupten, mit den Millionen habe er sich seinen politischen Einfluß in der UCK erkauft. Die "Division Skanderberg" der UCK5 wurde laut Medienberichten zeitweilig von ihm kontrolliert.6

Die UCK verfügt erst seit Beginn des Bombenkrieges und der massenhaften Vertreibungen von Kosovo-Albanern durch serbische Sondereinheiten über einen größeren Rückhalt in der kosovo-albanischen Bevölkerung. Sie hatte bisher - beispielsweise im Gegensatz zu Ibrahim Rugova - kein politisches Mandat. Sondern sie hat - ebenso wie Milosevics Vertreibungs- und Kriegspolitik - erst die Fakten geschaffen, unter denen die Menschen in der Region jetzt leiden. Und sie wird noch lange ein Unsicherheitsfaktor bleiben.

  • 1. englisch für "Kosovo Liberation Army
  • 2. Vgl. auch Politische Berichte, 21/98, S.12ff., Konkret, 3/99, S.34 ff.
  • 3. gemeint ist Januar 1999.
  • 4. Auch die DVAD und "Das Vaterland ruft" werden im Bundesverfassungsschutzbericht 1997 erwähnt.
  • 5. Auch die "21. Waffen-Gebirgs-Division der SS" hieß "Division Skanderberg".
  • 6. Berliner Zeitung, 16. Juni 1999, «Wir greifen der Friedenstruppe ein wenig unter die Arme«.