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Keine »Nazidiktion« auf Staatskosten. Protest gegen rechten Professor

Einleitung

Rechtsextremismus sei vor allem bei Sozialschwachen und Ungebildeten anzutreffen, heißt es in vielen Analysen. In Bielefeld wehren sich Studierende gegen die Beschäftigung des rechten Professors Werner Pfeifenberger. Seit 1972 bezahlt das Land Nordrhein-Westfalen die extrem rechten Umtriebe des Professors.

Bild: Faksimile DER SPIEGEL 44/1998

Werner Pfeifenberger von der FH Bielefeld.

Am 2. Dezember 1999 besetzten 200 Studentinnen das Verwaltungsgebäude der Fachhochschule Bielefeld und blockierten den Sitzungsraum des Senats. Um das politische Verantwortungsbewusstsein der Senatsmitglieder zu wecken, hatten sie im Gebäude Bilder von Opfern des Nationalsozialismus aufgehangen. Nach der Zusicherung, die Versetzung von Werner Pfeifenberger an die FH Bielefeld unter Beteiligung der Protestierenden zu Anfang der Sitzung zu behandeln, gaben die Studierenden den Sitzungsraum frei. Ein Antrag, der sich gegen die Beschäftigung Pfeifenbergers an der FH aussprach und die Prüfung rechtlicher Schritte gegen die Versetzung ankündigte, wurde von dem Gremium angenommen.

Rektor Heinrich Ostholt hatte bis dahin jedes Aufsehen um die seit Oktober 1999 bestehende Forschungstätigkeit Pfeifenbergers an der FH vermeiden wollen. Der extrem rechte Professor war Gastreferent bei neofaschistischen Organisationen wie dem Hilfskomitee südliches Afrika  oder dem Kulturwerk Österreich. Er veröffentlichte in der Deutschen Wochenzeitung des DVU-Vorsitzenden Frey, der österreichischen Monatszeitschrift AULA oder in den Deutschen Annalen, einem Jahrbuch des rechten Druffel Verlages.

Zum Eklat führte 1995 ein Artikel Pfeifenbergers im Jahrbuch der FPÖ Jörg Haiders. Der Beitrag offenbarte einen kaum verhohlenen Antisemitismus. Unter dem Titel »Internationalismus gegen Nationalismus« wird die NS-Propagandalüge der »jüdischen Weltverschwörung« bestätigt. Den österreichischen Journalisten Karl Pfeifer, der Pfeifenberger »Nazidiktion« vorwarf, verklagte der rechtsextreme Professor ohne Erfolg. Der Vorwurf, so bestätigte ein österreichisches Gericht, sei »eine auf Tatsachen basierende zulässige Kritik«. Ein Sachverständigengutachten bescheinigte zudem die unwissenschaftliche Arbeitsweise Pfeifenbergers und Übereinstimmungen mit dem NS-Ideologen Alfred Rosenberg, dem Parteiprogramm der NSDAP und den Nürnberger Gesetzen.

Bei Erscheinen des Aufsatzes lehrte Pfeifenberger an der Fachhochschule Münster. Dort war er seit 1972 angestellt. Die Studierenden beklagten schon früh die Beschaffung »faschistischer Bücher für unsere Fachbereichsbibliothek«. Seit einer Gastdozentur von 1983 bis 1985 an einer weißen Elite-Universität in Südafrika boykottierten sie konsequent die Vorlesungen des Apartheid-Sympathisanten. Die damalige Wissenschaftsministerin Anke Brunn drohte daraufhin den protestierenden Studentinnen – und nicht Pfeifenberger - Konsequenzen an, wenn sie die Lehrveranstaltungen weiterhin behinderten. Auch die Proteste von Dozenten, die Pfeifenberger bescheinigten, er habe »den Mindeststandard politischer Ethik unterschritten«, wurden ignoriert. Nach jahrelanger Toleranz gegenüberPfeifenberger sah sich das Land Nordrhein-Westfalen erst nach dem österreichischen Prozess gezwungen, Pfeifenberger zu kündigen.

Dabei war den Verantwortlichen beim Land längst klar, dass der anschließende Arbeitsgerichtsprozess scheitern musste. Statt endlich Stellung zu beziehen, wurde vor Gericht der Studierendenprotest nun instrumentalisiert. Bei einer Rückkehr des Dozenten drohten »chaotische Zustände«, so die Begründung. Vor allem weil die Kündigung zu spät ausgesprochen worden war, erklärte das Arbeitsgericht sie für unzulässig. Der AStA der Fachhochschule Münster kritisierte damals, dass neuere Veröffentlichungen, etwa in Freys Deutscher Wochenzeitung oder den Deutschen Annalen 1998 nicht einbezogen wurden. Im gesamten Prozess sei es »nicht um die Inhalte der umstrittenen Aufsätze« gegangen, »eine klare, deutliche Missbilligung der Inhalte« durch die Rechtsvertretung des Landes sei ausgeblieben.

Die Münsteraner Studentinnen konnten nur einen Teilerfolg verbuchen. Pfeifenberger wird nicht mehr in der Lehre eingesetzt, hat aber die Möglichkeit, weiterhin Vorträge und Gastvorlesungen zu halten. Die jetzige Wissenschaftsministerin Gabriele Behler suchte weiter nach einer Beschäftigungsmöglichkeit für Pfeifenberger. Nachdem mehrere Institutionen ablehnten, fand sie beim Rektor der Bielefelder FH Gehör. Gegen die Zusage einer zusätzlichen Stelle nahm Heinrich Ostholt den Professor. Seine neuen Kolleginnen in Bielefeld erfuhren von der Versetzung erst aus der Zeitung. Die Frage, was ein solcher Mann eigentlich forschen soll, blieb bis heute unbeantwortet. Was bleibt, ist die Alimentierung Pfeifenbergers. So kann er mit der Reputation seines wissenschaftlichen Titels und auf Staatskosten weiterhin »Nazidiktion« verbreiten.

Die Bielefelder FH-StudentInnen wollen das nicht hinnehmen. »Rassistische und faschistische Ideologien dürfen nicht unter dem Deckmantel der Freiheit von (Lehre) und Forschung verharmlost werden,« schrieb der AStA. Die Studierendenvertreterinnen wollen über Pfeifenberger aufklären und die Arbeit des Professors im Rahmen ihrer Möglichkeiten »behindern und unterbinden« versuchen.