Der Colonia Dignidad Gründer Paul Schäfer.
International | AIB 114 / 1.2017 | 13.07.2017

Colonia Dignidad wegen „Bildung einer kriminellen Vereinigung“ verurteilt

Der Wehrmachtssanitäter und Laienprediger Paul Schäfer floh 1960/61 mit etwa 300 Anhängern nach Chile, da er in der BRD wegen Missbrauchs von Minderjährigen gesucht wurde. Im Süden des Landes gründete er eine Sektensiedlung, die als Colonia Dignidad bekannt wurde. Seitdem hat sie immer wieder durch Skandale, Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen von sich reden gemacht. Heute gibt es eine solide Mythenbildung: Sie sei eine Nazi-Siedlung gewesen, ein Teil der SS-Fluchtorganisation ODESSA (die es nie gab)1 und Franz Josef Strauß sei dort gewesen (war er nicht).2 Jüngst wurde die Führung der Colonia Dignidad als kriminelle Vereinigung verurteilt. Heute wird dort unter dem Namen Villa Baviera Tourismus betrieben.

Dieter Maier

Der Wehrmachtssanitäter Paul Schäfer floh 1960/61 mit etwa 300 Anhängern nach Chile, da er in der BRD wegen Missbrauchs von Minderjährigen gesucht wurde. Hier gründete er eine Sektensiedlung, die als Colonia Dignidad bekannt wurde. Seitdem hat sie immer wieder durch Verbrechen von sich reden gemacht. Auch Neonazi-Kader wie Udo Pastörs waren dort zu Besuch.
 

  • 1. Vgl. Goñi, Uki: ODESSA : Die wahre Geschichte : Fluchthilfe für NS-Kriegsverbrecher, Heinz Schneppen: Odessa und das Vierte Reich : Mythen der Zeitgeschichte, Gerald Steinacher: Nazis auf der Flucht : wie Kriegsverbrecher über Italien nach Übersee entkamen; menschenrechte.org/lang/de/lateinamerika/odessa-arbeit-am-mythos
  • 2. Redaktionelle Anmerkung: In einer offiziellen Verlautbarung der Hanns-Seidel-Stiftung hieß es noch bis 2012: „Tatsächlich kam es anlässlich seines Aufenthalts in Chile vom 17.—23. November 1977 zu einem kurzen Besuch der von Auslandsdeutschen geführten Siedlung, weitere Kontakte entwickelten sich daraus aber nicht.“  Das Statement ist auf fjs.de mittlerweile gelöscht.
Paul Schäfer auf einem Fahndungsplakat.
Geschichte | AIB 68 / 4.2005 | 21.09.2005

Colonia Dignidad

Wer auf der Suche nach möglichst großer Entfernung und Entspannung von Deutschland durch den Süden Chiles reist, dem kann es passieren, auf einer verlassenen Schotterpiste mitten in der malerischen Bergwelt der Anden auf ein Werbeschild zu stoßen, auf dem »Tante Hildes Apfelstrudel« beworben wird. Was als absurde Kuriosität oder schlechter Scherz erscheinen mag, erweist sich bei genauerem Hinsehen als vergleichsweise harmloses Symptom einer seit Beginn des 20. Jahrhunderts starken deutschen Präsenz in dem südamerikanischen Land. Neben Süd-Brasilien und Argentinien war Chile der Hauptanlaufpunkt für deutsche Auswanderer in Südamerika. Hier wurden sie von den Regierungen, die, inspiriert durch die derzeit weit verbreiteten pseudo-wissenschaftlichen Rassentheorien, versuchten, durch gezielte Förderung europäischer Einwanderung die heterogene Bevölkerungszusammensetzung ihrer Staaten »einzuweißen«, mit offenen Armen empfangen. Auch die klimatischen Bedingungen, die den mitteleuropäischen sehr ähnlich sind, mögen dazu beigetragen haben, dass sich Deutsche besonders im Süden Chiles angesiedelt haben.

In enger Verbindung zum lateinamerikanischem Nazi-Netzwerk stand die sogenannte Colonia Dignidad, ein »Mustergut« etwa 400 Kilometer südlich von Santiago de Chile, auf dem eine christlich-fundamentalistische Sekte aus Deutschland ab 1961 ein brutales Lagerregime etablierte, in dem totale Überwachung, Kindesmissbrauch, Folterungen, psychische Abhängigkeit, Sklavenarbeit und Mord zum Alltag gehörten.
 

Der spätere rechts-esoterische Schriftsteller Miguel Serrano (links) überreichte 1957 sein Beglaubigungsschreiben als Botschafter in Indien. (Archivo Histórico del Ministerio de Relaciones Exteriores de Chile/CC BY 2.0 cl)
International | AIB 48 / 3.1999 | 30.09.1999

(Neo)-Nazi-Kongreß im April 2000 in Chile geplant

Im Süden Lateinamerikas machen Neonazis von sich reden. Kleine, bislang isoliert agierende Gruppen versuchen länderübergreifend zusammenzuarbeiten. Höhepunkt der Mobilisierung soll im April 2000 ein internationales (Neo)-Nazi-Treffen in der chilenischen Hauptstadt Santiago sein.

Nachrichtenpool Lateinamerika

Im Süden Lateinamerikas machen Neonazis von sich reden. Kleine, bislang isoliert agierende Gruppen versuchen länderübergreifend zusammenzuarbeiten. Höhepunkt der Mobilisierung soll im April 2000 ein internationales (Neo)-Nazi-Treffen in der chilenischen Hauptstadt Santiago sein.

(Archivo Histórico del Ministerio de Relaciones Exteriores de Chile/CC BY 2.0 cl)

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