(Bild: Faksimile aus "Junge Freiheit")
Braunzone | AIB 116 / 3.2017 | 26.12.2017

Das rechte Magazin "Cato"

Eine neues Magazin drängt auf den engen Markt rechter Zeitschriften: „Cato“. Ein publizistischer Frühling im Herbst? Das rechte Magazin „Cato“ verbindet konservative und rechte Lifestyle-Themen. In welcher Tradition steht es, wer sind die Macher und was die Inhalte? Ein Überblick.

Entfernt verwandte Vorläufer:  „MUT“ und „Criticón“

Zufall oder Fügung? Als im September 2017 die erste Ausgabe von „Cato“ erschien, hatte der „MUT-Verlag“ mitgeteilt, sein gleichnamiges Magazin mit der Ausgabe Juli/August 2017 einzustellen. Seit Ende der 1970er Jahre war „MUT“ ein wichtiges Perio­dikum des sich im Schatten der Kohl-Ära formierenden Neokonservatismus in Westdeutschland. Nach der aus Sicht des rechten Neokonservatismus gescheiterten „geistig-moralischen Wende“ der Kohl Jahre verlor „MUT“ sukzessive sein explizit rechtes politisches Profil, und somit seine Funktion als Zeitschrift an der Schnittstelle zwischen etabliertem Konservatismus und der „Neuen Rechten“. Mit der Einstellung der Zeitschrift teilt „MUT“ jenes Schicksal, welches bereits 2005 die Zeitschrift „Criticón“ ereilt hatte. „Criticón“, seit 1970 von Caspar von Schrenk-Notzing herausgegeben, stand deutlich rechts von „MUT“ und war bis 1998 das tonangebende Theorieorgan der deutschsprachigen „Neuen Rechten“.

Die frühe „Sezession“

Zumindest „Criticón“1 wollte das 2003 vom „Institut für Staatspolitik“ (IfS) gegründete Zweimonatsmagazin „Sezession“ beerben.2 Eine personelle Brücke zwischen beiden Zeitschriften war der Historiker Karlheinz Weißmann, seit Jahrzehnten einer der Vordenker der „Neuen Rechten“ in Deutschland, der ebenfalls Autor in „Criticón“ gewesen war. Weißmann prägte bis zum Bruch zwischen ihm und dem „Antaios“-Verleger und vormaligen Chef des IfS, Götz Kubitschek, die Linie von „Sezession“, was seinen Niederschlag in von Weißmann mitverantworteten Schwerpunktheften fand. Nach der Trennung von Weißmann und Kubitschek verlor „Sezession“ deutlich an Niveau und öffnete sich für Autoren und thematische Zugriffe, die Karlheinz Weißmann wohl nicht mitgetragen hätte.

Seit seinem Weggang bei „Sezession“ und „IfS“ engagiert sich Karlheinz Weißmann bei der „Förderstiftung Konservative Bildung und Forschung“ (FKBF). Diese ist Trägerin der in Berlin ansässigen „Bibliothek des Konservatismus3. Sie versteht sich als Wahrerin des Erbes des verstorbenen „Criticón“-Herausgebers Schrenk-Notzing und als konservative Denkfabrik. Die rechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (JF) und ihr Chef, Dieter Stein, sind der Stiftung FKBF eng verbunden. Stein führt seit 2007 den Vorsitz des Stiftungsrates.4 Als „Junge Freiheit“-Hausautor für geschichtsphilosophische und weltanschauliche Grundsatzfragen ist Karlheinz Weißmann eine der prägenden Figuren neurechter Publizistik.

Cato

Mit „Cato“ will sich die rechtsintellektuelle Gruppe um Karlheinz Weißmann, Dieter Stein und den Verleger Andreas Lombard („Landt-Verlag“) ein eigenes publizistisches Sprachrohr für neurechte Theorie und Lebenswelten schaffen. Im Interview mit der JF5 antwortet der „Cato“-Chefredakteur auf die Frage, ob es zwischen den facetten­reichen rechten und rechtskonservativen Magazinen wie „Eigentümlich frei“, „Sezes­sion“, aber auch „Tichys Einblick“ und „Cicero“ auf dem publizistischen Markt noch Platz für eine Zeitschrift wie „Cato“ gebe, diese richte sich an ein „Milieu, das nicht Mainstream ist und sich oft […] als konservativ versteht.“ Gerade „der Erfolg von „Eigentümlich frei“ aber auch die Entwicklung bei „Tumult“ […] zeigen den Bedarf klar an.“6 Auf die „Sezession“ angesprochen, antwortet Lombard, diese habe eine „spezielle, nationalrevolutionäre Ausrichtung. Das wäre mir zu eng.“ Lombard konzidiert, eine metapolitische Linie läge ihm näher als die tagespolitische Intervention. Doch gerade die „Metapolitik“ ist bei „Sezession“ erklärtes, wenn auch immer weniger eingelöstes Programm.

Die erste Ausgabe von „Cato“ verbindet konservative und rechte Lifestyle-Themen mit deutlichen neurechten Standortbestimmungen. Lombard selbst schreibt im ersten Heft über die Debatte um das bei „Antaios“ erschienene Buch „Finis Germania“ von Rolf Peter Sieferle und das mediale Echo darauf. Der Artikel wiederholt das in neurechten Kreisen vorgetragene Mantra, Sieferle werde vom linksliberalen Mainstream böswillig missinterpretiert und verleumdet. Dass der Feuilleton-Skandal des Sommers 2017 dem Verleger des Buches „Finis Germania“, Götz Kubitschek , einen märchenhaften Verkaufserfolg bescherte, steht auf einem anderen Blatt.

In seinem Beitrag „Lügen oder nicht lügen“ versteigt sich der Berliner AfD-­Politiker Nicolaus Fest bezüglich der Lage der Meinungsfreiheit in Deutschland zu absurden Vergleichen mit der Zensur in der DDR. All das zeigt, „Cato“ ist auf dem Markt neuer, rechter und konservativer Zeitschriften zwar anspruchsvoll und stilistisch zielsicher gestaltet, die Themen und die Tonlage ihrer Bearbeitung unterscheiden sich von anderen rechten Blättern jedoch nur in Nuancen.

Die Macher des Blattes haben offenbar viel Geld in die Hand genommen. Die Start­auflage von „Cato“ soll rund 50.000 Exem­plare betragen haben. Seit dem Ende von „MUT“ und „Criticón“, aber auch seit dem Start von „Sezession“ und anderen rechten Zeitschriftenprojekten hat sich das publizistische Umfeld für rechte Theoriezeitschriften grundlegend geändert. Rechte Publizistik präsentiert sich derzeit so vielfältig wie seit den 1950er Jahren nicht. Der Erfolg des rechten Agenda-Settings mit Themen wie Migration, Familie, Demographie und Kulturpessimismus scheint den Blattmachern von „Compact“ bis „Junge Freiheit“, von „Zuerst!“ bis „eigentümlich frei“ recht zu geben. Ob „Cato“ ebenso ein Erfolg wird, werden die kommenden Monate zeigen.