Der langjährige Chefdirigent der Komischen Oper in Berlin, Rolf Reuter, war Referent bei Neonazis. (Bild: flickr.com/annamaier/CC BY 3.0)
NS-Szene | AIB 76 / 3.2007 | 20.09.2007

Bundesverdienstkreuz für rechten Aktivisten

Der ehemalige Chefdirigent der Komischen Oper in Berlin, Prof. Rolf Reuter, ist als Referent für die extrem rechte Deutsche Kulturgemeinschaft (DKG) aktiv und schult für den neonazistischen Freundeskreis Ulrich von Hutten »junge Singleiter«. 

Das berichtet das Antifaschistische Pressearchiv und Bildungszentrum in seinem Rundbrief monitor. Seit dem Jahr 2001 lasse sich die Teilnahme des Generalmusikdirektor a. D. und frisch dekorierten Professor Rolf Reuter an den Gästewochen der DKG und seine teilweise Tätigkeit auf diesen Veranstaltungen belegen. Reuter bringe dort seine musikalischen Qualifikationen für den Nachwuchs ein und setze bei seinen Referaten bekannte Komponisten in das Verhältnis zur »deutschen Volksseele«. Der über 80-Jährige war für seine langjährigen Verdienste zum Ehrenmitglied zweier Opernhäuser ernannt worden. Im Jahr 2000 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.

Interessanterweise war er schon zu diesem Zeitpunkt einschlägig in Erscheinung getreten. Schon 1996 unterzeichnete er den »Appell der 100. Die Meinungsfreiheit ist in Gefahr«, eine Solidaritätsadresse für den Verleger Wigbert Grabert, der wegen des Vertriebs des Auschwitz leugnenden Buches »Grundlagen zur Zeitgeschichte« zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Zwei Jahre später verlangte Rolf Reuter in einem offenen Brief von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, sofort gegen den »Gesinnungsterror« in Deutschland vorzugehen. Anlass waren Reuter erneut zwei Verurteilungen gegen extrem rechte Verleger wegen Volksverhetzung, gegen Andreas Röhler und Udo Walendy.

Die Komische Oper in Berlin zumindest nimmt die vorgebrachten Aktivitäten Reuters sehr ernst und prüft, ob die Ehrenmitgliedschaft in dem Hause, dem er lange Jahre als Chefdirigent seinen Stempel aufdrückte, Bestand haben kann.