Rezensionen | AIB 106 / 1.2015 | 14.04.2015

Sumpfwandertag

Alexander Lippmann

Mit dem im Wiener Verlag zaglossus erschienenen Krimi „Sumpfwandertag“ legt der Österreicher Alexander Lippmann seinen ersten Roman vor. In diesem zeichnet er ein düsteres Bild einer nicht allzu weit entfernten Zukunft. Die wirtschaftliche Krise hat Österreich erfasst und die sich verschärfende soziale Lage führt zum Anstieg neo­nazistischer Aktivitäten und Gruppen. Die radikale Linke übt sich in Abwehrkämpfen und die Sozialdemokratie macht das, was sie schon immer am Besten konnte — sich mit den bestehenden Verhältnissen arran­gieren und ihren eigenen Nutzen daraus ziehen. In diesem Falle ist es die Auseinandersetzung um eine „Sicherheitsnovelle“, die das gesell­schaftlich und politisch weit nach rechts gerückte Österreich um einen repressiven Charakter ergänzen soll. 

Der Hauptprotagonist des Romans, Hagen, könnte ein gutes Beispiel dieser Entwicklung darstellen: Vom ehemaligen trotzkistischen Aktivist, zum Pressesprecher eines sozial­demokratischen Politikers. Eine Entwicklung die hier und da so manche (Selbst-)Zweifel erzeugt, aber dennoch akzeptiert wird. Doch seine linksradikale Vergangenheit führt dazu, dass er seinen Job verliert, in den zunehmenden gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Neonazis und Antifaschist_innen wird ein politischer Weg­gefährte von Hagen ermordet und er selbst verdächtigt.

Um diesen Mord aufzuklären, begibt sich Hagen auch auf eine Reise in die (eigene) Vergangenheit und verliert sich so manches mal zwischen Idealismus und Pragmatismus. Der Versuch die Todesumstände zu verstehen führt ihn aber auch tief in die österreichische Neonaziszene und die Verstrickungen des Staates mit eben jener. Der Roman ist durchaus rasant geschrieben, doch verliert sich dieser dann und wann in klischeehaften Darstellungen der politischen Akteure. •

Alexander Lippmann
Sumpfwandertag
ISBN 978-3-902902-24-5
zaglossus, Wien, 2014