Rezensionen | AIB 84 / 3.2009 | 18.09.2009

»Mein ist die Rache«

Friedrich Torberg

Die Novelle »Mein ist die Rache« wurde 1943 im US-amerikanischen Exil geschrieben. Torberg, der 1908 in Wien geboren wurde, entstammte einer deutsch-jüdischen Familie. Schon 1933 wurden Torbergs Schriften durch die Nazis verboten, zudem befand er sich ab 1936 auf der »Liste der deutschfeindlichen Journalisten und Schriftsteller«. Im Juni 1940 flüchtete Torberg über Paris nach Lissabon, von wo aus er im Oktober 1940 mit Schiff nach New York ins Exil ging. Ein Einreisevisum bekam Torberg mit Hilfe von Freunden über die internationale Schriftstellervereinigung P.E.N. Als einer von zehn »Outstanding German Anti-Nazi-Writer« erhielt er einen Arbeitsvertrag bei der Filmproduktionsfirma Warner.

„Mein ist die Rache“ ist Torbergs erstes veröffentlichtes politisches Buch, das sich mit der Situation jüdischer Häftlinge in deutschen Konzentrationslagern (KZ) befasst und das noch vor dem Ende Nazideutschlands erschienen ist.

In der Novelle erzählt ein jüdischer Exilant seine Geschichte über die Zeit im fiktiven Konzentrationslager »Heidenburg«, die beginnende Vernichtung der europäischen Juden, den Widerstand und die Flucht. In dem KZ, welches vergleichsweise als »nicht so schlimm« gilt und das in der Beschreibung an das reale Lager Esterwegen an der holländischen Grenze anknüpft, ändert sich die Situation aufs Tödlichste mit dem Erscheinen des neuen Lagerkommandanten »Wagenseil«. Dessen Ziel ist es, durch bestialische Folter und Verhöre die »jüdische Weltverschwörung« aufzudecken und die Vernichtung des Judentums einzuleiten. Dabei treibt er seine Opfer soweit, dass sie Selbstmord begehen. Als ein jüngerer Mithäftling die tagelange Tortur vorerst überlebt, gesteht er seinen Leidensgenossen, dass er bereit sei, den Lagerkommandanten zu töten. Unter den jüdischen Häftlingen beginnt eine intensive Debatte. Soll der Mensch selbst Rache üben oder soll er dies einem vermeintlichen Gott überlassen? Nachdem auch der Ich-Erzähler in die Folter und ins Verhör des Kommandanten gerät, erschießt er diesen und kann fliehen.

Die eigentliche Wende der Novelle vollzieht sich aber mit dem letzten Satz – Erich Maria Remarque nannte ihn »einen der aufregendsten und überraschendsten Sätze der Weltliteratur«. »Mein ist die Rache« ist ein sehr schonungsloses und reales Buch. Das Leben und vor allem das Sterben in einem Lager, das nicht zu den Vernichtungslagern gehört, die allgemein bekannt sind, beschreibt Torberg genau und brutal. Durch die nicht einfache Lektüre wird der Blick auf die vielen Facetten der massenhaften Vernichtung geöffnet. Das Buch ist unbedingt zu empfehlen. Max Brod fand hierzu die passenden Worte: »Es ist gut, es musste geschrieben werden! Die Welt wird zwar, wenn man es liest, noch um einige Tintengrade schwärzer (...), aber auch das soll, muß so sein!«. (LK)

Friedrich Torberg
Mein ist die Rache
dtv, München 2008
112 Seiten, 7,90 Euro