Martin Semlitsch ("Martin Lichtmesz") zählt zu den Akteuren des IfS. (Bild: Screenshot von youtube.com/3sat; AntenneAbraxas)
Braunzone | AIB 100 / 3.2013 | 12.12.2013

Rechte Bilderwelten

Die »Division Antaios«: Ikonographie und Code

Die Diagnose, dass es der intellektuellen Rechten an einer modernen Bildsprache mangelt, stammt von dieser selbst. Videos, provokante Aktionen und eine eigene politische Ikonographie sollen die Formierungsprozesse rechtsintellektuellen Selbstverständnisses vorantreiben. Eine Bildanalyse.

Im Jahr 2010 brachte das »Institut für Staatspolitik« (IfS) in kleiner Auflage ein DIN A4 Plakat heraus, auf welchem unter der Überschrift »Division Antaios« im Stile mehrfarbiger Schattenrisse die Köpfe jener Vordenker und Aktivisten abgebildet sind, in deren Tradition sich das IfS verstanden wissen will.

Das offenkundig von Martin Lichtmesz1 gestaltete Plakat soll »uneingeweihten den Weg weisen« zu den Pfaden rechtsintellektuellen Denkens.

Die abgebildeten oder im »Zwi­schentag«2 Video aufgeführten Personen variieren. Ausgewechselt finden sich etwa mehrfach Rudi Dutschke und Ernst von Salomon. Carl Schmitt, Ernst Jünger und Gottfried Benn, aber auch Stefan George und Julius Evola sind hingegen in allen Varianten des Plakats aufgeführt. Die vorgestellten  Personen sind also in der Hierarchie der Zugehörigkeit zum Glutkern rechtsintellektuellen Selbstverständnisses angeordnet, sodass sie sich zu diesem (Schmitt, Jünger, Evola) in einem Verhältnis von Nähe und Distanz wiederfinden. Der  imaginierte gemeinsame Nenner aller aufgeführten Personen aus Kunst, Literatur, Philosophie und Zeitgeschichte ist ihr Selbstverständnis als Elite und Avantgarde, welches von den IfS-Akteuren aufgegriffen und durchaus wörtlich aus dem lateinisch übersetzt genommen wird für »Vorhut« d.h. im Sinne Jüngers »Stoßtrupp einer neuen Zeit«. Somit ist es unerheblich, dass die hier durch Männerköpfe symbolisierten Strömungen aus Kunst, Literatur und Philosophie ideengeschichtlich divergieren. Entscheidend für ihre deutende Aneignung als Bilderbogen des rechtsintellektuellen Selbstverständnisses ist ihr Zusammenspiel als Bildaltar rechter Ideenwelten. Zum analytischen Verständnis der Personen »in der Reihenfolge ihres Auftretens« (Kubitschek) kann man, diese wie die Ikonographie eines mittelalterlichen Dreiseitenaltars anzusehen, nämlich als Darstellungen von Ikonen des Politischen, die auf einander bezogen erst durch ihre Anordnung ein Narrativ der »Heilsgeschichte«, nämlich der einer Sezession, Sonderung von den Strömungen ihrer Zeit ergeben. Ein weiterer gemeinsamer Nenner, auf welchen die Personen durch das IfS erst gebracht werden, ist ihre Einordnung in die Vorstellung der Existenz einer »Galerie der politischen Romantik«, die durch die kategorale Zuschreibung von Adjektiven zu den Personen geschieht. Bei manchen nimmt sich dies auf den ersten Blick hin nur formal aus, ist jedoch im Wortsinne gemeint.

Etwa: Ernst von Salomon, Feme, Nietzsche, Ecce etc. Eine historische Gestalt auf einen Begriff bringen, ist der Versuch einer Kanonisierung rechts­intellektuellen Denkens.

Die Logik des Plakats ist jedoch nicht nur die einer intellektuellen Anordnung, wie sie in den als Lexika niedergelegten Bänden aus dem IfS Hausverlag Edition Antaios vorliegt. Vielmehr geht es um einen politisierten »emotional-identitären« Code der Wiedererkennbarkeit und Selbstvergewisserung.

Die Idee, dass die intellektuelle Rechte einer eigenen Ikonographie und eines emotional-identitären Codes bedürfe, hatte der Blaue Narzisse-Herausgeber Felix Menzel vor Jahren in einem »Kaplaken« Band im Hinblick auf die erfolgreiche strategische Kommunikation linker Ikonen formuliert. Ohne Nennung jedoch unter Bezug auf Walter Benjamins Ausführungen zur Ästhe­tik reflektiert Menzel, zunächst gelte es rechte Leitikonen zu schaffen, deren Identifizierbarkeit durch Ereignisse zunächst geschaffen und sodann durch Bildwiedergabe gefestigt werden müsse. Die Ikonographie einer imaginären »Division Antaios« wendet sich an jene, die bereit sind, einer solchen »Division« geistig beizutreten. Und so stehen Karlheinz Weissmann und Erik Lehnert nicht als Epigonen Benns und Jüngers da, sondern als Gleiche unter hierarchisch ungleichen historischen Personen. Die Aufforderung, Klamotten aus der »Pro Patria« Serie »Division Antaios« zu kaufen, erging dann in einer Werbeschrift auch unter der Überschrift: »Division Antaios – Rekrutieren Sie sich«. Der Akt der Selbstrekrutierung zur Division Antaios lässt diese als geistiges Freicorps erscheinen, geistige Söldner in einem Kampf der Ideenwelten um die Zukunft von Nation und Volk.

Formierungsprozesse

In gewisser Weise spiegelt die Anordnung der Personen auf dem Plakat die Suche nach einem Formierungsprozess des rechtsintellektuellen Milieus. Dieser beginnt mit der intellektuellen Abgrenzung gegenüber liberalen und linken Ideenwelten und der proklamierten Wiederaneignung oder Neuerfindung dessen, was ihnen als kategoral »rechtes« Denken erscheint. Das man sich dabei gern der Arsenale der Linken bedient, zeigen Lichtmesz und Kubitschek dort, wo es ihnen um die Rezeption von Strategien geht, Meinungen oder noch besser Haltungen als moralisch nicht hintergehbar darzustellen. Der Habitus des angeblichen Non-Konformismus, den man jener abwegigen Personenkonstellation des Plakats entnimmt, ist die Brechstange mit welcher die Verkrustungen der Moral der Diktatur der Political Correctness aufgebrochen werden sollen. Es geht nicht mehr darum (wie noch zu Beginn der 1990er Jahre) den Radius des Sagbaren zu erweitern. Das haben andere wie Sarrazin u.a. längst erfolgreich getan. Es geht um den Versuch zu einem Formierungsprozess als RECHTE gegenüber einer als »links« angenommenen Hegemonie in der Gesellschaft zu gelangen. Es geht um die Erweiterung des Handlungsspielraumes.

 

  • 1. Nach Recherchen der antifaschistischen Zeitschrift Gamma ist Martin Lichtmesz der Autorenname von Martin Semlitsch
  • 2. Der »Zwischentag« des IfS ist ein Treffen deutscher & österreichischer Rechter. (vgl. AIB Nr. 98).