Rezensionen | AIB 95 / 2.2012 | 14.09.2012

Die Leipziger Meuten

Sascha Lange

Das Thema Jugendopposition im Nationalsozialismus wird vor allem mit der »Weiße Rose« oder seit den letzten Jahren auch mit den sogenannten »Edelweißpiraten« in Verbindung gebracht. Doch fernab dieser bekannteren Gruppierungen gab es auch eine Reihe weiterer Zusammenhänge, die durch ihr oppositionelles Verhalten mit den VertreterInnen des NS-Staates in Konflikt gerieten.

Das Buch des Historikers Sascha Lange beschäftigt sich mit der Jugendopposition in Leipzig, welche als Großstadt einen Schwerpunkt der organisierten Arbeiter_innnenbewegung darstellte. Dort widersetzten sich in den ersten Jahren nach dem Ende der Weimarer Republik eine Vielzahl von Jugendlichen u.a. der verordneten Gleichschaltung bzw. Auflösung der verschiedenen Jugendverbände. Lange veröffentlichte bereits 2010 seine Dissertation zum Thema und macht mit diesem Buch einige Interviews mit ehemaligen Mitgliedern der sogenannten »Meuten« öffentlich zugänglich. Eindrucksvoll beschreiben die Akteur_innen von damals ihre nonkonformen Aktivitäten und die Reaktionen der Umwelt, die nicht selten in Haftstrafen mündeten. Zahlreiche Fotos sowie Hintergrundbeiträge ergänzen die lesenswerten Interviews und geben ein interessantes Fragment von Jugendopposition im NS wieder.

Auch wenn sich der Autor ausschließlich mit einem regionalen Phänomen beschäftigt, bietet das Buch interessante Einblicke in die Lebenswelt nichtangepasster Jugendlicher im NS. Weitere aktuelle Informationen unter: www.leipziger-meuten.de

Lange, Sascha:
Die Leipziger Meuten.
Jugendopposition im National­sozialismus
Passage Verlag, Leipzig 2012.