Mitglieder des BHJ bei einer Veranstaltung
NS-Szene | AIB 74 / 1.2007 | 11.03.2007

Der BHJ: Völkische Jugendarbeit

Zwischen Nazi-Tradition und bündischer Erneuerung

Der BHJ als Großvater der HDJ ?
Die »Heimattreue Deutsche Jugend e.V.« (HDJ) sieht sich selbst in der Tradition des westdeutschen »Bund Heimattreuer Jugend« (BHJ). Doch diese unmittelbare Herkunft scheint, zumindest was strukturelle und personelle Kontinuitäten betrifft, eher Wunschdenken als Realität zu sein.

Vorläufer der HDJ war »Die Heimattreue Jugend« (DHJ), welche 1999 nach Jahren des Bedeutungsverlustes von einer fast komplett neuen Führungsmannschaft der späteren HDJ übernommen wurde. Nach eigenen Angaben wurde dann auf einem Bundesjugendtag im Oktober 2000 beschlossen den Namen »Die Heimattreue Jugend e.V.« durch »Heimattreue Deutsche Jugend e.V.« zu ersetzen. Grund sei die Tatsache gewesen, »daß man ‚Die Heimattreue Jugend’ nicht gescheit abkürzen kann, ohne das Kürzel einer seit ‘45 in Deutschland verbotenen Organisation zu nutzen.«1 

Doch auch die DHJ war nur ein Nebenprodukt einer Spaltung des BHJ im Jahr 1989/90, aus der »Der Freibund« als offizieller BHJ-Nachfolger hervorging. Dieser führte formal die alten BHJ-Strukturen weiter. Anbei der Versuch, Licht in die Geschichte der Spaltungen, Auflösungen, Zusammenschlüsse, Kooperationen und Konfrontationen der verschiedenen völkischen Jugendgruppen jenseits der verbotenen Wiking Jugend zu bringen. Trotz aller Flügelkämpfe zwischen und innerhalb der Gruppierungen wird deutlich, dass es seit 1945 im Grunde immer zwei Fraktionen rechtsextremer Jugendbünde in der BRD gab. Die eine, die sich relativ unbefangen in die Tradition der Hitler Jugend und damit der Jugendarbeit im nationalsozialistischen Sinne gestellt hat und eine zweite, die sich mehr oder weniger überzeugend davon abzusetzen versucht, ohne ihre völkischen und bündischen Traditionen aufzugeben. Diese zwei Fraktionen hatten über die Jahrzehnte auf die verschiedenen Organisationen unterschiedlich starken Einfluss und lassen sich nicht immer Eins zu Eins mit bestimmten Organisationen gleichsetzen.

BHJ: Zwischen Kontinuität und  Modernisierung

Der Bund Heimattreuer Jugend (BHJ) wurde in Westdeutschland nach dem Vorbild des BHJ in Österreich aufgebaut. Hans Hübner (Ex-Reichsjugend)2 gründete 1958 den BHJ in Franken. Es folgte der Aufbau weiterer, nur lose miteinander verbundener BHJ-Gruppen, bis 1960 der BHJ als bundesweite Organisation gegründet wurde. Doch der Bund zerfiel schon bald aufgrund innerer Streitigkeiten und staatlicher Repression. 1962 schlossen sich die übriggebliebenen Gruppen zum neuen BHJ in Form eines Vereins zusammen.3 Die ersten Bundesführer wurden Fritz Burger und Walter Schwardt. Von da an entwickelte sich der BHJ neben der Wiking Jugend zur wichtigsten Kraft innerhalb des Kameradschaftsringes Nationaler Jugendverbände (KNJ) und schaffte es als eine der wenigen völkisch-nationalistischen Jugendgruppen, seine Strukturen bis in die siebziger Jahre hinein zu retten. Die Führungsspitze spaltete sich dann jedoch in einen vor Allem an der NPD orientierten Flügel und einen auf Reformen und an der historischen bündischen Jugend ausgerichteten Flügel. 1974 begannen sich mit der Wahl von Hartmut Voigts zum Bundesführer die Modernisierungsbefürworter durchzusetzen, dieser Prozess wurde durch seinen Nachfolger Gernot Mörig beschleunigt.4

Teilen der BHJ war bis dahin eine Affinität zur Hitler Jugend anzumerken, denn in BHJ-Publikationen wurde auch von »Jungvolklagern«, »Gauen« und »Gauführern« gesprochen.5 Trotz eines moderateren Auftretens der neuen Führung blieb eine extrem völkische Ausrichtung beibehalten. In einer Selbstdarstellung schrieb der BHJ: »Wir sind stolz, diesem Volke angehören zu dürfen! (...) Wir sind die Kämpfer für die Einheit unseres Reiches in einer verworrenen Zeit. Wir bewahren das Licht, geben es weiter und wachen, daß es auch in Zukunft brennen wird.«6

Dass sich hinter diesem völkischen Pathos ein biologistisches Weltbild verbirgt, wurde durch den damaligen Bundesführer Gernot Mörig in der neonazistischen Zeitschrift »Nation Europa« ausgeführt: »Jedes Lebewesen auf dieser Welt führt von Geburt an in mehr oder weniger harter Form einen Kampf ums Dasein (...) so braucht z.B. jedes Volk Raum zum Leben, dieser Raum muss jedoch erkämpft werden. (...) Angehörige eines Volkes sind zumeist durch ein mehr oder weniger gemeinsames Generbe geprägt (...)«. Auch die Strategie bündische Erlebniswelt mit neonazistischer Ideologievermittlung zu verbinden wurde offen dargestellt: »Wären wir nur der lieben Pfadfinderei wegen tätig, so müsste die Frage nach unserer Existenzberechtigung gestellt werden, denn in dem Falle könnten wir uns ja auch der nächstbesten Pfadfindergruppe anschließen (...) So haben wir uns für zwei Grundbegriffe entschieden, die uns und unsere Arbeit prägen: Die bündische und die weltanschaulich-politische Tätigkeit. Beides zusammen erst ist uns ein Garant dafür, dass wahre Persönlichkeiten in unseren Reihen heranwachsen.«7

Der BHJ war in Standorten als kleinste selbständige Einheit organisiert, welche von  Leitstellen koordiniert wurden. Die Mitgliederzahlen wurden auf zwischen 500 und 1.000 geschätzt.8 Der BHJ organisierte neben zahlreichen Fahrten und Lagern auch »Treffen volkstreuer Jugend«9, »Tage deutscher Kultur«10 und den »Wolfsangelmarsch«.11

Mitte der 1980er Jahre kommen die Aktivitäten unter anderem wegen interner Streitigkeiten fast vollständig zum Erliegen, die Mitgliederzahl geht von vormals 400–500 auf circa 100–200 zurück.12 1977/78 entsteht zwar die bundesweite BHJ-Zeitschrift Zeitschrift »Der Trommler«, welche aber bereits 1983 von einem neuen Redaktionsstab in »na klar« umbenannt wurde.13 Im selben Jahr spaltete sich fast die gesamte Leitstelle West ab und trat als Gemeinschaft Volkstreuer Jugend auf. Allein zwischen 1980 und 1990 werden vier neue Bundesführer gewählt.14 Interne Konflikte waren hierfür die Ursache. So musste ein Bundesführer zurücktreten, da er die »nationalistische politische Erziehung« vernachlässigt hätte.15 Besonders harte Flügelkämpfe gab es 1988.

Im April 1988 sollten auf Betreiben von Hans Soltner (2. Bundesführer) und Heike Kernn (Bundesmädelführerin) der BHJ-Vorsitzende Henning Otto wegen Gefahr im Vollzug und Karsten Niefind wegen unkameradschaftlichem Verhalten aus dem BHJ ausgeschlossen werden. Diese widerum wählten im Juni 1988 Hans Soltner, Michael Will (Pressereferent), Gernot Mörig (Ehrenrat) und Kirsten Dau (Bundesbücherei) ab. Einige Tage später versuchte Henning Pless den Posten von Henning Otto zu übernehmen. Im Rahmen eines ausserordentlichen BHJ-Bundesjugendtages in der Jugendburg Ludwigstein (Witzenhausen) kam es sogar zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Fraktionen.

Trotzdem war der BHJ neben der Wiking Jugend eine der wenigen kontinuierlich arbeitenden extrem rechten Jugendorganisationen. Aus seinen Reihen sind Funktionäre der extremen Rechten wie Jürgen Rieger, Hans-Michael Fiedler und Gisa Pahl hervorgegangen.16

BHJ – Der Freibund: Zwischen Gestern und Morgen

Die politische Wende 1989 in Deutschland brachte auch eine Wende im BHJ. Er wurde neu ausgerichtet und unbenannt. Zunächst traf es die BHJ-Zeitschrift »na klar!«. War sie Ende des Jahres noch die »Bundeszeitschrift des Bund Heimattreuer Jugend e.V.«17, erschien ihre »Sondernummer zum deutschen November« als »Jugendzeitschrift« der namenlosen »Redaktionsgemeinschaft, na klar!«.18 Die Folgenummer wurde dann vom »Bund Heimattreuer Jugend – Der Freibund e.V.« herausgegeben.19

Am 1. Mai 1990 beschloss der BHJ unter seinem damaligen Bundesführer Henning Otto dann offiziell die Umbenennung in BHJ – Der Freibund e.V. Dieser Flügel fordert die Reformierung des Bundes, eine verstärkte Bezugnahme auf bündische Traditionen und ein gemäßigteres Auftreten in der Öffentlichkeit. Als Symbol wird nun statt der Odalrune die aufgehende Sonne auf schwarzer Fahne gewählt. Dieses Symbol soll »die Brücke zwischen gestern und morgen« symbolisieren. Der neue Name »Freibund« steht für: »Freiheit und Bindung (...) für uns die beiden Pole, um die sich das Leben dreht.«20 Eine direkte personelle Kontinuität zur BHJ blieb jedoch bestehen. Die ehemalige BHJ-Leitstellenführer Nord (Gernot Dorff), West  (Freimut Kögel) und Süd (Peter Bünger) wurden die neuen Bereichsleiter beim Freibund. 21 Noch im selben Jahr schieden der Bundesführer Henning Otto und sein Stellvertreter Karsten Niefind wieder aus dem Verein aus. Seitdem ist wenig Kontinuität im Vorstand zu verzeichnen und die Bundesführer und deren Stellvertreter wechselten alle paar Jahre.22 1994 war gar zeitweilig der Posten des Bundesführers unbesetzt.

Der Freibund – BHJ: Bemüht um moderates Auftreten

Im September 1996 kam es unter dem Bundesführer Rüdiger Dorff zur erneuten Umbenennung des Vereins von »Bund Heimattreuer Jugend – Der Freibund« in »Der Freibund – Bund Heimattreuer Jugend.« Offene Bezüge zur extremen Rechten traten erneut in den Hintergrund. In der Satzung23 ist zwar noch festgelegt, dass es eine der vornehmsten Aufgaben des Vereins ist, im Rahmen seiner Arbeit die Jugend zu heimat- und kulturbewussten, ihrem Vaterland treuen Menschen heranzubilden, doch darüber hinaus versucht der Verein moderat aufzutreten. Personelle Verbindungen zu ehemaligen Aktivisten der extremen Rechten sind immer seltener nachzuweisen.

Der erste Bundesführer Ingmar Pätzold24 jedoch war noch 1991/1992 für die Leitung eines Sommerlagers der Heimattreuen Jugend verantwortlich.25 Auf dem Bundesjugendtag des DHJ hatte er 1993 eine spezielle Schulung (»z.B. durch Geländespiel«) für angehende Führungspersönlichkeiten beantragt, damit diese den selbstbewussten Umgang mit »Behörden oder Autonomen« erlernen.26 Der Freibund hat Mitglieder im Alter von 7 bis 25 Jahren und ist bundesweit in Leitstellen untergliedert. Diese Leitstellen sind wiederum in Einheiten untergliedert. Diese Struktur wird von Einheitsführern, Leitstellenführern, der Bundesführung und einem Ältestenrat zusammengehalten. 

BHJ – DHJ – HDJ: Rechtsruck

Zeitgleich mit der Umbenennung des BHJ in BHJ-Freibund entstand auch »Die Heimattreue Jugend 1990 – Bund zum Schutz für Umwelt, Mitwelt und Heimat e.V.« Bereits im Dezember 1989 hatten Henning Pless, Thomas Grebien und weitere Personen aus der Region Kiel einen neuen Verein unter dem Namen »Bund Heimattreuer Jugend (BHJ)« gegründet und 1990 beim Amtsgericht Plön eintragen lassen.27 Ende des Jahres erfolgte die Umbenennung in »Die Heimattreue Jugend 1990«. Als Symbol übernahm die DHJ die Odalrune der BHJ. Auch Teile der Struktur und des Personals wurden direkt von der  BHJ übernommen. So war ein Kieler DHJ-Spendenkonto ursprünglich der BHJ-»Fond für heimattreue Jugendarbeit« von Thomas Grebien gewesen.

Mit Henning Pless war der ehemalige Ansprechpartner der BHJ-Nord im Vorstand. Auch die BHJ-Ansprechpartnerin für Süd und Standortleiterin Berlin Heike Kernn landete im DHJ-Bundesvorstand28 Mit Michael Will war ein ehemaliger BHJ-Bundesführer Vorsitzender des DHJ- Ehrenrates. Auch der ehemalige stellvertretende BHJ-Bundesführer Hans Soltner wurde öffentlich als Funktionär in der »Bundesführung« bezeichnet.29 Die DHJ sah sich in direkter BHJ–Nachfolge. In einem Bericht heißt es: »Die Flamme der Heimattreuen Jugend brennt, und sie wurde an uns weitergegeben. Bund Heimattreuer Jugend, das war der Name, der all unser Wollen in der Vergangenheit zum Ausdruck brachte.«30 Unterstützung von alten BHJ-Funktionären gab es in jedem Fall. So spendete der ehemalige BHJ-Bundesvorsitzende Gernot Mörig »als dem Bund zugehörig fühlende Privatperson« der DHJ eine Jurte.31 Doch die DHJ vermochte es nicht, den BHJ in seiner alten Größe wiederzubeleben.

Offenbar gab es massive interne Probleme. Die DHJ-Geschäftsführerin Heike Mörig beklagte bei ihrem Rücktritt 1993 fehlende tatkräftige Unterstützung: »Seit der Trennung bekleide ich das Amt der Bundesgeschäftsführung (...) Ich hoffe nur, daß mein Nachfolger sich nicht auch den Mund fusselig reden muss (...)«.32 Ihr Nachfolger Hagen Schmöller berichtete von »Auseinandersetzungen« und einem »unglücklichen Amtsbeginn«.33 Die Leitstellenführerin Süd, Folke Schmöller, klagte über »einige Kameraden«, welche auf den Lagern nur Unsinn treiben und stören würden34 und die Standortführerin Berlin, Gerhild Drescher, musste zusammenfassen, dass ihre Gruppe »eher dahinplätschert«.35 Trotz dieser Schwierigkeiten fanden noch immer regelmäßig eigene Aktivitäten, Lager, Fahrten und regionale Veranstaltungen statt. Als Struktur standen hierfür eine Leitstelle Nord und Süd, sowie Stützpunkte in Buchholz und Berlin und eine Gruppe in Weil der Stadt zur Verfügung. Unterstützt wurde die Gruppe von einem Ehrenrat und einem Freundeskreis.

Bis auf die Bundesführung wurde die DHJ Struktur Anfang der 90er Jahre größtenteils durch Frauen getragen.36 1996 erfolgte eine Neuwahl des Vorstandes. Hierbei landete mit Laurens Nothdurft einer der wenigen späteren HDJ-Funktionäre in der DHJ-Bundesführung.37 Organisatorisch kämpfte der Verein weiterhin mit Problemen. So war die Struktur auf die Leitstellen Nord und Süd und die Gruppe Berlin zusammengeschrumpft. Die Leitstelle Nord hatte ihr Osterlager ausfallen lassen38 und die Gruppe Berlin verzeichnete wenig durchgeführte Heimabende.39

Die Heimattreue Jugend vertrat eine völkisch-nationalistische Ideologie. »Wir bekennen uns als junge Deutsche, die ihre Heimat lieben, verantwortungsbewusst zu unserem Volk und Vaterland (...) Wir gehen den Weg der Jugendbewegung im Einsatz für die Gemeinschaft unseres Volkes und als Vorbereitung auf die Aufgaben, die wir als Frauen und Männer werden zu bewältigen haben«, hieß es in einem Fahrtenplan.40

1993 wurde eine deutlichere Abgrenzung nach Rechtsaußen beschlossen: »Es ist notwendig, sich von jeglicher Art von Militantismus in der heutigen Zeit zu distanzieren (z.B. Springerstiefel sollten aus dem Lagerleben allmählich verschwinden)«. Sogar das alte Symbol der Odalrune wurde intern abgeschafft: »Es ist notwendig, sich von der Odalrune zu verabschieden, denn sie wird heutzutage eindeutig der rechtsextremen Szene zugeordnet«.41 Auch mit der Neuwahl 1996 ging die Entwicklung eher weg von politisch eindeutigen Positionierungen. So wurde zum Beispiel beschlossen den »Wolfsangelmarsch« in »Eichblattmarsch« umzubenennen.42 Ab 1999 war eine deutliche Reaktivierung des seit 1994 weitestgehend inaktiven Vereins zu beobachten. Offenbar war hierfür eine im September 1999 komplett neu gewählte Bundesführung verantwortlich, die ihren Sitz nach Berlin verlegt hatte.43 Vom neuen Bundesvorstand entstammte fast niemand den alten BHJ-, Freibund-, DHJ-Vorständen.

Mit dieser Reaktivierung ging nach einer langen Phase der Entpolitisierung eine massive Politisierung und ein deutlicher Rechtsruck einher. In Publikationen war von der Notwendigkeit »volkstreuer Jugendarbeit« die Rede, denn: »was einst gut und richtig war, soll heute schlecht und falsch sein. Das eigene Volk ist nichts mehr Wert, man schämt sich seiner Vergangenheit«. Offen erklärte die DHJ: »Wir verpflichten uns Deutschland, indem wir geistige und körperliche Wehrhaftigkeit ausbilden (...) Jeder ist aufgefordert (...) am Aufblühen einer deutschnationalen Jugendarbeit mitzuhelfen!«44 Im Jahr 2000 erfolgte die Umbenennung in Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) – Bund zum Schutz für Umwelt, Mitwelt und Heimat e.V.«.

Fazit

Der Freibund und die HDJ sehen sich beide als Nachfolge Struktur des BHJ. So gedachten die HDJ-Zeitschrift »Funkenflug« und die »Freibund«- Zeitung »na klar!« ihrem verstorbenem »Kameraden« Heiko Möhring, welcher Funktionär der BHJ in Norddeutschland war.45 Zwischen beiden Gruppen gibt es jedoch massive Konflikte bezüglich der Schwerpunktsetzung zwischen politischer und  bündischer Ausrichtung. Die HDJ schimpfte in einem Artikel: »Bei einigen Gruppen mutieren Fahrt, Lager und Gemeinschaftsgesang zum Selbstzweck (...)  Für uns dagegen sind Fahrt und Lager, Singen und Tanzen Ausdruck unserer volkstreuen Weltanschauung.«.46 Im Mai 2005 veröffentlichte der Freibund die »Freiburger Erklärung«, in der sie ihren Anspruch als offizielle BHJ-Nachfolgestruktur und zeitgleich ihre demokratische Entwicklung betonte: »Von den Anfängen als Bund Heimattreuer Jugend (...) bis zum heutigen Freibund haben wir einen weiten Weg zurückgelegt: Aus einer vorwiegend politischen motivierten Gemeinschaft ist ein heimatliebender Jugendbund geworden (...)«47

Die HDJ hingegen behauptete auch die BHJ-Nachfolge und bezieht sich auf das politische Erbe: »Die Heimattreue Deutsche Jugend wurzelt tief im Bund Heimattreuer Jugend, dessen Zeichen die Odalsrune war. Wir, die als einzige volkstreue Jugendbewegung noch das Recht hätten, dieses Zeichen zu tragen (...) Wir dürfen die Odalsrune zwar nicht in unseren Fahnen tragen, doch sie ist dort, wo sie schon immer war und immer sein wird: in unserem Herzen.«48 Hier wird der Bruch zwischen der DHJ und der HDJ–Linie deutlich, denn die DHJ hatte die Odalrune wegen ihrer politischen Bedeutung als Symbol explizit abgelehnt. Der hier dargestellte Konflikt zwischen HDJ und dem Freibund ist im Prinzip die Fortsetzung des einleitend beschriebenen jahrzehntelangen Flügelkampfes innerhalb der BHJ-Strukturen zwischen völkischen Nationalsozialisten und völkischen Bündischen. Diese Aussage bezüglich der Odalsrune enthält mehr Wahrheit als der HDJ lieb sein dürfte. Denn obwohl der direkte Ursprung in der BHJ ständig von der HDJ behauptet wird, lässt er sich personell und strukturell kaum belegen. Vielmehr scheinen zahlreiche Verbindungen zur verbotenen Wiking Jugend zu bestehen. Deren Symbol war bis zu ihrem Verbot auch die Odalsrune.

  • 1. HDJ-Bundesführung (Berlin): Rundschreiben  vom 10. Januar 2001.
  • 2. Die Jugendorganisation der Sozialistischen Reichspartei
  • 3. Dudek, Peter und Jaschke, Hans-Gerd: Entstehung und Entwicklung des Rechtsextremismus in der BRD, Opladen 1984, Fallstudie 5f.
  • 4. Mecklenburg, Jens (Hg.): Handbuch deutscher Rechtsextremismus, Berlin 1996, Seite 228.
  • 5. Gruber, Hans-Jürgen / BHJ Pressereferat: »Jugend-Pressedienst« Nr. 5/72, München 1972.
  • 6. Mörig, Gernot (Bundesführer): »WER wir sind, WAS wir wollen...«, Braunschweig Oktober 1976.
  • 7. Mörig, Gernot: »Jugend im Volk. Heimattreue Jugendarbeit« in »Nation Europa«, Heft 9, September 1977.
  • 8. Meyer, Alwin/Rabe, Karl-Klaus: »Unsere Stunde wird kommen-Rechtsextremismus unter Jugendlichen«, Bornheim-Merten 1979, Seite 40.
  • 9. 1970 bis 1976 wurden diese Pfingstlager wechselseitig von der WJ und der BHJ organisiert
  • 10. Gruber, Hans-Jürgen. (BHJ Pressereferat): »Jugend-Pressedienst« Nr. 1/1973, München 1973.
  • 11. BHJ e.V.: »Jugend-Pressedienst« Nr. 3 und 4 / 1977.
  • 12. Vgl. AIB # 59 (Sommer 2003): »Der Freibund – Völkischer Wolf im bündischen Schafspelz«
  • 13. Lüdtke, Heilwig/ BHJ-Bundesführung: »Na klar!« Nr. 21 / 8.4.1983
  • 14. Uwe Jäschke (1980), Gert-Heinz Höffkes (1982), Michael Will (1984), Henning Otto (1988)
  • 15. Verfassungschutz-Bericht 1982, Seite 19.
  • 16. Mecklenburg, Jens (Hg.): Handbuch deutscher Rechtsextremismus, Berlin 1996, Seite 229.
  • 17. Otto, Henning/BHJ-Bundesführung: »Na klar!« Nr. 47 / 30.09.1989.
  • 18. Redaktionsgemeinschaft »na klar!«: »Na klar!« Nr. 48 / 31.12.1989.
  • 19. Otto, Henning/BHJ – Der Freibund: »Na klar!« Nr. 49 / 31.03.1990.
  • 20. Otto, Henning: »Der Freibund – Wir stellen uns vor«, Göttingen.
  • 21. Flugblatt »Der Bund Heimattreuer Jugend (BHJ) e.V. informiert«, Göttingen 1989 und  Otto, Henning: »Der Freibund – Wir stellen uns vor«, Göttingen.
  • 22. Hartmut Kögel und Volker Gladbach (1991), Rüdiger Dorff und Berta Bünger (1994)
  • 23. Fassung vom 23.9.2001
  • 24. 2001 bis 2004.
  • 25. DHJ e.V.: Einladung Sommerlager Süd, Stuttgart 1991/1992.
  • 26. DHJ-BJT-Bericht 1993: TOP 12/Antrag 1
  • 27. Henning Pless (Vorsitzender), Thomas Grebien (Stellvertreter), Viola Prehn (Kassenwart), Georg Karck (Schriftführer)
  • 28. Als Geschäftsführerin laut »Die Heimattreue Jugend e.V. – Wir über uns« von 1991. Im Vereinsregister wurde sie nicht geführt. BHJ-Funktionen vgl. BHJ-Fahrtenplan von 1989
  • 29. Laut »Die Heimattreue Jugend e.V. – Wir über uns« von 1991. Im Vereinsregister wurde er nicht geführt. 1993 war er in der DHJ- Abteilung Beschaffung.
  • 30. »Die Heimattreue Jugend e.V. – Wir über uns« von 1991.
  • 31. Grebien, Thomas: Rechenschaftsbericht zum Bundesjugendtag 1993, Kiel 1993.
  • 32. Mörig, Heike: Rechenschaftsbericht zum BJT 1993.
  • 33. Schmöller, Hagen: Rechenschaftsbericht zum Bundesjugendtag 1993.
  • 34. DHJ-BJT-Bericht 1993: TOP 6a
  • 35. Drescher, Gerhild: Tätigkeitsbericht Standortführerin Berlin, Berlin 1993
  • 36. Folke Schmöller (Leitstelle Süd), Heinke Gerlach (Leitstelle Nord), Gerhild Drescher (Standort Berlin), Renate Militzer (Stützpunkt Buchholz), Franka Röss­ner (Gruppe Weil der Stadt), Heike Fischer (Freundeskreis), Viola Prehn (Pressereferentin)
  • 37. Henning Pless (Bundesführer), Armin Porath (Stellvertreter), Diana Schulz (Mädchen-Bundesführerin), Thomas Grebien (Bundeskassenwart), Laurens Nothdurft (Abteilung Beschaffung)
  • 38. DHJ-BJT-Protokoll 1996: TOP 8 Tätigkeitsbericht Wolf-Rüdiger Wilhelm (Leitstelle Nord), Kiel 1996.
  • 39. DHJ-BJT-Protokoll 1996: TOP 8 Tätigkeitsbericht Kerstin Kernn (Berlin), Kiel 1996.
  • 40. Mörig, Heike / DHJ e.V.: »Fahrtenplan 1993«, Braunschweig 1993.
  • 41. DHJ-BJT-Bericht 1993: TOP 13a
  • 42. DHJ-BJT-Protokoll 1996: TOP 14 Antrag Hagen Schmöller, Kiel 1996.
  • 43. Vgl. AIB # 58 (Frühling 2003): »Die braune Elite von morgen«. Alexander Scholz (Bundesführer), Laurens Nothdurft (Stellvertreter), Hildegard Handke (Mädchen-Bundesführerin), Alexandra Brzezinski (geb. Assmann) (Bundeskasse), Michael Gellenthin (Bundesgeschäftsführung)
  • 44. Scholz, Alexander: Funkenflug 1/99 (Internetversion)
  • 45. Behrenz, Wolfgang / Der Freibund: »na klar!«, Ausgabe 101, Göttingen Oktober 2004, Seite 4.
  • 46. Räbiger, Sebastian: Funkenflug 02/2004 Berlin 2004, Seite 4.
  • 47. Behrenz, Wolfgang / Der Freibund: »na klar!«, Ausgabe 104 – Heft 3 / 2005, Göttingen 2005, Seite 4.
  • 48. Räbiger, Sebastian: Funkenflug 1/2006, Berlin 2006, Seite 18.