Rezensionen | AIB 112 / 3.2016 | 05.12.2016

Neue soziale Bewegung von rechts? Zukunftsängste | Abstieg der Mitte | Ressentiments

Alexander Häusler/Fabian Virchow

Die aktuelle rassistische und reaktionäre Mobilmachung wird im vorliegenden Sammelband als Ausdruck eines rechten Kulturkampfes verstanden und dessen zentrale Aspekte in 13 Beiträgen analysiert. So soll ein Anstoß zur „vertiefenden Ausein­andersetzung mit dem Phänomen eines Rechtsrucks in Deutschland“ gegeben werden.

Ob es sich bei den auftretenden Milieus und Organisationen um eine neue soziale Bewegung von rechts handelt, beantworten die Herausgeber gleich selbst. Es wird zwar darauf verwiesen, dass es weiterhin an systematisierenden und vergleichenden Zugriffen auf die ideologischen Profile sowie politischen und kulturellen Praxen (extrem) rechter Akteure mangelt, in der gegenwärtigen Situation allerdings die Herausbildung einer sozialen Bewegung vielfältig wahrnehmbar wird.
Diese Entwicklung ist eng verbunden mit der Thematisierung von Migration und Einwanderung, das ein zentrales Handlungsfeld rechter Bewegungen in ganz Europa geworden ist. Nicht nur, dass rechte Parteien wie die AfD, deren Wirken in mehreren Beiträgen analysiert wird, bei Wahlen profitieren, äußert sich der rassistisch motivierte Protest in einer großen Bandbreite politischen Handelns: „Sie organisieren Demonstrationen, produzieren eigene Medien, besetzen Gebäude, verweigern die Zahlung von Steuern […] oder praktizieren politisch motivierte Gewalt.

Im weiteren Verlauf beschäftigt sich der Band u.a. mit dem weltweit operierenden sogenannten „Counter-Jihad“-Netzwerken, deren Kern darin besteht über diverse Blogs vor einer „Islamisierung“ der „westlichen Welt“ zu warnen. Wie es aussehen kann wenn sich diese „Warnungen“ auf der Straße protestförmig manifestieren, wird am Beispiel der EDL verdeutlicht. Als weithin aktive Protestakteure im deutschsprachigen Raum, wird sich mit Pegida, der Initiative „Einprozent“ und auch der Identitären Bewegung beschäftigt. Auch wenn unmittelbar keine „Revolte von Rechts“ bevorsteht, ist doch die anhaltende Verbreitung von völkisch-nationalistischen und rassistischen Gesellschaftsentwürfen eine Herausforderung für die antifaschistische Linke. Einblicke in zentrale Baustein dieser Entwicklung zu bekommen, macht den Sammelband ungemein wichtig und lesenswert.

Alexander Häusler/Fabian Virchow (Hrsg.)
Neue soziale Bewegung von rechts?
Zukunftsängste | Abstieg der Mitte | Ressentiments

VSA: Verlag, Hamburg 2016
132 Seiten, EUR 11.00
ISBN 978-3-89965-711-1