Der Aufmarsch der "Nationalen Offensive" am 3. Oktober 1992 in Dresden. (Foto: Christian Ditsch)
NS-Szene | AIB 20 / 5.1992 | 19.01.1993

„Nationale Offensive“ - Demonstration in Dresden

Zuerst war die Demonstration der Augsburger Neonazi-Gruppe „Nationalen Offensive“ (NO) in der sächsischen Landeshauptstadt verboten worden, doch wie zu erwarten war wurde sie dann doch einen Tag vorher gerichtlich erlaubt.

So fanden sich am 3. Oktober 1992 ca. 600 bis 800 Neonazis in Dresden ein. Hinter dem Leittransparent »Mehr Arbeitsplätze für Deutsche« versammelten sich der Vorsitzende der „Nationalen Offensive“ Michael Swierczek aus München, der Fahnenträger aus den Reihen von „Die Nationalen“ Christian Wendt aus West-Berlin, der NO-Funktionär Günter Boschütz aus Königsfeld und der „Die Nationalen“-Funktionär Peter Boche aus Ost-Berlin.

Etliche der angereisten Neonazis und Neonazi-Skinheads fuhren im Anschluß in die Umgebung von Finsterwalde (Brandenburg), um mit mehr als 1.500 Neonazis aus ganz Europa an einem Konzert der RechtsRock Bands „Skrewdriver“ aus England, „Wotan“ aus Koblenz und „Störkraft“ aus Andernach  teilzunehmen. Die Neonazi-Partei „Deutsche Alternative“ trat szene-intern als Veranstalter auf und kündigte für den Dezember 1992 ein weiteres Konzert an.

Die bayerische „Nationalen Offensive“ (NO) hat auch in Sachsen einen Landesverband und in Dresden ein „Regionalbüro“. Als Geschäftsführer der sächsischen NO trat Dirk Andre auf. In Sebnitz gilt der Neonazi-Aktivist Torsten Bieger als NO-Vertreter. Er bringt auch Neonazi-Blätter wie "Der Sturm" und "Der Pranger" heraus. Aktivisten der NO fuhren im Juni 1992 nach einer Versammlung in Neustadt (Sachsen) mit einer Abordnung nach Dziewkowice (Oberschlesien), wo Günter Boschütz für rund 50.000 Mark ein Anwesen gekauft hat. Dort hatte die NO ein Treffen mit den „Deutschen Freundschaftskreisen“ (DFK) um Theophil Kosk1 Anfang November 1992 führten Aktivisten der "Nationalen Offensive" zusammen mit der "Wiking Jugend" (WJ) in einem Jugendclub in Dresden-Prohlis ein Konzert mit dem Neonazi-Liedermacher Frank Rennicke durch. Mitte November 1992 folgte eine Veranstaltung der "Nationale Offensive" in einem Löbauer Kulturzentrum, die laut Berichten aus der Szene u.a. auch Frank Weber mit durchgeführt haben soll. Die Grenzen zwischen den Organisationen sind hier offenbar fließend. Der zeitweilige lokale "Wiking Jugend"-Anführer Frank Weber gilt innerhalb der rechten Szene von Sachsen auch als Vorsitzender des NPD Kreisverbandes Löbau.

Michael Swierczek und die "Nationale Offensive" soll nach Aussagen aus der Neonazi-Szene über direkte Kontakte zu Neonazis in Russland (Alexander Barkashov), in Rumänien, in der Ukraine, in Kroatien und in die USA (William Pierce) verfügen.

  • 1. So zu sehen in der SAT.1-Sendung Akut am 8. Juli 1992.