Einflussreich auch außerhalb der Neonazi-Musikszene: v.l.n.r.: Arseney Klimachev, Ievgen Gapon („Nokturnal Mortum“) und Alexey Levkin. (Foto: Screenshot Facebook)
NS-Szene | AIB 126 / 1.2020 | 18.05.2020

Die Ukraine: Sehnsuchtsort der extremen Rechten

Ob durch Kampfsport-Events und -Trainings, vermeintliche Brauchtumpflege oder RechtsRock-Konzerte: Das, was vor allem im Zentrum der neonazistischen Bewegung in Kiew geboten und verwirklicht wird, wirkt anziehend und motivierend – vor allem für Neonazis außerhalb der osteuropäischen Metropole.

Ausgehend von alt-eingesessenen Organisationen wie „Blood & Honour Ukraine“ über aus Russland importierte Gruppen wie „Wotanjugend“ bis hin zur heutigen „Militant Zone“, wird in der Historie der ukrainischen Neonazi-Szene vor allem Folgendes vereint: Elite-Denken, militanter und militärischer Habitus sowie internationales Sendungsbewusstsein. Waren diese Aspekte bis zum Euromaidan 2013 im Großen und Ganzen nur der eingeschworenen rechten Subkultur vorbehalten, versucht heute vor allem die Partei und Organisation „National Korps“ - die 2016 dem neonazistischen Asow-­Regiment (Полк Азов) entsprungen ist – diese Aspekte in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.

Krieg als Common Sense

Das Erstarken der extrem rechten Bewegung in der Ukraine ist nicht nur der Dyn­a­mik der Maidan-Proteste geschuldet, auch parlamentarische Entscheidungen und Zugeständnisse in den Ministerien sind dafür maßgeblich verantwortlich gewesen. Eines der Schlüsselmomente dürfte dabei die Eingliederung der Asow in die ukrainische Nationalgarde im Jahr 2014 gewesen sein. Ursprünglich war Asow eines von etwa 80 Bataillonen, die in den Krieg gezogen waren. Ein Bataillon aus „Freiwilligen“ suggeriert man in Selbstdarstellungen, ein Bataillon aus Freischärlern und Söldnern dürfte die treffendere Beschreibung für die Asow sein.

Sicher schon vor dem Krieg mit Russland gab es in der Ukraine aktive Neonazi-­Organisationen wie „Blood & Honour“ (B&H) und extrem rechte Parteien wie etwa „Swoboda“, doch die militärischen Auseinnandersetzungen in der Ostukraine ließen erstmals eine lange Sehnsucht der Szene zur Realität werden. Nämlich die, Märtyrer glorifizieren zu können, mit denen auch der Rest der Gesellschaft etwas anfangen kann. Bilder eines ehrbaren Kampfes und den „Helden“ des Krieges prägten sich in das kollektive Gedächtnis. Der Mythos, einen Krieg gegen den „mächtigen Russen“, gegen dessen Annexionsbestrebungen umstrittener Gebiete und damit gegen den Bolschewismus zu führen, vereinte Neonazis und Nationalisten. Nun wurden die Neonazis zu den „Söhnen der Ukraine“, denen Medaillen verliehen werden und im Todesfall öffentlich gedacht wird. „Slawa Ukraina, herojam slava – Ruhm der Ukraine, Ruhm den Helden“ wurde nicht ohne Grund zum populären Gruß, obgleich er dem ultra-nationalistischen Lager entstammt.

Der Schritt, zivile Organisationen unter der Schirmherrschaft des Asow-Regiment ins Leben zu rufen, war wichtig, um den Krieg fassbar erscheinen zu lassen. Es entstand das „Asow Civil Korps“ und die Organisation „National Korps“. Das eingegliederte „Sport Korps“ bewegt sich hingegen in einem abgesteckten Bereich und bietet Kampfsporttrainings und Möglichkeiten, sich im Ring des „Reconquista Club“1 zu messen. Rechte Hooligans, etwa von den Vereinen Dynamo Kyjiw oder Metalist Charkiw, werden so an die Strukturen gebunden, zu denen sie im Rahmen der Maidanbesetzung bereits Kontakte knüpfen konnten.

Aktuell ist vor allem Denis „Nikitin“ Kapustin bemüht, junge Menschen aus den Ultra-und Hooliganszenen an das „National Korps“ heran zu führen. Beispielhaft steht dafür das unpolitisch wirkenden MMA-Event „F1ght K1ngs“, dass er in Kooperation mit dem „Reconquista Club“ im Mai 2019 organisierte. Einige der angetretenen Kämpfer waren bereits Angehörige des Asow-Regiments und der Organisation „National Korps“, andere sympathisieren mit der Szene, sind dem nationalistischen Lager und dem Hooliganmilieu zuzurechnen.

Das „Young Flame Fest“, welches im Sommer 2019 vom „National Korps“ in einer Art Freilichtmuseum abgehalten wurde, zeichnet ein ähnliches Bild. Neben der Präsentation von slawischem Brauchtum und Folkmusik fanden besonders die „Teamfights“ enormen Anklang. Auf sandigem Boden traten gleichzeitig mehrere Kämpfer in die von hölzernen Tribünen umgebene Arena. Mittendrin Denis Kapustin, der die Kämpfe offenbar als Ringrichter begleitete. Mit viel Pathos und dem Entzünden eines Scheiterhaufens endete das „National Korps“ Fest. Die am Nachmittag noch leger bekleideten jungen Männer trugen nun einheitliche, mit Tarnmuster versehene Partei-Kleidung. „Wenn der Nationalrevolutionär im Einsatz ist, dann trägt er keine Freizeitkleidung, keine Werbung für Bands oder Sonstiges, sondern einzig und allein die vorhandene Parteikleidung.“, schreibt auch die deutsche Neonazi-Partei „Der III. Weg“ ihren Anhängern vor. Dass die Kleinst-Partei regelmäßig in der Ukraine zu Gast ist und das „National Korps“ als Vorbild sieht, ist offensichtlich.

Musik als Waffe

Alle Leute die deutsch sprechen, macht mal Lärm, macht Lärm! Sieg Heil“, dröhnte eine Stimme fordernd über den Lautsprecher am 13. Dezember 2019 in Kiew. Die Aufforderung zu der in Deutschland strafbaren Handlung, der nicht wenige der anwesenden Neonazis inbrünstig nachgingen, war in fließenden Deutsch vorgetragen, wenn auch mit russischem Akzent. Es liegt nah, dass es sich um die Stimme Denis Kapustins handeln könnte, der einen großen Teil seines Lebens in Deutschland verbrachte, 2017 in die Ukraine zog und als Drahtzieher dieses Kampfsport-Events gilt. Das Logo der Marke „White Rex“, die Kapustin einst gründete und das auf dem Boden des Rings prangte, spricht für diese Annahme.

Etwa 200 Neonazis befanden sich an diesem Freitagabend in der Mala Opera im Zentrum Kiews, um sich u.a. MMA-Kämpfe anzuschauen. Die Fightnight namens „Winterraid“ war dabei Teil des zweitägigen „Asgardsrei Fest“ - das bislang größte NS-Black Metal-Festival (NSBM) in ganz Europa. Auf eine überdurchschnittliche Anzahl west-euopäischer Gäste kann die Veranstaltung jedoch erst ab 2016 blicken, was an der Ankündigung der französischen NSBM-Band „Peste Noire“ gelegen haben könnte.

2018 bestand bereits das halbe Line-Up des Festivals aus Bands aus Süd-und Westeuropa, darunter deutsche Bands wie „Absurd“, „Nordglanz“ und „Stahlfront“. ZuschauerInnen aus dem NSBM-Bereich fand man 2018 gleichermaßen wie Personen aus anderen Spektren der Szene: Angehörige des extrem rechten Brandenburger Kampfsport-Clubs „Northsidecrew“ und der „Kampfgemeinschaft Cottbus“, Personen aus dem Organisationskreis des „Kampf der Nibelungen“, sowie VertreterInnen der Neonazi-Partei „Der III. Weg“. Der seltene Auftritt der deutsch-österreichischen NS-Hardcore-­Band „Terrorsphära“ und das MMA-Turnier dürften Gründe gewesen sein, warum das Publikum so durchmischt war.

2019, beim achten „Asgardsrei Fest“, fand man hingegen keine deutschen Bands. Auch schien es, als würde die Behörden erstmals auf die Anreise europäischer Neonazis mit Druck reagieren. „Wollen sie zu dem rechten BM Konzert in Kiew, sind sie in der rechten Szene aktiv, haben sie Kontakte zur rechten Szene, sind sie im Kampfsport aktiv und wollen sie zu dieser rechten MMA Box Veranstaltung“, wäre Ralf S. am Flughafen in Frankfurt am Main von Zivilbeamten gefragt worden, schreibt er in einem Konzert­bericht. „Fuck you Mr. Zelensky!“, richtet wiederum eine tschechische Neonazi-Akti­vistin auf Instagram an den amtierenden Präsidenten der Ukraine. Sie sei in Kiew sechs Stunden von der Polizei festgehalten worden und ihr Lebenspartner Lukas R. habe ein Einreiseverbot bis 2022 erhalten. Nicht einmal bis nach Kiew kam eine deutsche Reisegruppe der Partei „Der III. Weg“. Schon in Berlin griff die Bundespolizei u.a. Oliver Oe. ab, um ihm eine Ausreiseuntersagung zu erteilen.

Organisatorisch ist vor allem „Militant Zone“ für das „Asgardsrei“ verantwortlich. Daneben findet man seit 2010/2011 „SvaStone“ als Sponsor fast aller musikalischer und sportlicher Zusammenkünfte. Gruppen wie „Blood & Honour Ukraine“ (B&H) werben dagegen schon seit Jahren nicht mehr öffentlich für Konzerte, und das nicht ohne Grund. Denn hinter „SvaStone“ steckt Arseniy „Bilodub“ Klimachev. Er ist Sänger der RechtsRock-Band „Sokyra Peruna“, die seit über 20 Jahren auf der Bühne steht und als Aushängeschild der ukrainischen RechtsRock-Szene gilt. Klimachev selbst war Mitbegründer des „wahren Blood & Honour“ in der Ukraine, nachdem die „alte“ B&H-Division 2002 aus dem weltweiten Neonazi-Netzwerk verbannt wurde. Mit der Anbindung von „Sokyra Peruna“ und Klimachev an B&H wurde der Grundpfeiler für internationale Kontakte geschaffen und Konzerte in Osteuropa maßgeblich ermöglicht. Schon 2005 konnte so die Leipziger Band „Odessa“ in der Ukraine auftreten, während im Hintergrund die Fahne der „Skinheads Chemnitz“ gehisst wurde - der Nachfolger des UnterstützerInnen-Netzwerks des NSU, B&H Sachsen. Hakenkreuz-Flaggen waren es wiederum, die Michael Regener, ehemals Sänger der Berliner Neonazi-Band „Landser“, entgegengestreckt wurden, als er 2013 mit seiner Band „Die Lunikoff Verschwörung“ in Kiew spielte.

Kontinuitäten, die heute u.a. beim „Fortress Europe“­-Konzert auffallen. Vormals hatte die ukrainische B&H-Division das „Perun Fest“ mit internationaler Beteiligung jährlich im Sommer organisiert, nun trat 2019 „SvaStone“ mit dem ersten „Fortress Europe“-Konzert an. Um Bands wie „Blue Eyed Devils“ aus den USA zu sehen, reisten u.a. Yves Rahmel, Holger M., Paul Morgenstern und Mathias Brüsehaber nach Kiew. Personen, die dem deutschen B&H-Milieu bis zum Verbot 2000 angehörten und gegen die teilweise Ermittlungsverfahren wegen Fortführung von B&H in Deutschland liefen. Für 2020, wo das zweite „Fortress Europe“-Konzert geplant war, sollte Mathias „Frösi“ Brüsehaber aus Mecklenburg-Vorpommern selbst auf der Bühne stehen, als Sänger von „Path of Resistance“. Desweiteren waren die deutschen Bands „Frontalkraft“ und „Übermensch“ für das zweitägige Konzert im Mai 2020 angekündigt.

Durch „Militant Zone“ konnte das Konzert-Geschehen um Arseniy Klimachev‘s „SvaStone“ um einen weiteren Multiplikator erweitert werden. Dennoch wird das Label, bzw. die Promotion von Olena Sem­e­nyaka - Kontaktperson für Auslands­ang­e­legenheiten des „National Korps“ - und Alexey Levkin getragen.

Levkin, u.a. Sänger der NSBM-Band „M8l8th“, stammt ursprünglich aus Russland und galt dort Mitte der 2000er Jahre als Teil einer Neonazi-Straßengang, die nicht nur für die Schändung jüdischer und muslimischer Friedhöfe verantwortlich war, sondern der auch mindestens vier Morde zur Last gelegt wurden. Levkin selbst saß 2006 in Haft und musste sich bis 2011 einer psychiatrischen Behandlung unterziehen. In Russland war er zudem Kopf der „Wotanjugend“, eine militant und konspirativ ausgerichtete Organisation, die vor allem virtuell Neonazi-Propaganda verbreitet und Konzerte organisiert. So etwa im Jahr 2013 mit Beteiligung der deutschen Liedermacher Sebastian Döhring („Fylgien“) und Jan-­Peter Kersting („Jan Peter“). Mit dem Wegzug Levkins ins Exil nach Kiew fanden auch in der Ukraine Aktivitäten der „Wotanjugend“ statt. In Kooperation mit der „Misanthrophic Divison“ - ein internationaler Zusammenhang von UnterstützerInnen der Asow – war für März 2016 auch die deutsche Neonazi-Band „Kraftschlag“ angekündigt, sowie erneut Sebastian Döhring. Er selbst präsentiert sich heute als Vertreter der „Wotanjugend – Sektion Germania“. Im Mai 2019 hatte die Gruppe in der Uckermark einen Vortrag zum Thema „Ukraine/Russland – Freiheitskampf Europas“ initiiert mit anschließendem Liederabend mit „Fylgien“ und Mirko Szydlowski als „Liedermacher Barny“. „Barny“ stand schon 2013 beim „Perun Fest“ von „Blood & Honour Ukraine“ in Kiew auf dem Flyer.

Wotanjugend“ sei eine Online-Gemein­schaft gewesen, die zu „Hardcore“ sei um sie öffentlich physisch präsentieren zu können, sagte Levkin 2019 in einem Interview. Vielmehr noch unterstütze er real das „National Korps“, das bereits eine Bewegung sei. Er selbst diente der Asow in der Ostukraine als Söldner und sieht sich als „politischer Ideologe“ des Regiments. Wesentlicher Bestandteil seiner Ideologe, die sich im „Asgardsrei“-Festival und in seinen Bands „M8l8th“ und „Adolfkvlt/AKVLT“ widerspiegelt, ist der Mystifizierung des Krieges und die meta-politische Ebene des Nationalsozialismus. Sowohl das Asow­-Regiment wie auch dessen historisches Vorbild, die Waffen SS, verwendeten spirituelle und esoterische Elemente in ihren Darstellungen. Einem religiösen Kult ähnelnd sprachen bzw. sprechen diese elitären militärischen Verbände von der Formung eines „neuen Menschenschlag“ aus „Übermenschen“. Auch religiöse Rituale gehören zu diesem Kult. Waren es in NS-­deutschen Zeiten die nordischen Götter, so suchen die ukrainischen Neonazis bei der slawischen Götterfigur „Perun“ Schutz. „Töten für Wotan“ steht auf den Flaggen der „Misantrophic Division“ und auch das Symbol der „Schwarzen Sonne“, dass die ersten Jahre Bestandteil des Abzeichens der Asow war, dürfte nicht von ungefähr kommen. Esoterische Kreise der Waffen SS hatten das aus mehreren übereinandergelegten Hakenkreuzen bestehende Symbol erfunden.

Realer Zugang zu Waffen

Um über den Krieg zu singen, muss man gekämpft haben. Um über Mord zu singen muss man getötet haben“, erklärte Alexey Levkin der griechischen Neonazi-Partei „Chrysi Avgi“ („Goldene Morgenröte“) in einem Interview, wie Michael Colborne und Oleksiy Kuzmenko in einer Recherche2 im September 2019 heraus fanden. Über den Krieg kann auch Arseniy Klimachev mit „Sokyra Peruna“ ein „Lied“ singen. Das Booklet ihrer 2018 veröffentlichten CD „Дорога В АТО -Road to ATO“ ist gefüllt mit Bildern von Klimachev im Kriegsgeschehen. ATO ist die Kurzform für „Anti-Terrorist Operation Zone“ und beschreibt das umkämpfte Gebiet im Osten der Ukraine, welches pro-russische Separatisten besetzten. In einem Musikvideo der Band ist Klimachev mit Söldnern der Neonazi-Miliz „Prawyj Sektor“ (dt.: „Rechter Sektor“) zu sehen. Die im Zuge des Euromaidan entstandene und bis heute einflussreiche Miliz ist hinsichtlich der ideologischen Ausrichtung vor allem mit der Asow vergleichbar. Nur wurde der „Rechte Sektor“ (Пра́вий се́ктор) nicht in die Nationalgarde eingegliedert.

Das auch auswärtige Neonazis am Krieg in der Ukraine teilnahmen, dürfte mittlerweile unbestritten sein. Namen gibt es jedoch nur wenig, etwa den von Ondřej Kliner aus dem tschechischen Derflice. Laut Selbstdarstellungen in den sozialen Netzwerken war er als Freiwilliger mit dem Asow-Regiment am Kriegsgeschehen in der ATO, u.a. in Mariopol beteiligt. In Tschechien, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Österreich entfernt, ist Kliner heute als Ortsvorsteher tätig.

Auch weiterhin verschlägt es ihn nach Kiew, etwa 2019 zum „Asgardsrei“-Festival. Bilder zeigen ihn in diesem Rahmen mit dem Österreicher Fotografen und Neonazi Tobias Bauer. Dieser hatte bei der MMA-Veranstaltung „Winterraid“ Fotos geschossen und scheint ebenfalls von den Strukturen der „National Korps“ begeistert zu sein. In Österreich ist Bauer eng mit einem der Sänger der NS-Hardcore-Band „Terrorsphära“, Ralph Schießl, verbandelt. Auch dieser hat Unmengen von Bezügen zum bewaffneten Kampf. „Train as you fight“ kommentierte Schießl eines seiner Bilder auf Instagram, wo er mit einem Sturmgewehr, einem AR-15, zu sehen ist. An der dort präsentierten Weste trägt er ein Tactical-Patch der „Misantrophic Division“. In der Ukraine war Schießl im Dezember 2018 u.a. als Musiker auf dem „Asgardsrei“ zugegen.

Mit einer Maschinenpistole des Typs Vector K10 präsentierte sich Mitte September 2019 hingegen der aus Schwedt (Oder) stammende und heute in Berlin geschäftlich tätige René Marschke. „Früher oder später kriegen wir euch“, kommentierte er Bilder und Videos von sich am Schießstand in der Ukraine, der alles andere als offiziell oder lizensiert wirkt. Sein Primärziel in Kiew war eigentlich ein Konzert mit den Neonazi-Bands „Kategorie C“ aus Bremen und „Sokyra Peruna“. Nur kurze Zeit davor, Ende August 2019, war Marschke schon einmal in Kiew. Da jedoch für ein Fotoshooting für die rechte Cottbuser Marke „Label 23“.

An Kontakten zu Personen mit Zugängen zu Waffen dürfte es den auswärtigen Neonazis nicht fehlen. Eine Auflistung mit Belegen und Bezügen könnte hier noch Seiten füllen. Zielführender erscheint jedoch herauszuarbeiten, welche deutsche Gruppen in Betracht ziehen, Organisationen nach dem Vorbild der Ukraine auch hier zu Lande zu etablieren. Offensichtlich ist der rege Austausch der Partei „Der III. Weg“ mit der ukrainischen Bewegung. Bislang wenig beachtet ist hingegen, dass aktuell Neonazis aus dem Raum Rostock einen Ableger der ukrainischen Neonazi-­Gruppe „Tradition and Order“ in Deutschland aufbauen. Hauptprotagonist ist dabei der Deutsch-Ukrainer Ivan Kormilitsyn, der im Sommer 2018 im Ausbildungslager der Asowschen Bewegung mit Waffen hantierte.