Eibicht im Interview mit dem Eckartbote aus Wien. (Faksimile Eckartbote 7/8 von 1997)
Braunzone | AIB 39 / 2.1997 | 17.09.1997

Ein schwarz-braunes Buch

»Die deutsche Demokratie (...) darf sich nicht länger permanent amerikanischem und jüdisch-israelischem Druck beugen: Wir haben geistig und materiell genug bezahlt, einmal muß ein Ende sein!« (…) »Zahlreiche Geschichtsrevisionen werden notwendig sein (…)«

Mit diesen und anderen pathetischen Sätzen leitet Rolf-Josef Eibicht das von ihm frisch im "Hutten-Verlag" herausgebrachte Buch »Unterdrückung und Verfolgung deutscher Patrioten. Gesinnungsdiktatur in Deutschland?« ein.

Die Zitate machen deutlich, daß es in diesem Sammelband nicht nur um irgendwelche Ungerechtigkeiten geht, die irgendwelchen »Deutschen Patrioten« widerfahren sind, sondern vielmehr um den Versuch, den Geschichtsrevisionismus gesellschaftsfähig zu machen. Durch die Verleugnung der deutschen Kriegsschuld und die Verharmlosung des Holocaust scheinen einige der Autoren die Deutschen als die wahren Opfer der Geschichte darstellen zu wollen.

So soll z.B. ausgerechnet ein Zitat des Holocaust- Leugners Robert Faurisson die »Unterdrückung und Verfolgung Deutscher Patrioten« belegen. Aber auch Ausdrücke wie »Holocaust-Komplex« und »kriminalisierte Geschichte« und Sätze wie »Man entrollt die Schuldfahne (die man gegen die Hakenkreuzfahne eingetauscht hat), würzt sein abgestandenes moralisches Bier mit Auschwitzpfeffer und gießt dieses dann über alles aus, was sich nicht in gleicher Weise prostituiert« lassen den Charakter des Buches durchscheinen.
Das von den Revisionisten angestrebte Geschichtsbild wird im Vorwort des Herausgebers schnell deutlich: Der zweite Weltkrieg wäre ohne Hitler noch viel früher gekommen, der »Feldzug gegen Rußland« war eindeutig ein »Präventivschlag«, die deutsche Wehrmacht war »großartig«, die Befreiung vom Faschismus war »der Sieg über die eigene Nation«, die Geschichte wurde »zum Verbrecheralbum« gemacht und ein »Viertel des Deutschen Reiches« wurde »uns gestohlen«. Und nun wird in der Bundesrepublik der Revisionismus »gegen die Menschenrechte« und »grundgesetzwidrig« »geistig geknebelt«. Deswegen erschien jetzt das neue »Standartwerk über die Patrioten-Verfolgung in der Bundesrepublik«, das eine »Kampfansage gegen die wachsende deutschfeindliche Gesinnungsverfolgung« sein will.

Im Großen und Ganzen eigentlich in der (extremen) Rechten nicht besonders neu und nicht besonders originell. Aber trotzdem wird man dieses Buch als einen gefährlichen Erfolg für sämtliche konservativen und neonazistischen Geschichtsrevisionisten ansehen müssen. Die Gefahr liegt hierbei weniger bei dem bei solchen Autoren erwartbaren Inhalt des Buches, sondern vielmehr bei der Zusammensetzung der Autoren.

Diese reicht nämlich vom ehemaligen CDU-Innensenator von Berlin und dem CDU-Bundestagsabgeordneten, Heinrich Lummer, bis hin zum Neonazi-Terroristen Manfred Roeder. Wenn es den Neonazis nach der Demonstration gegen die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941–1944“ am 1. März in München und nach diesem Buch weiterhin gelingt, sich bei der bürgerlich konserativen Rechten einzuklinken bzw. diese für eigene Projekte zu begeistern, sind sie einem ihrer Ziele gefährlich nah gekommen: Der Durchbrechung ihrer gesellschaftlichen Isolation und der Möglichkeit, geschichtliche Tatsachen öffentlich und weitestgehend ungestört zu verharmlosen, anzuzweifeln und zu leugnen.

AntifaschistInnen sollten dieses schwarz- braune Geflirte sehr aufmerksam beobachten und nach Möglichkeiten suchen, erneute Schulterschlüsse zwischen bürgerlich-reaktionären und nenazistischen Kreisen vorzeitig zu stoppen.

Einige der Autoren

Einige der Autoren und ihr politische/organisatorische (Selbst)-Verortungen sollen hier dokumentiert werden:

Rolf-Josef Eibicht: Ehem. Angestellter bei „Sudetendeutscher Rat e.V“ in München, von 1988-1990 Geschäftsführer der „Arbeitsgemeinschaft deutscher Volksgruppen in Europa“, Mitglied u.a. in „Deutsche Gesellschaft für Heereskunde e.V.“, „Sudetendeutschen Landsmannschaft e.V.“, „Zeitgeschichtlichen Forschungsstelle Ingolstadt“ (ZFI), „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP) und „Verein für Demokratie und Meinungsfreiheit“, 1996 Gründer des „Eibicht Verlag – Verlag für Politik und Zeitgeschichte“.

Per Lennart Aae: NPD-Beisitzer und Rechtsreferent. Per Lennart Aae meldete die Demonstration gegen die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941–1944“ am 1. März in München an.

Alfred Ardelt: Dozent und wissenschaftlicher Oberrat an der Offiziersschule des Heeres in Hannover und am Zentrum Innere Führung der Bundeswehr in Koblenz tätig, in Hannover mehrere Jahre CDU-Lokalpolitiker, Landesvorsitzender der „Sudetendeutschen Landsmannschaft Niedersachsen“ Mitglied u.a. im Witikobund e.V. und in der „Bundesversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft“. Gründungs- und Vorstandsmitglied des Vereins „Staats- und Wirtschaftspolitische Gesellschaft“ (SWG).

Rolf Kosiek: Vorsitzender der „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP), ehem. NPD-Landtagsabgeordneter und Bundestagskanditat, Mitglied im „Witikobund e.V.“, Vorstandsmitglied des von Walter Staffa geführten Vereins „Deutsche Seminar e. V.“

Roland Bohlinger: Verleger von Eibicht, Eigentümer des Eigentümer des „Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur“, Eigentümer des „Hutten-Verlag“ und der „Theodor-Storm-Versandbchhandlung“, Initiator der „Berliner Erklärung zur Zukunft Deutschlands“, Herausgeber der Zeitschrift „Nation“ (1992), Herausgeber des „Informations- und Dokumentationsdienstes“ (ID)

Rudolf Pietsch-Niedermühl: Mitglied der Bundesversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Jürgen Rieger: Neonazi-Multifunktionär und Rechtsanwalt der Neonazi-Bewegung, Vorsitzender der rassistisch-völkischen „Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung“, Vorstandsmitglied vom „Heide-Heim e. V.“

Richard W. Eichler: Mitglied im „Witikobund e.V.“, in der „Bundesversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaften“, Mitglied der „Deutsche Unitarier Religionsgemeinschaft“, in „Deutsche Gildenschaft“, der „Deutsche Kunststiftung der Wirtschaft e.V.“, in der der „Deutsche Akademie für Bildung und Kultur“ und Mitglied der „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP). Eichler war Generalsekretär und Gründungsmitglied der „Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste“. Auf einer Einladung der "Die Artgemeinschaft e.V." war ein Vortrag von Richard W. Eichler zum Thema "Das Religiöse in der Kunst" angekündigt.

Manfred Roeder: Schrieb 1973 das Vorwort zu der Holocaustleugner-Broschüre „Die Auschwitzlüge“ von Thies Christophersen. Er ist wegen Rädelsführerschaft in der neonazistischen terroristischen Vereinigung „Deutsche Aktionsgruppen“ vorbestraft. Anführer vom „Deutsch-Russische Gemeinschaftswerk – Förderverein Nord-Ostpreußen“.

Heinrich Lummer: 1965/69 Fraktionsgeschäftsführer der CDU, 1967 bis 1968 Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin, 1969 bis 1980 Fraktionsvorsitzender, 1980/81 Parlamentspräsident, 1981 bis 1986 Bürgermeister von Berlin und Senator für Inneres, 1987 Mitglied des Deutschen Bundestags. Ende 1992 war Lummer unter den Gründern der CDU- und CSU-nahen Gruppierung „Christlich Konservatives Deutschlandforum“.

Willi Heim: Ab März 1945 als Assistent beim Rechtsanwalt Rudolf Merkel (Gestapo-Verteidigung im „Nürnberger Prozeß“) in Nürnberg tätig. Anschließend selbständig verteidigt im sog. „Oswald Pohl-Prozeß“ („Prozess Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt der S"S), „Rasse-Siedlungs-Prozeß“ „Hauptamt-Prozeß“ und „Einsatzgruppen-Prozeß“.

Manfred Rouhs: War Funktionär der „Junge Nationaldemokraten" (JN), bei „Die Republikaner“ (REP) und bei der „Deutsche Liga für Volk und Heimat“. Herausgeber von „Europa vorn“. Macht seit neuestem zusammen mit dem NPD-Kader Sascha Wagner das RechtRrock-Fanzine „Neue Doitsche Welle“ (NDW).

Andreas Röhler: Gibt zusammen mit Peter Töpfer im “Verlag der Freunde” die Publikation “Sleipnir” heraus.

Hans-Dietrich Sander: war Chefredakteur von „Deutsche Monatshefte“ (seit 1990 mit „Nation und Europa“ fusioniert), Herausgeber der Zeitschrift „Staatsbriefe“

Udo Voigt: Leitete das „Nationaldemokratische Bildungszentrum“ in Iseo in Oberitalien, aktuell NPD-Parteivorsitzender

Klaus Weinschenk: 1987 Landesvorsitzender der Berliner Partei „Die Republikaner“