Konrad Adenauer (1 Reihe, 3 v.r.) war Ehrenpräsident der Deutschland-Stiftung. Die von Bundeskanzler Konrad Adenauer geführte Bundesregierung von 1953: Mit dabei die rechten Politiker Franz Josef Strauß und Theodor Oberländer (Dritte Reihe in der Mitte). Bild: Bundesarchiv 183-21910-0004/CC BY-SA 3.0)
Braunzone | AIB 39 / 2.1997 | 06.09.1997

Führungswechsel in der »Deutschland-Stiftung«

Vor dreißig Jahren gründete Kurt Ziesel als Spiritus rector die Deutschland-Stiftung e. V. (DS) mit Sitz in Breitbrunn/Chiemsee. Fast ebenso lange füngierte er als Herausgeber von deren Publikation, dem Deutschland Magazin (DM). Beides - Deutschland Stiftung wie das Deutschland Magazin - bestimmte Ziesel maßgeblich.

Gerichtlich durchgesetzte politische Einstufungen der DS reichten von »demokratiefeindliche Gruppierung«1 bis »von Alt- und Neofaschisten durchsetzte Organisation«2. Nach dem Berliner Historiker Wolfgang Benz könnte sie dort angesiedelt werden, »wo das Seriös-Konservative aufhört und wo das Unseriös-Nationalistische, ins Rechtsradikale Hineinschillernde beginnt«3. 1994 wurde die Aussage, daß die DS »bis heute mit Vertretern des bundesdeutschen Rechtsextremismus« zusammenarbeitet, gerichtlich erlaubt.

Durch die Verleihung der »Konrad-Adenauer-Preise« vorzugsweise an Personen des rechtskonservativen Politspektrums - unter anderem Gerd-Klaus Kaltenbrunner, Armin Mohler, William S. Schlamm, Gerhard Löwenthal, Otto von Habsburg - sorgte die DS für deren Renomme.

Der Altbundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) war bis zu seinem Tod Ehrenpräsident der Deutschland-Stiftung. Der Verein selbst wusste zu berichten: „Der Schriftsteller Kurt Ziesel – der eine jahrzehntelange Erfolgsserie als Romancier abgebrochen [hatte] und ins politische Streitfach gewechselt war – besuchte Altbundeskanzler Konrad Adenauer. Das war 1966. Die beiden Gesprächspartner kamen zu den gleichen Entschlüssen. Die Deutschland-Stiftung e.V. wurde aus der Taufe gehoben“.

Eine immense Aufwertung sorgte 1994 Bundeskanzler Helmut Kohl, indem er den »Konrad-Adenauer- Freiheitspreis« entgegennahm. Und als er in seiner Rede anläßlich der Konrad-Adenauer-Preisverleihung 1996 auch noch Ziesel für dessen »Verdienste« würdigte, führte dies zu öffentlichen Protesten. In einer Fragestunde des Deutschen Bundestages im Juni 1996 wurde diesbezüglich eine Begründung des Bundeskanzlers verlangt.

Ende letzten Jahres nun teilte Ziesel seinen Rücktritt mit4. An seiner Stelle wirkt seit dem 1. Januar 1997 der stellvertretende DS-Vorsitzende Hans Graf Huyn (alias Johannes Georg Carl Friedrich Huyn). Interessant wäre, ob der Wechsel aus eher taktischen Überlegungen geschah. Möglicherweise, sollte so die DS - und damit auch den Bundeskanzler - aus der Schußlinie gebracht werden. Ein tatsächlicher personeller Wechsel könnte dann eine Veränderung im politischen Kurs der Deutschland- Stiftung nach sich ziehen. Um dies möglichst zu verhindern, müßte an die Stelle von Ziesel eine Person »gleichen Kalibers« treten. Eine diesbezügliche Einschätzung soll durch die folgenden »Lebensläufe« von Ziesel und Huyn erleichtert werden.

Literarische Ursprünge...

Was meint Ziesel nun genau, wenn er in der ihm noch verbleibenden Zeit »zurück zu den Ursprüngen« seines »literarischen Wirkens« will?5

Der gebürtige Österreicher (Innsbruck 1911) wurde 1930 Mitglied im NS-Studentenbund. Ab 1931 (Eintritt in die NSDAP) arbeitete Ziesel für NS-Publikationen, wie unter anderem "Völkischer Beobachter", "Wille und Macht", "Hakenkreuzbanner" und veröffentlichte mehrere Aufsätze und Bücher. Sein Roman »Der kleine Gott« (Wien, 1939), der laut Ziesel eine Auflage von 550.000 erreicht haben soll, wurde im SS-Organ "Das schwarze Korps" im Sinne der Ziele des Lebensborn interpretiert.6 Ziesels Aufnahme in die Reichsschriftumskammer erfolgte 1939 (bei den Angaben seiner Personalien gab er als Vorname Kurt Adolf an). Im selben Jahr schreibt er: »Ein gesunder Rasseninstinkt bewahrt die Litauer vor jedem blutsmäßigen Einfalt der Juden in ihr Volk«.

Nachdem er 1940 eingezogen wurde, diente er als Kriegsberichterstatter. Die Wehrmachtszeitungen waren nach Aussagen eines Zeitzeugen »angehalten, die Durchhalteartikel Ziesels (...) bevorzugt zu bringen«7. Im Jahre 1943 denunzierte Ziesel seine Köchin wegen »staatsfeindlichen Äußerungen« und einer »Gesinnung ... die für das Konzentrationslager reif ist«8.

Über die Beteiligten am Anschlag gegen Hitler vom 20. Juli 1944 schrieb Ziesel im Völkischen Beobachter (3.9.1944) »...an welchem Abgrund menschlicher Verworfenheit oder geistiger Umnachtung müssen jene Ehrgeizlinge gestanden haben, als sie, wider den Geist des ganzen Volkes sündigend, die Hand gegen den Führer erhoben ... Jeder, der sich wider den Geist des Krieges versündigt, muss vernichtet werden.«9

Kalte (Nach) Kriegszeit...

Kurz nach Kriegsende wurden in Österreich seine sämtlichen Publikationen verboten, zeitweise hatte er sogar Redeverbot. Laut Bamberg nahm Ziesel nach 1945 den »Kampf gegen die entartete Linke, die unser Volk besudelt« wieder auf und gehörte (vermutlich auch unter den Pseudonymen Gerhard Breitburg, Hartmut Brunner, Leopold Zorn) zu den führenden rechten Publizisten10.

Seither überzog er KritikerInnen - und zwar nicht nur an seiner Person oder der DS – mit einer Unzahl von Strafanzeigen, Prozessen oder Pressekampagnen. So ging er er bspw. gegen KritikerInnen von Franz Josef Strauß in der »Spiegel-Affäre« vor. Juristischen Beistand erhielt er dabei von Günther Ossmann, der zufälligerweise auch der Anwalt von Franz Josef Strauß, DS-Mitglied und Unterstützer der Konservativen Aktion war. Das Günther Ossmann auch Vorsitzender der Landsmannschaft der Oberschlesier in München und Mitglied des Präsidiums des Hauses des Deutschen Ostens in München, sowie Gründer und Vorsitzender des Vereins der Förderer des Haus des Deutschen Ostens in München e.V. war, verwundert da kaum noch.

Ziesel beteiligte sich an der Gründung der rechtskonservativen Gruppe Deutscher Kreis, die als Vorgängerorganisation des „Komitee Rettet die Freiheit“ bzw. der Deutschland Stiftung betrachtet wurde11 und der das zivile Gegenstück zu dem von Franz Josef Strauß initiierten Referat »Psychologische Verteidigung« darstellte.

Hier trafen sich politische Funktionäre wie Walter Becher (früher Vorsitzender des Witikobundes und der Sudetendeutschen Landsmannschaft), Friedrich-August Johannes Wilhelm Ludwig Alfons Maria Freiherr von der Heydte (früher Vorstandsmitglied der Abendländischen Akademie  und Unterstützer der Patrioten für Deutschland),  Richard Jaeger (CSU-Politiker und Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im Bundestag), der Journalist Winfried Martini (Arbeitskreis Juristen der CSU), Anton Maier (CSU-Bürgermeister in Dingolfing), Pascual Jordan von der Evangelischen Notgemeinschaft in Deutschland (ENiD) und dem Ultra-Rechten Bolko von Richthofen (Aktion Oder-Neiße, Deutsche Bürgergemeinschaft).

Zusammen mit Walter Becher und Hans Kapfinger (Hg. der »Passauer Neuen Presse«) initiierte er 1959 das „Komitee zum Schutz der Bürger gegen Diffamierung durch die Linkspresse“. Im selben Jahr erschien sein Buch »Das verlorene Gewissen« im J. F. Lehmanns Verlag, in dem er vornehmlich Publizisten attackiert, die sich – im Gegensatz zu ihm - von ihrer NS-Vergangenheit lösen konnten. Nahezu alle Organe der »nationalen Rechten« druckten Auszüge nach. Hier nutzte er die Gelegenheit den NS-Literaten Erwin Guido Kolbenheyer ausgiebig zu würdigen.

Bis 1960 gab Kurt Ziesel die Publikation „Europäischer Kulturdienst“ (München) heraus. Bei der Gründung der (neo)nazistischen "Gesellschaft für freie Publizistik" (GfP) durfte Kurt Ziesel natürlich auch nicht fehlen.

In seinem 1961 erschienenen Buch »Der Rote Rufmord« versuchte Kurt Ziesel, das spätere DS-Mitglied und damaligen Vertriebenenminister Theodor Oberländer, den selbst Konrad Adenauer als »tiefbraun« bezeichnete, zu rehabilitieren.  Dabei saß das spätere Mitglied der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sogar für die Teilnahme am Hitlerputsch am 9. November 1923 vier Tage in Haft.

Die meisten rechten Blättern druckten Kurt Ziesel ab - von „Nation Europa. Monatsschrift im Dienste der europäischen Neuordnung“ bis zur Presse von Gerhard Frey (DVU). Kurt Ziesel war Mitarbeiter der der CSU-nahen Publikation "Demokratisch-Konservative Korrespondenz" um den rechten Autor Armin Mohler (früherer Geschäftsführer der  Carl Friedrich von Siemens Stiftung), Emil Franzel (Gründungsmitglied der Sudetendeutschen Landsmannschaft und des Sudetendeutschen Rates) und von der Heydte.

Die in dem NPD-nahen „National-Verlag GmbH“ (Hannover) erschienene rechte Zeitschrift „Deutscher Studenten-Anzeiger“ (DSA) führte Kurt Ziesel zeitweilig im Impressum. Als Redner trat er vor dem 1961 verbotenen "Bund Nationaler Studente"n (BNS) genauso auf wie vor der „Studiengesellschaft für staatspolitische Öffentlichkeitsarbeit e. V.“  (Amorbach) von DS-Mitglied Karl Friedrich Grau.

Gründung der Deutschland Stiftung

Die ersten Gespräche mit Konrad Adenauer über die Gründung der DS führte Kurt Ziesel 1964. Zwei Jahre später war es soweit: die Gründung der Deutschland-Stiftung e.V. erfolgte im Jahr 1966 im oberbayerischen Landkreis Rosenheim. Als Sitz wurde Breitbrunn am Chiemsee festgelegt.

Vorsitzender wurde Georg Stadtmüller. Das frühere Mitglied des Landesvorstands der CSU war bereits in der  Abendländischen Aktion und der Abendländischen Akademie aktiv gewesen. Als Vertreter wurden der rechtskonservative Autor und Funktionär der Landsmannschaft Ostpreußen Heinz Burneleit und Karl Friedrich Grau bestimmt. Kurt Ziesel wurde Geschäftsführer. Zwei Jahre später wurde das Deutschland Magazin (DM) ins Leben gerufen.

Ende der sechziger Jahre kam es zu internen Streitigkeiten in der DS. Vor allem der von Kurt Ziesel als Preisträger propagierte Emil Franzel handelte ihm den Vorwurf der Nähe zur NPD ein. Ein weiterer Kritikpunkt war sein Führungsstil. Jedoch ging Kurt Ziesel aus diesen Streitigkeiten als Sieger hervor, ein weiterer Rechtskurs der Deutschland Stiftung war fixiert.

Als er 1984 Bundeskanzler Helmut Kohl auf einer Besuchsreise nach Israel begleitete, kam es zu starken öffentlichen Protesten. So wurde aus den Reihen der Jüdischen Gemeinde in Berlin an Kurt Ziesels judenfeindliche Äußerungen in der NS- Zeit erinnert. Dies schien Helmut Kohl jedoch nicht weiter gestört zu haben. Als er 1994 den Konrad-Adenauer-Freiheitspreis entgegennahm, meinte er, daß Kurt Ziesel für sein »Eintreten für die freiheitlich-demokratische Grundordnung unserer Bundesrepublik Deutschland (...) Anerkennung und großen Respekt« verdiene.

Bei den Feierlichkeiten anlässlich Ziesels 85. Geburtstag bemerkte der CSU-Politiker Edmund Stoiber: »Ihr umfangreiches schriftstellerisches und journalistisches Schaffen gilt der Bewahrung unserer freiheitlichen Demokratie«. Eine Kostprobe für ein solches »journalistisches Schaffen« gab Ziesel jüngst in der Mai-Ausgabe des DM. Anläßlich der „unseligen Wehrmachtsausstellung des ultralinken Multimillionärs Reemtsma und des Altkommunisten Heer“ wird er als »Zeit- und Augenzeuge« präsentiert, der angeblich »schildert, was die in der Ausstellung gezeigten Bilder verschweigen. Die abgebildeten Hinrichtungen waren nämlich in fast allen Fällen nach dem internationalen gültigen Kriegsrecht für alle Armeen nach der Haager Landkriegsordnung berechtigte Maßnahmen gegen Partisanen, die zuvor in oft grausamster Weise deutsche Soldaten massakriert hatten.«

Vom Regen in die Traufe?

»Es ist für Graf Huyn nicht leicht, eine Aufgabe zu übernehmen, die drei Jahrzehnte in meinen Händen lag« erklärte Ziesel im Deutschland Magazin.12. Doch der Mann bemüht sich offenbar. Gleich in der Märzausgabe des Deutschland Magazin bezieht er sich unter der Überschrift »Die geistig-moralische Wende« auf die Analysen von Günter Rohrmoser, einem Mitbegründer des rechten "Studienzentrum Weikersheim" (SZW). Die Zeitschrift „Der Spiegel“ enttarnt er, ganz wie sein Vorgänger, als »Desinformationsorgan« des sowjetischen Geheimdienst KGB.

Der in 1930 in Warschau geborene Hans Graf Huyn wurde 1955 Attache im Auswärtigen Amt. 1964 - im Jahr seines CSU-Beitritts - wurde er Mitglied im Politischen Büro der Europäische Volkspartei (EVP), einem konservativen Parteienbündnis auf europäischer Ebene.  Ein Jahr später - Huyn war inzwischen Legationsrat im Auswärtigen Amt - griff er den damaligen CDU-Außenminister Schröder an, den er wegen dessen Ostpolitik »Verzichtspolitiker« nannte.13 1972 arbeitete er als Angestellter der CSU-Landesgruppe in der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag und war bis 1976 außenpolitischer Berater von Franz Josef Strauß. 1976 wurde Hans Graf Huyn Mitglied des Deutschen Bundestages.

Hans Graf Huyn blieb auf Kurs. So verbreitete die Deutschland Stiftung 1971 eine von ihm verfaßte, die Ostpolitik der Bundesregierung als moskauhörig verunglimpfende Schrift.14

Rechter Netzwerker

Bei der Gründung des Instituts für Demokratieforschung (IfD) von Lothar Bossle im September 1972 ist Hans Graf Huyn mit von der Partie. Er wird Vizepräsident und Abteilungsleiter der lfD-Abteilung für Europafragen.

Weiterhin beteiligte er sich im Dezember 1973 an der Gründung der „Freien Gesellschaft zur Förderung der Freundschaft mit den Völkern der Tschechoslowakei“. Mit von der Partie waren Luděk Pachman (der tschechische Schachspieler schreibt mittlerweile unter dem Namen Pachmann) aus den Kreisen von der Gruppe „Konservative Aktion“, Rainer Gepperth (Hanns-Seidel-Stiftung und Instituts für Internationale Begegnung und Zusammenarbeit), Cornelia Gerstenmaier (Gesellschaft für Menschenrechte und Gesellschaft Kontinent e.V.) und Gerhard Löwenthal (ehem. Vorsitzender der Deutschland-Stiftung). Unter letzterem - im Februar 1977 neuer Deutschland Stiftung- Vorsitzender - wird Hans Graf Huyn als neues DS- Mitglied gleich in den Vorstand gewählt15.

Vier Monate später nimmt er an der Gründungsversammlung des Christlich-Paneuropäischen Studienwerk e.V. teil. Selbiges wurde aus den Reihen der Paneuropa Jugend Deutschland e.V. (Otto von Habsburg, DS-Preisträger) als Trägerverein des Brüsewitz-Zentrum (BZ) ins Leben gerufen.16

Im November 1977 begleitet Hans Graf Huyn Franz Josef Strauß und einen Trupp des Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland e. V. (VDA) auf einem Chile- Besuch des Militärregimes von General Augusto Pinochet. Mit von der Partie unter anderem der heutige Vorsitzende der Deutschland-Stiftung Wilfried Böhm. Wilfried Böhm war bereits als hessischer Landesvorsitzender des Vereins für das Deutschtum im Ausland, sowie als Vorsitzender der Stiftung Deutschlandlied aktiv.

Gleich im nächsten Jahr wird Hans Graf Huyn ins Präsidium des Deutsch-Chilenischen Freundeskreises e.V. gewählt, in dem auch Lothar Bossle vom Instituts für Demokratieforschung (IfD) wieder auftauchte.

Im IfD veröffentlichte Hans Graf Huyn unter dem Titel »Die Stellvertreterstreitkräfte der Sowjetunion« die deutsche Ausgabe des Buches von Ex-CIA-Mann Brian Crozier. Dieser war bis 1979 Direktor des renommierten Institute for the Study of Conflict in London. Crozier gilt als Initiator des Projektes Victory for Strauß des Cercle Violet.17

Cercle Violet...

Ebenfalls 1978 besuchte Hans Graf Huyn den Kongreß der World Anti-Communist League (WACL) in Washington.

Ein Jahr später ist er wieder in Washington. Diesmal besuchte er ein Treffen einer Organisation, die sehr gute Kontakte zur WACL unterhält: Den Cercle Violet.

Hier handelt es sich um einen Klüngel aus »CSU- treuen BND-Agenten, ausländischen Geheimdiensten, reaktionären Politikern und ultrarechten Journalisten«, zu dessen »'Führungsstab' oder eines Inneren Kreises« der ehemalige bayerische Staatsschützer Langemann den Hans Graf Huyn zählte.18 Dieser Trupp war angetreten, um in Europäischen Ländern »Regierungswechsel zu bewirken«. Für die BRD hieß das, Franz Josef Strauß, dem CDU/CSU-Kanzlerkandiaten für 1980, zur Macht zu verhelfen.

An dem zuvor genannten Treffen in Washington waren weiter beteiligt: das ehemalige CDU Mitglied im Deutschen Bundestages Karl-Heinz Narjes, der Ex-CIA-Mann William Colby, der Präsident der ultrakonservativen Vereinigung „The Heritage Foundation“ Edwin J. Feuler und der italienische Finanzminister Filippo Maria Pandolfi - ein mutmaßliches Mitglied der Geheimloge P2.19

Ein weiteres Cercle Violet-Treffen, an dem Hans Graf Huyn teilnahm, fand am 5./6. Januar 1980 in Zürich statt. Neben einem der Gründer Jean Violet waren auch Brian Crozier sowie Nicolas Elliot (Ex-Abteilungsdirektor im britischen Geheimdienst) anwesend.

Dem Protokoll eines Cercle- Treffs vom 28.-29. Juni des Jahres in Zürich ist zu entnehmen: »Graf Huyn berichtete über seine Gespräche mit dem Chef des saudischen Sicherheitsbüros über die Errichtung eines Kurzwellensenders mit der Zielrichtung Sowjetunion. Die Saudis seien daran interessiert und hätten die Finanzierung zugesichert, hätten aber zur Bedingung gemacht, daß ein Aspekt, wie der durch Radio Free Europe und Radio Liberty in Moskau erweckt würde, jedenfalls zu vermeiden sei.«20

Zu seinen Aktivitäten in der zuvor erwähnten World Anti-Communist League (WACL) erklärte Huyn der Zeitschrift Elan zufolge: »Hier treten wir nicht so stark unter dem Namen Antikommunistische Weltliga auf (...) es gibt bei uns ja genügend andere antikommunistische Organisationen. Unsere Aufgabe ist, deren Arbeit zu koordinieren mit der Spitze der Antikommunistischen Weltliga. (...) Wir sind eigentlich ein Verbindungsbüro«21

Angesichts dessen verwundert es nicht, Huyn in einer weiteren dubiosen Organisation wiederzufinden, in der „Western Goals Foundation“.

Western Goals...

Der US-Amerikaner Larry McDonald, erzkonservatives Kongreßmitglied und Kämpfer für die extrem rechte John Birch Society gründete 1979 bei Washington die „Western Goals Foundation”.

Ziel der Stiftung war, die traditionellen Werte des Westens »für jeden Totalitarismus unangreifbar« zu machen. Als Ableger fungierte auch ein „Western Goals Institute“.

Anläßlich der Gründung der Western Goals Europe e.V. mit vorläufigem Sitz in München (später Lemgo) traf man sich am 17. Mai 1981 im Godesberger Rhein-Hotel Dreesen. Interessanterweise vertrat ein gewisser Anwalt Ossmann den Verein. Neben Hans Graf Huyn war auch der CSU-Bundestagsabgeordneten Hans Klein (später stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender im VDA) anwesend.

Ebenfalls vor Ort der ehem. Admiral und Abteilungsleiter beim Internationalen Militärstab (IMS) der NATO in Brüssel Günter Poser. Er machte später Politik als ehem stellv. Bundesvorsitzender der rechten Partei „Die Republikaner“ und stellv. Vorsitzender des 1993 gegründeten Aufbruch 94 - Deutscher Freier Wählerbund22.

Der anwesende ehem. Generalmajor Hans-Joachim Löser soll als Geschäftsführer des Arbeitskreises I der FDP-Bundestagsfraktion tätig gewesen sein.

Auch Carl Gustaf Ströhm (Journalist von »Die Welt«) wirkte an der Versammlung mit. Carl Gustaf Ströhm war später Kuratoriumsmitglied im Studienzentrum Weikersheim und Mitarbeiter im Deutschland Magazin.

Als erster Deutschland-Direktor wurde Karol Sitko bestimmt. Später übernahm der Professor Hans Werner Bracht von der Fachhochschule Lippe die Präsidentschaft Nachfolger von Karol Sitkos. Aus diesem Kreis heraus entstand dann 1982 bei einem Treffen in Bad Godesberg am 17. Mai die Idee zur Gründung des American European Research and Strategic Institutes in München zur Diffamierung der Friedensbewegung in den USA und der BRD.

Anwesend waren auch mehrere Journalisten der Springer-Presse und ehemalige Offiziere der Bundeswehr, der frühere General George S. Patton  und der US-Industrielle Robert Waring Stoddard.23

Kurz darauf (Ende Mai des Jahres) legte Hans Graf Huyn eine Dokumentation vor mit dem Titel »Für Frieden in Freiheit«, in der er zu beweisen versucht, welche Mittel und Methoden Moskau benutzte, um die Friedenskampagne im Westen zu steuern.24

Schnee von Gestern?

Die oben genannten Organisationen sind keine Überbleibsel des Kalten Krieges, sondern verfügen nach wie vor über intakte Strukturen, bis weit hinein in rechte Organisationen.

So fand unter dem Motto »Die Zukunft der deutsch-amerikanischen Beziehungen« vom 8.-10. Juni 1987 ein „Seminar“-Treffen im US-Offiziersclub Harnack-Haus in Berlin-Dahlem statt. Teilnehmer waren hier neben Hans Graf Huyn, der CDU-Politiker Kai-Uwe von Hassel von der Hermann Ehlers Stiftung und Werner Kaltefleiter von der der Gesellschaft für Sicherheitspolitik und Rüstungskontrolle bzw. dem Institut für Sicherheitspolitik (ISPK).

Anwesend waren außerdem auch Mitglieder der von Geldern des US- Großkapitals unterstützen Hoover Institution, einem »think tank« in den USA.

Als Seminarleiter füngierte der Ex-Sicherheitsberater von Ronald Reagan, Joseph Churba, Präsident des International Security Council (ISC). Dies ist ein Gremium der Vereinigungskirche  („Moon-Sekte“) von Sun Myung Moon (auch San Myung Mun), einem Streiter der World Anti-Communist League (WACL).25

Teil der Strategie des geschilderten Netzwerkes ist, diskreditierte Gruppen und Organisationen aufzugeben bzw. einschlafen zu lassen, um dann in neu gebildeten, eventuell mit neuen personellen Kontakten und überarbeiteten Strategien, die Arbeit fortzuführen. Immer wieder auch entstehen aus den Personenkreisen der bereits bestehenden Organisationen oder Vereine neue, scheinbar unabhängige Projekte.

»Keine politische Macht ohne kulturelle Hegemonie...«

...ist den Vereinszielen des 1991/1992 in Bielefeld gegründeten Vereins „Förderverein Konservative Kultur und Bildung e. V. zu entnehmen. Der Verein betreibt das "Konservative Büro" in Bielefeld. Zusammen mit dem Jesuiten-Pater Lothar Groppe, Gerhard Löwenthal und Prof. Dr. Karl Steinbuch  bestimmt Hans Graf Huyn den Kurs des Vereins mit. Sie alle kommen aus dem Autorenkreis der Zeitschrift Criticon von Caspar von Schrenck-Notzing.Weiter wirkt hier auch die ständige Deutschland Magazin-Mitarbeiterin, Mitherausgeberin des Rheinischen Merkur und Junge Freiheit-Autorin Christa Meves mit.26

Die genannten Personen, inclusive Caspar von Schrenck-Notzing bilden das Kuratorium des Vereins.Ganz im Sinne von Caspar von Schrenck-Notzing und den Kräften um Criticon bzw. um sein Institut für Konservative Bildung und Forschung (IKBF) in München soll die »Gesellschaftsfähigkeit des geistig-kulturellen Konservatismus« wiederhergestellt, die Kräfte rechts der Unionsparteien gestärkt und zusammengeführt werden.

Ganz egal, ob die entsprechenden Personen oder Institutionen nun einer »(neo)konservativen« Strömung oder der »Neuen Rechten« zugeordnet werden. In den Zusammenschlüssen wirken sie alle zusammen. Ein wichtiges Beispiel dafür sind Hans Graf Huyn und die Deutschland-Stiftung.

  • 1.

    Der Spiegel, 12.09.1994

  • 2. vgl. Broschüre des AK Antifaschismus der SPD Unterbezirk Nürnberg, Dokumentation Nr. 10, Nürnberg 1980, S. 12
  • 3. vgl. Junge, Barbara; Naumann, Julia, Stark, Holger: Rechtsschreiber. Berlin 1997, S. 178
  • 4. Deutschland Magazin 12/96
  • 6. vgl. Bamberg, Hans-Dieter: Die Deutschland-Stiftung e.V. Meisenheim am Glan 1978, S. 359
  • 7. vgl. Bamberg, a.a.O., S. 362
  • 8. PDI, H 20, 83ff.; Stern, 38/1974
  • 9. vgl. Bamberg a.a.O., S. 358, zitiert nach Die Zeit, 3.7.1964
  • 10. vgl. Bamberg, a.a.O, S. 363, 367
  • 11. Antifa-Kommission KB: Braunzone zwischen CDU/CSU und Neonazis. Hamburg 1981, S. 19
  • 12. Ziesel in DM 12/1996, S. 3
  • 13. blick nach rechts, 26/1986, S. 6
  • 14. Bamberg, a.a.O., S. 151
  • 15. Schmidtendorf, a.a.O., S. 52
  • 16. Antifa-Kommission KB, a.a.O., S. 12, 46
  • 17. Der Spiegel, 37/1982, S. 29
  • 18. Der Spiegel, 37/1982, S. 28ff.
  • 20. vgl. Roth/Ender, a.a.O., S. 88ff.
  • 21. Elan, November 1985. Zit. nach: Roth/Ender, a.a.O., S. 84f
  • 22. Bauerschmidt/Brandt/Jentsch/Ohrowski: a.a.O., S. 221
  • 23. vgl. Roth/Ender, a.a.O., S. 49
  • 24. vgl. Roth/Ender, a.a.O., S. 61
  • 25. Gottwald, a.a.O., S. 255
  • 26. vgl. Junge Freiheit, 4/1994, S. 2