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Gottfried Küssel - Eine (österreichische) Neonazi-Karriere

Renato Laut
Einleitung

Am 13. Februar diesen Jahres nutzte er seine Chance: Gottfried Küssel führte eine sogenannte Corona-Demonstration in Wien an, nachdem zuvor Polizeisperren von hunderten Demonstrierenden durchbrochen worden waren. Küssel war in seinem Element, er verhandelte mit der Polizei über die Route und gab auch bei Parolen den Takt an. Das Ganze war eine Premiere, denn bisher hatte Österreichs bekanntester Neonazi noch nie einen Aufmarsch in Wien angeführt.

Gottfried Küssel aus Wien
Foto: Presse Service Wien

Der Neonazi Gottfried Küssel (Bildmitte). Rechts daneben der Ex-Vapo-Mann Lucas T. beim „Corona-Protest“.

Er und sein Umfeld nutzen die Proteste gegen die von der Regierung verhängten Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, um aus dem Schatten zu treten. Unter dem Label „Corona Querfront“ tauchten sie schon bei den ersten Kundgebungen in den Reihen von Anhängern von Verschwörungsmythen, Impfgegnern, Fußball-Hooligans, FPÖ-Politikern und anderen organisierten (extremen) Rechten bei Demonstrationen im April 2021 auf.

Dabei geben sie sich als Kümmerer, die juristische Tipps auf ihrer Webseite anbieten oder anderen Demonstrierenden bei brenzligen Situationen zur Seite stehen. Mit einschlägigen Aussagen hielten sie sich zurück, allerdings verbreiteten auch sie sich die üblichen Verschwörungserzählungen über die Hintermänner der Pandemie oder Impfungen. Mit der Bezeichnung „Querfront“, wollen sie sich einen überparteilichen Anstrich geben. In der Weimarer Republik bezeichneten Rechte die Versuche, Brücken zur radikalen Linken zu schlagen, als Querfront. Mehr als kurzzeitige Bündnisse entstanden daraus jedoch nie, da sich beide Lager unversöhnlich gegenüberstanden und bekämpften.

Die Auftritte von Küssel sorgen immer wieder für Schlagzeilen, schließlich kennt ihn das halbe Land. Der 1958 geborene Küssel fasste Mitte der 1970er-Jahre bei der „Aktion Neue Rechte“ (ANR) Fuß, einer der militantesten Gruppierungen des österreichischen Nachkriegsneonazismus. Mit der sogenannten „Neuen Rechten“ hatte die Gruppierung nichts am Hut. Sie bemühte sich nicht einmal ansatzweise darum, ihre Ideologie durch modifizierte Worthülsen moderner wirken zu lassen. Die hauptsächlich aus dem Burschenschaftlichen Milieu Wiens stammenden ANR-Aktivisten prügelten sich regelmäßig in die Schlagzeilen, beschmierten jüdische Einrichtungen und agitieren gegen die „Holocaust Lüge“. Sie waren der schlagende Arm der Bewegung, der von Alt-Nazis, Holocaust-Leugnern und Weltverschwörern lernte. Nach einigen Jahren war der Bogen überspannt und die ANR wurde schließlich Anfang der 1980er Jahre behördlich verboten.

Danach war es an Küssel, den Aufbau einer neuen militanten Neonazi-Gruppierung zu übernehmen. Nachdem er bei fast allen extrem rechten Gruppierungen Österreichs zeitweise mitmische, unter anderem kandidierte er 1980 bei Gemeinderatswahlen in Niederösterreich für die FPÖ, gründete er 1986 die „Volkstreue Außerparlamentarische Opposition“ (Vapo). Die „Neugründung der NSDAP“ und die „erneute Machtergreifung“ war das erklärte Ziel der Gruppe, die sich als eine Art Neuauflage der SA verstand. Dementsprechend führten die Kreise um Küssel Brandanschläge durch, horteten Waffen und Sprengstoff, verprügelten Geflüchtete sowie Migranten, nahmen auf kroatischer Seite als Söldner am Bürgerkrieg in Ex-Jugoslawien teil und ließen nur selten eine Schlägerei mit Antifachist_innen aus.

Nachdem Küssel 1987 in seiner Wohnung überfallen und verprügelt wurde, warfen er und einige Komplizen Molotows-Cocktails in ein von Linken besetztes Haus in Wien. Dafür kassierte Küssel eine zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe von läppischen 17 Tagen. Eine Strafe, die damals typisch für den Umgang mit Neonazis war. Bezeichnend für jene Tage war auch, dass die Behörden die regelmäßigen "Wehrsportübungen" im Umland von Wien duldeten. Unter den Augen der Polizei trainierte die Vapo, wie dem Gegner die Gurgel durchgeschnitten oder wie er mit einem Nierenstich getötet werden kann. Für diese Ausbildung war auch der mittlerweile in Leipzig als Unternehmer tätige Hans Jörg Schimanek (Junior) zuständig. Sein Know-how erlernte er bei seinem damaligen Arbeitgeber, dem österreichischen Bundesheer.

Ende der 1980er Jahre knüpfte Küssel auch Kontakte nach Deutschland und dockte bei Michael Kühnen an, der damals einen Teil der Szene anführte und der als Gesicht des Neo-Nationalsozialismus galt. In einem 2019 erschienenen Interview in der deutschen Zeitschrift „Nationaler Sozialismus Heute“ („N.S. Heute“) wird Kühnen von Küssel als „die Leitfigur schlechthin“ gelobt. Küssel wurde von Kühnen zum „Bereichsleiter Ostmark“ ernannt. Die Vapo wurde ein Teil von Kühnens „Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front“ (GdnF), welche als Dachorganisation zahlreicher Kleinstparteien und Gruppen wirkte, die sich in der Tradition der SA sahen.

Nach dem Zusammenbruch der DDR 1989 waren Küssel und Kühnen gemeinsam in den sogenannten „neuen Bundesländern“ als Handlungsreisende in Sachen Nationalsozialismus unterwegs. Küssel befehligte Aufmärsche, agitierte und gab den Einpeitscher. Eine Dresdner Sozialarbeiterin erinnerte sich mit Schaudern an die Küssel-Auftritte: „Wochenlang war es ruhig, es gelang sogar, Skins in Sozialprojekte zu integrieren; dann kam der Küssel, soff sich in Rage und schon hetzte er die Meute los, `Fidschis, Kanaken und Linke ́ zu klatschen.“

Küssel und andere Vapo-Kader beackerten beinahe rastlos dieses neue Rekrutierungsfeld. Sie halfen auch mit, in einem "besetzten" Haus einen Neonazi-Stützpunkt in der Ostberliner Weitlingstraße aufzubauen. Dabei blies ihnen ein starker Wind entgegen. Es kam regelmäßig zu Auseinandersetzungen mit Antifaschisten und Antifaschistinnen. Eines Tages wurde der vor dem Haus parkende BMW des Salzburger Vapo-Chefs angezündet. Auf die Weitlingstraße ist Küssel heute noch stolz. In einem Podcast mit der deutschen Neonazi-Partei „Der III. Weg“ beklagt er aber, dass die damalige Aufbruchstimmung nicht genutzt wurde, um etwas Langfristiges in der ehemaligen DDR aufzubauen. Auch weil er 1992 „verhaftet wurde und es an Geld fehlte“, wie er auftischte.

In Österreich gelang es Küssel in Wien, Langenlois, Krems, St. Pölten, Wiener Neustadt, Salzburg und Gmunden Vapo-Gruppen aufzubauen. Zum harten Kern der Gruppe zählten rund drei Dutzend Personen, ihr Umfeld zählte aber einige hundert Personen. Dabei half Küssel, dass die Medien scharf auf „Neonazi-Stories“ waren, die er liefern konnte. Selten lehnte er Interviewanfragen ab und ließ sich und seine Leute bei Wehrsportübungen fotografieren oder filmen. Er tauchte regelmäßig in deutschen und österreichischen Medien auf, wurde so auch außerhalb der Szene interessant und zog v.a. männliche Jugendliche aus allen gesellschaftlichen Klassen an.

Nach dem Tod Kühnens im Jahr 1991 wurde Küssel als einer seiner Nachfolger auserkoren. In diesem Jahr war er auch maßgeblich bei der Organisation des Rudolf-Heß-Gedenkmarsches beteiligt, dem jährlichen Aufzug der Neonazi-Szene, um dem Hitler-Stellvertreter zu gedenken. Zusätzlich versuchte Küssel Söldner für den Bürgerkrieg in Jugoslawien zu rekrutieren. Seine diesbezüglichen Pläne konnte er aber nicht umsetzen, da er im Januar 1992 verhaftet wurde, nachdem er zuvor in Interviews unter anderem die „Wiederzulassung der NSDAP als Wahlpartei“ gefordert hatte. Mit dieser Aussage handelte er sich eine Verurteilung wegen NS-Wiederbetätigung ein. Das österreichische NS-Verbotsgesetz wurde 1947 erlassen und sieht strenge Strafen dafür vor, wenn sich jemand für die „NSDAP oder ihre Ziele irgendwie betätigt.“

1993 wurde Küssel der Prozess gemacht, 1999 kam er wieder auf freien Fuß. Die Vapo war zu diesem Zeitpunkt bereits Geschichte. Sie wurde von den Behörden komplett aufgerollt, nachdem der Rechtsterrorist Franz Fuchs das Land zwischen 1993 und 1996 mit einer Brief- und Rohrbombenserie in Atem hielt und vier Roma im burgenländischen Oberwart ermordete.

Einige Vapo-Männer gingen in den Untergrund, andere verabschiedeten sich aus der Szene und schlugen eine Karriere als Vertreter oder Priester ein. Andere wiederrum kamen bei der FPÖ unter.

So wirkt der ehemalige Wiener VAPO-Kameradschaftsführer Hubert Erhart als Pressereferent der Partei. Rene Schimanek, der Bruder von Hans Jörg Schimanek ( Junior), ist einer der engsten Mitarbeiter des im Juni 2020 geschassten Parteichefs Norbert Hofer. Von ihrer Vergangenheit distanzieren sie sich heute und tun diese als „jugendliche Dummheit“ ab.

Der ehemalige Stellvertreter von Erhart bei der Vapo hat eine beachtliche Karriere hingelegt. Marcus Ullman ist schon seit Jahren im Verkehrsministerium beziehungsweise neuerdings im Landwirtschaftsministerium tätig. Im Jahr 2008 wurden Fotos öffentlich, die ihn bei einer Wehrsportübung zeigen. Ullman wurde darauf aber kaum wahrgenommen, da auch der spätere FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache darauf zu sehen ist, ebenso wie auch der spätere Verkehrsminister Andreas Reichhardt. Die Fotos sorgten nur kurzzeitig für Aufregung, da der damals regierende sozialdemokratische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer dem FPÖ-Vorsitzenden Strache die Absolution erteilte: Er werde niemandem irgendwelche „Jugendtorheiten“ ein Leben lang nachtragen, sagte er damals.

Strache, der an Aufmärschen der „Wiking-Jugend“ in Deutschland teilnahm, kreuzte auch den Weg von Küssel. Auch darüber plauderte Küssel in dem bereits erwähnten Interview mit „N.S. Heute“, in dem er andeutete, belastende Informationen über Strache zu haben. Kennengelernt habe er Strache, als dieser „etwa 14 war“. In den 1980er-Jahren habe der Ex-Vizekanzler „für unsere damalige ‚Ausländer-Halt-Bewegung‘ an Wahlkampfaktionen teilgenommen“. Strache habe „nie unsere Blutgruppe gehabt, aber im stillen Kämmerlein hat er den großen Nationalsozialisten gespielt. Da gab es einige lustige Auftritte, über die will ich jetzt aber nicht reden, vielleicht brauchen wir das noch mal.“ Unmittelbar nach Veröf- fentlichung des Interviews sorgte es für ein Rauschen im Blätterwald, da Strache zu diesem Zeitpunkt noch Vizekanzler war – danach wurde es wieder still darum – bis das sogenannte „Ibiza-Video“ die Republik erschütterte und Strache zurücktreten musste.

Nach seiner Haftentlassung 1999 tauchte Küssel regelmäßig bei Szene-Veranstaltungen in Deutschland und Österreich auf. Gemeinsam mit Kameraden besuchte er Sonnwendfeiern, Festkommerse und Heldengedenken der Burschenschaften oder marschierte am Grab eines „NS-Fliegerhelden“ am Wiener Zentralfriedhof auf. Ein Foto aus dem Jahr 2008 zeigt Küssel gemeinsam mit dem späteren „Identitären“-Chef Martin Sellner. Einige Jahre zuvor, 2003, schlossen sich in Oberösterreich Jugendliche unter dem Namen „Bund freier Jugend (BFJ) zusammen, deren Treffen nach dem österreichischen NS-Verbotsgesetz aufgelöst wurden. Küssel hatte – gemeinsam mit seinem Gefährten Felix Budin - an deren Sommerfesten teilgenommen.

Der BFJ ist mittlerweile nicht mehr aktiv, zwei seiner Kader spielen aber heute noch eine wichtige Rolle in der Szene. Michael Scharfmüller ist Chefredakteur der Printzeitschrift „Info Direkt“, in der Rechte von FPÖ-PolitikerInnen über ehemalige Südtirol-Attentäter bis hin zu „Identitären“ zu Wort kommen. Finanziell wird das Projekt von der FPÖ mit Inseraten unterstützt.

Ein weiterer BFJ-Mann, Stefan Magnet, hat Ende Mai 2021 das Internet-Projekt „AUF1- TV“ gestartet, das (extreme) Rechte, Anhänger von Verschwörungsmythen und Corona-Leugner als Zielgruppe adressiert. Zuvor war Magnet bei der rechten Zeitschrift „Der Wochenblick“ tätig. Magnet verfügt über gute Verbindungen zur FPÖ. Als die Spitze der Partei im Jahr 2016 nach Moskau reiste, um mit der Partei Wladimir Putins „Einiges Russland“ eine „Vereinbarung über Zusammenwirken und Kooperation“ zu unterzeichnen, war Magnet mit dabei.

2011 wurde Küssel in Zusammenhang mit der neonazistischen Webseite „Alpen-Donau-Info“ („Adi“) verhaftet, 2013 zunächst zu neun Jahren, 2014 nach einer Strafmilderung zu sieben Jahren Haft wegen NS-Wiederbetätigung verurteilt. Auch Felix Budin kassierte eine Strafe. Die Webseite war über Jahre das Zentralorgan der österreichischen Neonazis. Das behördliche Vorgehen gegen Küssel und andere Strippenzieher der Hassseite sorgte für einen Generations- und Strategiewechsel in der Szene.

Die Ermittlungen standen an der Wiege der extrem rechten „Identitären Bewegung“, die erstmals 2012 in Österreich auftauchte. Mit Martin Sellner schaffte es ein ehemaliger Aktivist aus Küssels Umfeld, zum Gesicht der „Identitären“ zu werden. Seither steht er mit seinen einstigen Kameraden auf Kriegsfuß, die auf einen orthodoxen Nationalsozialismus setzen. Oder wie Küssel in einem Podcast der deutschen Kleinstpartei „Der III. Weg“ sagte: Sellner sei „ein Selbstdarsteller“, der sich nicht der großen Sache „unterordnen“ kann. Und er geht davon aus, dass die „Identitären“ mit Sellner stehen und fallen, wobei Küssel mit einem Zerfall rechnet. Ideologisch kritisiert er, dass sie kein biologistisches Weltbild („deutsches Blut“) vertreten.1

In den vergangenen Monaten ist eine zunehmende Spannung zwischen den „Identitären“ und dem Umfeld von Küssel zu bemerken. Beide versuchen auf Corona-Demonstrationen den Ton anzugeben – und sind seit den ersten Demonstrationen im April 2020 dabei. Während die „Identitären“ Spenden sammeln, Transparente tragen oder von Kundgebungen auf ihren Online-Plattformen berichten, treten Küssel und seine Leute als erfahrene Aktivisten auf. Neben Küssel und seiner Frau Karin sind auch langjährige Weggefährten in der „Corona Querfront“ aktiv.

Neben dem ehemaligen Vapo-Mann Lucas T., dessen Vater einst der Anwalt Küssels war, ist auch Harald Schmidt zu nennen. Er ist Vorsitzender des Vereins „IUVALEX – Gesellschaft für juristische Zusammenarbeit und Rechtshilfe“, der den Rahmen für die „Corona-Querfront“ liefert.

Der Jurist Schmidt war in den 1970er Jahren einer der führenden Köpfe der ANR, österreichweit wurde er als Testamentsfälscher für die „Schwarze Witwe“ Elfriede Blauensteiner bekannt. Deren Fall sorgte für Schlagzeilen, da sie via Kontaktanzeigen wohlhabende ältere Männer suchte, die sie tötete, nachdem sie in ihren Testamenten bedacht wurde. 1997 wurde Blauensteiner wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Anwalt Schmidt wurde als Mittäter wegen Betruges und Körperverletzung mit Todesfolge zu sieben Jahre Haftstrafe verurteilt. Davon saß er drei Jahre ab. Die Anwaltszulassung wurde ihm entzogen. 2011 stand Schmidt wieder vor Gericht, weil er im „Alpen-Donau-Info“-Forum zu offen seine Gesinnung gezeigt hatte. In den vergangenen Jahren tauchte er in Deutschland immer wieder bei Veranstaltungen auf, etwa 2019 bei einer NPD-Demonstration in Dresden.2 Schmidt wird auch im Umfeld der Webseite „Unwiderstehlich“ zugerechnet, die sich - neben drei weiteren Telegram Channels - als Zentralorgan der österreichischen Neonazi-Szene positioniert. Dabei treten die Hintermänner und Frauen nicht öffentlich in Erscheinung, unterhalten aber Kontakte nach Deutschland.

Bei den Demonstrationen und Aufmärschen der Corona-Querfront zeigt sich auch das restliche Umfeld der Leute um Küssel. Darunter ist Marco H., der 2015 einen jüdischen und einen islamischen Friedhof schändete und dafür wegen NS-Wiederbetätigung verurteilt wurde. Seine Mutter Susanne tauchte hingegen bei den „Identitären“ auf. Bei Demonstrationen trug Marco H. mehrfach eine Mütze der deutschen Neonazi-Partei „Der III. Weg“. Die Partei steht bei den österreichischen Neonazis hoch im Kurs. So gewährte nicht nur Küssel deren Aktivisten ein Interview, sondern auf der Homepage des „Der III. Weg“ sind auch regelmäßig Berichte über die „Kameraden in der Ostmark“ zu finden.

Wie sehr die Gruppe rund um Küssel mit der Szene in Deutschland verwoben ist, zeigte sich auch 2018 beim Neonazi- Kampfsportevent „Kampf der Nibelungen“ in ostdeutschen Ostritz. Dort marschierten auch Thomas C. und Paul B. mit „Alpen-Donau.Info“-Shirts auf. Thomas C., der kurzzeitig als Security im österreichischen Parlament arbeitete, und Paul B. sind seit Jahren an der Seite des Ehepaars Küssel zu  finden. So auch bei einer Demonstration der „Corona-Querfront“ am 8. Mai 2021 in der burgenländischen Hauptstadt Eisenstadt. Mit der „Corona-Querfront“ haben sich Küssel und seine Leute ein Projekt aufgebaut, mit dem sie öffentlich in Erscheinung treten können. Andere virtuelle Projekte wie die Webseite „Unwiderstehlich“ oder der Telegram-Channel „Infokanal Deutschösterreich“, bleiben verdeckt, um sich vor behördlicher Verfolgung zu schützen.

In diesen nicht offenen Strukturen wird derzeit ein aktionistischer Flügel aufgebaut, der als „Gruppe für Sport und Technik“ (GST) auftritt. Zu seinen Aktionen zählte etwa die Übermalung eines antifaschistischen Wandbildes in Wien. Mit der GST soll den „Identitären“ Konkurrenz gemacht werden, deren Aktionismus bei rechten Jugendlichen gut ankommt. Küssel und sein Gefährte aus Vapo-Tagen Lucas T. setzen auch auf Aktionismus, bei einem öffentlichen Auftritt in einem Biergarten beschimpften die beiden den konservativen Bundeskanzler Sebastian Kurz. Das Video von der Aktion ging im Netz viral.