(Symbolbild Bamberg. Foto: flickr.com; pilot_micha; CC BY-NC 2.0)
NS-Szene | AIB 6 / 1.1989 | 22.04.1989

Neonazi-Aktivitäten in Bamberg

In der oberfränkischen Stadt Bamberg kommt es seit Januar 1989 zu rassistischem Terror und Aktivitäten neonazistischer Gruppen. Immer öfter tauchen an Hauswände gesprühte Neonazi-Parolen auf.

An Silvester drangen mehrere Neonazis in ein Flüchtlingswohnheim am Oberen Stefansberg ein und brannten Feuerwerkskörper ab. Einige Tage später wurde die Parole "Kanaken go home" angebracht. Am 6. Januar 1989 wurde einen Brandanschlag auf ein Flüchtlingswohnheim verübt und am 9. Januar 1989 mußte eine Flüchtlingsunterkunft im Stadtteil Gaustadt wegen einer Bombendrohung evakuiert werden.

Die Polizei will dahinter keine rassistischen Motive erkennen. In Bamberg und Umgebung treten in letzter Zeit verstärkt Aktivisten der „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP ) und Neonazi-Skins auf. Am 25. November 1988 trafen sich die Neonazi-Kader Michael Kühnen und Thomas Brehl mit etwa zwanzig anderen Neonazis aus der Gegend im Bamberger Hauptbahnhof. Kühnen und Brehl warben dort für ihre Wählerinitiative „Nationale Sammlung“ (NS) bzw. „Wählerinitiative der FAP“ mit der sie in Hessen zu den Landtagswahlen antreten wollen.

Die „Nationale Sammlung“ will die hessische Kiemstadt Langen, wo sie ihren Hauptsitz hat, zur ersten „ausländerfreien Stadt in der BRD“ machen. In Langen war Kühnen, nach seiner Haftentlassung im März 1988, bei dem Neonazi Heinz Oskar Reisz („Nero“) untergeschlüpft. Der Brunnenbauer ist unter Kühnen Spitzenkandidat. Desweiteren Thomas Brehl, einst Kühnens Stellvertreter der 1983 verbotenen "Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten" (ANS/NA). Zu den Kandidaten gehört auch Rainer Sonntag. Bereits zu DDR-Zeiten ist er in der Neonazi-Szene aktiv, 1987 wird er wegen Körperverletzung und Rowdytum verurteilt. Es folgte die Abschiebung in den Westen, wo er über Jahre im Flüchtlingslager des Landes Hessen in Langen wohnt. Bereits 1988 kandidiert er auf Listenplatz 3 für Michael Kühnens „Nationale Sammlung“ für das Kommunalparlament von Langen.