Rezensionen | AIB 86 / 1.2010 | 21.04.2010

Stadt – Land – Rechts. Brauner Alltag in der deutschen Provinz

In dem kürzlich erschienenen Buch »Stadt –Land – Rechts. Brauner Alltag in der deutschen Provinz« beleuchtet der Herausgeber Friedrich Burschel, Referent für Rechtsextremismus und Antifaschismus der Rosa-Luxemburg-Stiftung, zusammen mit weiteren AutorInnen die Etablierung und Integration von Neonazis im ländlichen Raum. Sozialwissenschaftler, Journalisten und Politiker schildern, wie es rechten AkteurInnen in einigen Regionen gelungen ist, als ganz normale BürgerInnen wahrgenommen zu werden und dies nicht nur im ostdeutschen Raum. Der Sozialwissenschaftler und Sprecher des »Bündnisses Aktiver Fußball Fans« (BAFF) Gerd Dembowski und der Diplom-Politologe Martin Endemann beschäftigen sich mit der Einflussnahme von Neonazis in Fußballvereinen und Fanszenen. Mit der Geschichte der »Heimattreuen Deutschen Jugend« (HDJ) bis hin zu ihrem Verbot im Jahr 2009 befasst sich die Journalistin Andrea Röpke. Der freie Journalist und Mitarbeiter des APABIZ (Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum) Ulli Jentsch schildert die Professionalisierung im Bereich der Kommunalpolitik anhand der von der NPD gegründeten »Kommunalpoltischen Vereinigung« (KVP). Am Beispiel Thüringen geht Martina Renner (Die Linke) intensiver auf die sogenannte »Graswurzelstrategie« ein und beschreibt sowohl die Unterwanderung demokratischer Strukturen durch Neonazis, als auch ihr bürgerliches Auftreten. Über schleswig-holsteinische Polizeibeamte, welche sich weigerten Anzeigen von Opfern rechter Gewalt in Ratzeburg aufzunehmen berichtet der freie Journalist Andreas Speit. Eine Zwischenbilanz aus der Beratungsarbeit für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt zieht Heike Kleffner, Öffentlichkeitsreferentin für die »Aktion Sühnezeichen Friedensdienste«. Insgesamt ein sehr empfehlenswertes Buch, welches mit seinen 13 Kapiteln und inhaltlich breit gefächerten Artikeln einen guten Überblick zur Thematik gibt.

Stadt - Land - Rechts
Texte der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Band 63

Das komplette Buch als kostenloses PDF-Dokument findet sich unter:
www.rosalux.de/cms/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Texte_63.pdf