NS-Szene | AIB 103 / 2.2014 | 27.09.2014

Der „Club 88“ in Neumünster wurde geschlossen

Jahrelang war der 1996 eröffnete „Club 88“ im Neumünsteraner Stadtteil Gadeland Anlauf- und Treffpunkt für organisierte Neonazis aus ganz Europa. Die 88 steht in der Neonazi-Szene für die Buchstaben HH im Sinne von „Heil Hitler“. Seit einigen Wochen ist nun bekannt, dass der Club Ende Januar 2014 geschlossen wurde. Damit verliert die Neonazi-Szene einen ihrer zwischenzeitlich wichtigsten Treffpunkte in Norddeutschland.

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Bereits seit Monaten war es sehr ruhig im Umfeld des „Club 88“, größere Veranstaltungen hatte es in den letzten Jahren nur noch selten gegeben, Ende Januar verschwand das prägnante Eingangsschild an dem schwarzen Gebäude. Was zur Jahrtausendwende noch einer der beliebtesten Anlauforte der organisierten und subkulturellen Kameradschafts-Szene war, mit Anziehungskraft für Neonazis aus ganz Europa, wurde in seiner Endphase nur noch als regionaler Treffpunkt von Neonazis aus dem Umfeld der AG Kiel und AG Neumünster genutzt und fungierte zwischenzeitlich sogar als Treffpunkt der „Bandidos“, nachdem sich mehrere langjährige Protagonisten der „Club“-Szene wie z.B. Peter Borchert und Alexander Hardt der Rockergang angeschlossen hatten. Zuletzt wurde er schließlich fast gar nicht mehr genutzt.

Schon seit etwa 2004 nahm die Bedeutung des „Club 88“ als täglicher Treffpunkt für Neonazis ab, was wohl nicht zuletzt auch an den antifaschistischen Aktivitäten lag, die regelmäßig gegen den Club vorgingen und ihn in die Öffentlichkeit brachten.

Nach achtzehn Jahren hat die Neonazi-Aktivistin Christiane Dolscheid nun den Betrieb ihrer Kneipe aufgegeben, nachdem sie sich die schlecht laufende Kneipe finanziell nicht mehr leisten konnte und in der Neumünsteraner Neonazi-Szene vergeblich nach Nachfolgern gesucht hat. Die Stadtverwaltung hat daraufhin die Konzession beendet, nachdem sie sich jahrelang angeblich nie in der Lage sah, rechtlich gegen die offensichtliche Verherrlichung des Nationalsozialismus durch den „Club 88“ vorzugehen.

Mittlerweile hat sich seit 2005 aber ein neuer Treffpunkt für eher unorganisierte Neonazis in Neumünster hervorgetan: die Kneipe „Titanic“ in der unmittelbarer Nähe zum alternativen und unkommerziellen Jugendzentrum AJZ. Von hier gingen immer wieder Provokationen und Übergriffe gegen BesucherInnen des AJZ aus, was die Attraktivität der „Titanic“ für junge Neonazis gegenüber dem „Club 88“ in der Vergangenheit gesteigert hatte. Die Betreiber der „Tita­nic“, Horst Micheel sowie sein Sohn Pascal Micheel, traten 2013 für die NPD bei den Kommunahlwahlen in Neumünster an. Auch Treffen der NPD haben schon in der Kneipe stattgefunden, ebenso wie Zusammenkünfte der Rockergruppe „Bandidos“1. Regelmäßige Veranstaltungen, vom Dart-Turnier bis zum gelegentlichen Liederabend mit neonazistischen Liedermachern, runden das Programm ab.

Der Zustand der lokalen rechten Szene ist trotz einer momentan auszumachenden Schwäche der organisierten Strukturen in Schleswig-Holstein vergleichsweise stabil. Zwar ist das einst gut vernetzte Kameradschaftsspektrum, das den „Club 88“ früher getragen hat, gealtert, personell ausgedünnt und in der ursprünglichen Form nicht mehr existent, mit Mark Proch sitzt nichtsdestotrotz ein NPD-Abgeordneter im Neumünsteraner Rathaus. Die Schließung des „Club 88“ ist ein Rückschlag für die schleswig-holsteinische Neonazi-Szene, auch wenn er wahrscheinlich aufgrund der Alternativen verkraftbar ist.

Mehr Infos und Geschichte der „Club 88“-Proteste:

www.clubdichtmachen.blogsport.de | www.antifanms.blogsport.de
www.antifa-kiel.org | www.quimera.noblogs.org