Symbolbild (Foto: flickr.com; hackNY/CC BY SA 2.0)
NS-Szene | AIB 76 / 3.2007 | 20.09.2007

Mutmaßlicher Neonazi-Hacker vor Gericht

Am 27. September 2005 wurde der Server des antifaschistischen Online-Shops Red Stuff aus Berlin gehackt und die Kundendaten heruntergeladen. Diese wurden dann auf neonazistischen Anti-Antifa Internetseiten veröffentlicht. Allerdings gingen die mutmaßlichen Täter nicht so anonym vor, wie sie offensichtlich annahmen und so konnte die wegen Datenveränderung ermittelnde Staatsanwaltschaft Berlin zunächst einen Benutzer namens »Stefan J.« aus Schwabmünchen als einen der mutmaßlichen Täter identifizieren.

Dieser hatte praktischerweise bei seinem Internetprovider eine E-Mail Adresse »babs@ ksaugsburg.de«, sprich eine direkte Spur zu der Kameradschaft Augsburg hinterlassen. Die von ihm angegebene Adresse in Schwabmünchen war die des führenden Aktivisten der Kameradschaft Augsburg Marcel »Jessy« J. Bezahlt hat die zur Tatzeit genutzte Internetverbindung Marcel J. damalige Lebensgefährtin Barbara B., die ebenfalls der rechten Szene zugeordnet wird. Im Mai 2006 durchsuchte die Kriminalpolizei Augsburg die Wohnung der beiden und in der folgenden Vernehmung erklärte Marcel J. er habe mittels eines Backdoor-Programms versucht den Red-Stuff Versand zu hacken, dies sei ihm aber nicht gelungen, da er nur über 135.000 Passwörter verfügt habe. Er habe seinen Internetanschluss im Namen seines Freundes Stefan J. lediglich aus einer finanziellen Notlage angemeldet, dieser habe mit dem Hack-Angriff aber nichts zu tun.

Später widerrief Marcel J. seine Aussage, um von seinem Aussageverweigerungsrecht gebrauch zu machen. Das Augsburger Amtsgericht stellte am 26. März 2007 fest, dass es zeitgleich noch zwei weitere Hack-Angriffe gab: Einen vom Anschluß einer Beate F. aus  dem unterfränkischen Hunsleben  und einen nicht identifizierten mittels einer sog. »SQL-Injection«. Marcel J. wurde wegen Computersabotage zu vier Monaten Haft verurteilt, er ließ sich vom einschlägig bekannten Rechtsanwalt Frank Miksch verteidigen, der lokalen Antifaschisten zufolge der rechten Burschenschaft Frankonia Erlangen angehört.