Rezensionen | AIB 86 / 1.2010 | 21.04.2010

Feindbild Moslem

Bereits im vergangenen Jahr erschien das Buch des Journalisten Kay Sokolowsky. Es widmet sich dem antimuslimischen Rassismus, der Islam-/Moslemfeindlichkeit, Islamophobie oder wie auch immer man die in Europa grassierende Feindschaft den Muslimen oder als muslimisch markierten Menschen gegenüber bezeichnen mag. Der Autor zeichnet nach, in welchem gesellschaftlichen Klima dieser Rassismus seine heutige Wirkmächtigkeit erlangen konnte und spannt einen Bogen von der rassistischen Mobilmachung der Nachwendezeit unter der Kohl-Regierung bis zur antimuslimischen Kampagne des Spiegel, der in seinen Coverstories immer wieder die drohende »Islamisierung« Deutschlands an die Wand malte und so mit dem Vokabular von Rechtspopulisten massiv Stimmung gegen Muslime machte. In mehreren Porträts werden ProtagonistInnen der »Islamkritik« vorgestellt. Vom notorischen Henryk Broder über den früheren Linken Ralph Giordano und die »Kronzeuginnen« Necla Kelek und Seyran Ates, die, wenn auch im Ton teilweise polemisch, durchaus differenziert dargestellt werden. Abgerundet wird der Band mit einigen Interviews, unter anderem mit dem Leiter des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung Wolfgang Benz zu Parallelen zwischen antimuslimischem Rassismus und Antisemitismus. »Feindbild Moslem« bietet einen guten Überblick über den antimuslimischen Diskurs und eignet sich durch seinen journalistischen Stil sehr gut zum Einstieg ins Thema. Zur weiteren Vertiefung sind der Sammelband »Islamfeindlichkeit« von Thorsten Gerald Schneiders und »Die ‚westliche Kultur‘ und ihr Anderes« von Iman Attia zu empfehlen.

Kay Sokolowsky,
Feindbild Moslem
Rotbuch Verlag, Berlin 2009