Michael Kühnen galt zeitweilig als Anführer der westdeutschen Neonazi-Szene. | Bild: Screenshot von youtube.com/Spiegel-TV
Geschichte | AIB 100 / 3.2013 | 13.12.2013

Das »Kühnen-Papier«

Ein Neonaziführer argumentiert Homosexualität

Das Jahr 1986 war eine Zäsur für den bundesdeutschen Neonazismus. Nicht das Aufkommen extrem-rechter Parteien mit der Option auf Parlamentssitze, wie DVU oder Republikaner, son­dern ein hausgemachter Streit sorgten dafür, dass es ans Eingemachte ging. Jahrelang war die an heutigen Maßstäben gemessen kleine NS-Szene der 1980er Jahre in Deutschland gespalten. Ursache war eine Debatte über die Frage, ob ein Nationalsozialist schwul sein dürfe und wie mit Homosexuellen in den eigenen Reihen zu verfahren sei. Der westdeutsche Neonaziführer Michael Aloisius Alfons Kühnen beantwortete die Frage mit dem Papier »Nationalsozialismus und Homosexualität«. Die Schlussfolgerung seines »Grundsatzpapier« lautete: »Nationalsozialismus und Homosexualität sind vereinbar!«1  Dies kann als Versuch gewertet werden, auch homosexuellen Männern ihren Platz in der »Bewegung« zu geben und ein nationalsozialistisches Modell des »neuen« Mannes zu entwerfen.

Fabian Kunow

Ein Neonaziführer argumentiert Homosexualität.

(Bild: Screenshot youtube.com/Spiegel-TV)

  • 1. Michael Kühnen (1986): »Nationalsozialismus und Homosexualität« S. 8.
Neonazi-Versammlung nach dem Tod von Rudolf Heß in West-Berlin.
NS-Szene | AIB 19 / 3.1992 | 29.09.1992

„Rudolf Heß Marsch“ - Kristallisationspunkt der militanten Rechten

Wunsiedel August 1992: Der Todestag von Rudolf Heß jährt sich zum fünften Mal. Die ersten Aufrufe der Neonazis zum »Rudolf-Heß-Marsch 1992« sind im Umlauf und die ersten Vorbereitungstreffen finden statt. Dieses sich alljährlich wiederholende Spektakel entwickelte sich zu einem Kristallisationspunkt der militanten Rechten, bei dem sich mittlerweile die Täter von Hoyerswerda bis Schönau mit immer größeren Kreisen der Schreibtischtäter treffen, um ein »Fanal für Deutschland« auf die Straße zu bringen. Auch die von Anfang an vorhandene internationale Beteiligung stieg seit 1991 sprunghaft an. Wir wollen mit diesen Beitrag die Entwicklung nachzeichnen und die beteiligten Gruppen darstellen.

Wunsiedel August 1992: Der Todestag von Rudolf Heß jährt sich zum fünften Mal. Dieses sich alljährlich wiederholende Spektakel entwickelte sich zu einem Kristallisationspunkt der militanten Rechten. Auch die von Anfang an vorhandene internationale Beteiligung stieg seit 1991 sprunghaft an. Wir wollen mit diesen Beitrag die Entwicklung nachzeichnen und die beteiligten Gruppen darstellen.
 

Der angeklagte Neonazi-Funktionär Christian Malcoci (Bildmitte mit Brille und Gürteltasche) auf einem "Rudolf Heß Gedenkmarsch". (Foto: Christian Ditsch)
NS-Szene | AIB 19 / 3.1992 | 02.09.1992

Der Stuttgarter Neonazi-Prozeß

Seit dem 5. Februar 1991, also seit fast eineinhalb Jahren, findet in Stuttgart einer der größten Neonazi Prozesse in der Geschichte der BRD statt.

Seit dem 5. Februar 1991, also seit fast eineinhalb Jahren, findet in Stuttgart einer der größten Neonazi Prozesse in der Geschichte der BRD statt.
 

Der FAP-Mitgründer Erhard Kemper. (Bild: Faksimile aus "Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung" März 1999)
NS-Szene | AIB 18 / 2.1992 | 25.07.1992

Revision von Erhard Kemper verworfen

Am 21. Juni 1991 wurde das Münsteraner Mitglied der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) Erhard Kemper vom Landgericht Münster wegen antisemitischer Hetze zu drei Monaten auf Bewährung und 1.500 DM Geldstrafe verurteilt.

Am 21. Juni 1991 wurde das Münsteraner Mitglied der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) Erhard Kemper vom Landgericht Münster wegen antisemitischer Hetze zu drei Monaten auf Bewährung und 1.500 DM Geldstrafe verurteilt.

(Bild: Faksimile VffG)

Neonazis hinter der Fahne der FAP bei einem Aufmarsch in Dresden.
NS-Szene | AIB 11 / 2.1990 | 25.07.1990

FAP Bundestreffen auf der Autobahn

Eigentlich sollte am 10. März 1990 in Hückelhoven Doveren, einer kleinen Ortschaft in der Nähe von Aachen, der Bundesparteitag der militanten Neonazi-Partei „Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei“ (FAP ) - des sogenannten Jürgen Mosler-Flügel - stattfinden. Die Neonazis mieteten für diesen Zweck in Doveren die Gaststätte »Bürgerstube« an. Als die Wirtin jedoch erfuhr, wer da tagen wollte, entzog sie der FAP kurzerhand die Räume. Doch ungeachtet dieser Tatsache mobilisierten antifaschistischen Initiativen vorwiegend aus dem Raum Nordrhein-Westfalen zum vorgesehenen Tagungsort. So kamen dann am Morgen des 10. März 1990 circa 350 AntifaschistInnen, von Autonomen bis zur Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Verband der AntifaschistInnen (VVN-VdA), um gegen die Neonazis zu demonstrieren und, wenn möglich, den Parteitag zu verhindern. Die Polizei hatte sich entsprechend vorbereitet. Die Gaststätte wurde nach zwei Seiten durch doppelte Absperrgitter und Hundestaffeln beschützt. Eine permanente Videoaufzeichnung der anwesenden AntifaschistInnen und verschiedene Personenkontrollen stillten die Datensammelwut der Einsatzleitung.

Eigentlich sollte am 10. März 1990 in Hückelhoven Doveren, einer kleinen Ortschaft in der Nähe von Aachen, der Bundesparteitag der militanten Neonazi-Partei „Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei“ (FAP ) - des sogenannten Jürgen Mosler-Flügel - stattfinden.

Neonazi-Funktionäre wie Edgar Geiss (links) und Christian Worch (rechts) waren beim Heß-Marsch in Wunsiedel präsent. (Bild: Faksimile aus "Unsere Stunde die wird kommen")
NS-Szene | AIB 9 / 3.1989 | 05.12.1989

Neonazi-Aufmarsch in Wunsiedel

Am 19. August 1989 versammelten sich mehr als 200 Neonazis in der Kleinstadt Wunsiedel im Fichtelgebirge. Sie wollten dem "Märtyrer für Deutschland - Rudolf Heß" zwei Tage nach dessem offiziellen zweiten Todestag gedenken. Gekommen waren Neonazis aus allen Teilen der BRD, aus Belgien, Dänemark und Österreich.

Am 19. August 1989 versammelten sich mehr als 200 Neonazis in der Kleinstadt Wunsiedel im Fichtelgebirge. Sie wollten dem "Märtyrer für Deutschland - Rudolf Heß" zwei Tage nach dessem offiziellen zweiten Todestag gedenken. Gekommen waren Neonazis aus allen Teilen der BRD, aus Belgien, Dänemark und Österreich.

(Bild: Faksimile)
 

NS-Szene | AIB 6 / 1.1989 | 04.04.1989

KAH: (Neo)Nazis wollen Hitlergeburtstag feiern

Jedes Jahr am 20. April "feiern" neue und alte Nazis den Geburtstag Adolf Hitlers, auf ihre Art und Weise. Das geht von Feiern und Gedenken an den Führer des nationalsozialistischen Terrorsystems, bis hin zu Überfällen auf AntifaschistInnen, AusländerInnen usw. Dieses Jahr ist jedoch mit einer neuen Eskalation zu rechnen. Es ist der 100. Geburtstag und der wird seit Jahren vorbereitet.

Jedes Jahr am 20. April "feiern" neue und alte Nazis den Geburtstag Adolf Hitlers, auf ihre Art und Weise. Das geht von Feiern und Gedenken an den Führer des nationalsozialistischen Terrorsystems, bis hin zu Überfällen auf AntifaschistInnen, AusländerInnen usw. Dieses Jahr ist jedoch mit einer neuen Eskalation zu rechnen. Es ist der 100. Geburtstag und der wird seit Jahren vorbereitet.
 

Jürgen Mosler in einem Wahlwerbe Spot der FAP. (Bild: Screenshot YouTube)
NS-Szene | AIB 3 / 1.1988 | 26.04.1988

Hausdurchsuchungen wegen ANS/NA Fortführung

Am Mittwoch, dem 2. März 1988, durchsuchte die Polizei an 61 Orten der BRD 92 Wohnungen. Laut Angaben der Polizei richteten sich diese Razzien gegen die Fortsetzungsorganisation der bereits 1983 verbotenen ANS/NA (Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten) von Michael Kühnen.

Am Mittwoch, dem 2. März 1988, durchsuchte die Polizei an 61 Orten der BRD 92 Wohnungen. Laut Angaben der Polizei richteten sich diese Razzien gegen die Fortsetzungsorganisation der bereits 1983 verbotenen ANS/NA (Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten) von Michael Kühnen.

(Bild: FAP-Wahlwerbung/Screenshot YouTube)
 

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