Varg Vikernes 2008 in Gefängnishaft. (Foto: Рустем Адагамов; Rustem Adagamov; drugoi/ CC BY-SA 3.0, wikimedia.org)
International | AIB 45 / 4.1998 | 20.12.1998

Neonazi-Musik und Politik in Norwegen

Auch in Norwegen bilden sich Strukturen um das Geschäft mit RechtRock und NS-Black Metal.

Neonazi-Propaganda über die Knastadresse

Wie der Norwegische Menschenrechts-Informationsdienst "Samora" aus Oslo meldet, benutzen inhaftierte Neonazis mittlerweile ganz offen ihre Gefängnisanschrift als Adresse für ihre politische Organisierung. Eine Gruppe, die sich "Norsk Hedensk Front" (NHF) nennt, betreibt offene Neonazi-Propaganda im Internet. Deren Postanschrift ist identisch mit der des Gefängnisses der Stadt Trontheim, wo der Neonazi und NHF-Gründer Louis Cachet alias "Kristian Vikernes" (alias "Varg Vikernes") eine Haftstrafe wegen Mordes und dreifacher Brandstiftung absitzt. Er soll zusätzlich noch 1993 einen Bombenanschlag auf das linke Zentrum "Blitz" in Oslo geplant haben.

Die Homepage der NHF ist gespickt mit Propaganda wie z.B. daß Schwangerschaften, die nicht »reinrassig« seien, abgetrieben werden müssten und daß kranke und alte Menschen getötet werden sollten. Von Menschenrechten für Homosexuellen und schwarzen Menschen wollen die rechten Neonazi-Knackies schon gar nichts wissen. Das NHF-Programm "Vargsmål" soll von Varg Vikernes in der Haft verfasst worden sein. Varg Vikernes ist vor allem durch seine NS-Black-Metal-Band "Burzum" bekannt geworden.

Im April 1997 soll laut Medienberichten eine bewaffnete Neonazi-Gang mit dem SS-Namen "Einsatzgruppe" um Tom Eiternes die Befreiung von Varg Vikernes geplant haben und verhaftet worden sein.

Neonazi-Geschäfte unter Druck

Der norwegische Neonazi Michael Knudsen wurde, nachdem er wegen Aufstachelung zum Rassenhaß verurteilt worden war, mit einer Geldstrafe von 20.000 norwegischen Kronen (rund 5.000 DM) bestraft. Die Polizei fing allerdings erst an zu ermitteln, nachdem das norwegische Antifa-Magazin "Monitor" zusammen mit der Zeitung "Arbeiderbladet" nachweisen konnte, daß Knudsen die gleichen RechtsRock-Sachen vertrieb und verkaufte, aufgrund derer der ehemalige norwegisch/schwedische Neonazi-Führer Tor Erik Nilsen alias Erik Blücher von der »Firma« "Ragnarock Records" (Vgl. AIB Nr. 43) in Schweden Ärger mit den Behörden hatte. Das "Ragnarock"-Lager in Helsingborg, Erik Blücher und sein Geschäftspartner Hans Petterson waren am 8. Oktober 1998 von der schwedischen Polizei durchsucht worden.

Nachdem die norwegische Polizei am 16. Mai 1998 ein Neonazi-Rockkonzert vor den Toren Oslos verhinderte, ist dies die zweite Schlappe für das Geschäft mit RechtsRock von norwegischen Neonazis binnen kurzer Zeit.