(Bild: Sreenshot twitter ENAR Europe)
International | AIB 129 / 4.2020 | 03.05.2021

Ein rassistischer Mord in Portugal

Am 25. Juli 2020 wurde der POC Schauspieler Bruno Candé in Moscavide auf einer Parkbank von Evaristo Marinho erschossen. Der Ex-Militär wurde noch am Tatort von Passanten überwältigt, seine Waffe war in den 1990er Jahren aus Polizeibeständen entwendet worden. Der geständige Mörder bestritt gegenüber der Polizei rassistische Motive gehabt zu haben.

Doch laut Zeugenaussagen soll der Täter sein Opfer schon drei Tage zuvor rassistisch beleidigt und mit dem Tod bedroht haben. Der 76-jährige Ex-Kämpfer verkündete: „In Angola habe ich etliche wie den umgebracht“.

In Portugal kommt es zu massiven Drohungen gegen AntirassistInnen, AntifaschistInnen, Flüchtlinge, POC und LGBTI. Vor einer Anti-Rassismus-Organisation kam es zu einem Aufmarsch im Stil des "Ku Klux Klan."

Mit dem Einzug der ultra-rechten Partei „Chega“ ins Parlament gibt es  in Portugal  auch einen parlamentarisches Sprachrohr für Rassismus. Der Chega-Chef und Parlamentarier André Ventura forderte im Januar 2020 die Deportation der POC Parlamentarierin Joacine Katar Moreira von der Linkspartei "Livre" ("Frei").

Die „Chega“ ist auch ein Anziehungspunkt für Neonazis. So wurden bei einer Parteiveranstaltung in Porto Hitlergrüße gezeigt und der Gründer der „Hammerskins“ in Portugal, Mário Machado, rief seine Anhänger dazu auf, in die „Chega“-Partei einzutreten. Machados kann als eine Art schwerkriminelle Serientäter bezeichnet werden, er geriet u.a. wegen Waffenbesitz, Erpressung und Entführung in den Fokus der Behörden und ging im Gefängnis ein und aus. Schon 1995 war er an einer rassistischen Hetzjagd auf POC in Lissabon beteiligt, bei der neun Personen zum Teil schwer verletzt wurden. Alcindo Monteiro wurde von dem rassistischen Mob ermordet.

Laut Presseberichten soll der (Ex)-Neonazi Tiago Monteiro bis Januar 2020 ein "Berater" der „Chega“-Führung gewesen sein. Er musste demnach sein Amt erst niederlegen, nachdem er zugeben musste, auch Mitglied von der Neonazi-Gruppe „Nova Ordem Social“ (NOS) gewesen zu sein.

Diese Organisation wurde 2014 von Machando aufgebaut, nachdem er die „Hammerskins“ im Streit verlassen hatte. Mittlerweile hat sich auch die „Nova Ordem Social“ (NOS) wieder aufgelöst und aus ihren Reihen entstand die Neonazi-Gruppe „Resistência Nacional“ (RN) um Nuno Cardoso. Der Neonazi galt zeitweilig als rechte Hand von Machado und ist nun in der „Chega“ im Bezirk Covilhã aktiv geworden.

Auch die bekannten „Resistência Nacional“-Anhänger Ana Cardoso und Luís Mártires werden mittlerweile den Strukturen der „Chega“ zugerechnet. Der frühere „Nova Ordem Social“-Mitbegründer Luís Filipe Graça soll es sogar bis in die Führungsetage der „Chega“ gebracht haben.