Berliner Republikaner hatten auch Kontakte zur Neonazi-Szene. Bild vom Neonazi-Aufmarsch 1991 in Halbe. (Foto: Christian Ditsch)
Gesellschaft | AIB 6 / 1.1989 | 15.04.1989

Westberlin Chronologie 1988/1989

Wir berichten hier in chronologischer Form über die Neonaziaktivitäten, rechte Veranstaltungen und antifaschistische Gegenaktionen. Dazu zählen wir auch die Dinge auf, die in diesem Zusammenhang zu sehen sind. Wenn ihr zum Beispiel Neonazi- oder Skinheadüberfälle beobachtet habt oder in euren Bezirken, an Schulen und in euren Betrieben verstärkt neonazistisches Propagandamaterial und Schmierereien auftauchen oder ihr von antifaschistischen Aktionen zu berichten wißt, dann schreibt uns eine kurze Notiz (wer/was/wann oder wo) an unsere Kontaktadresse oder wendet euch an das Antifa-Infotelefon (69215 99), das jeden Samstag von 16 bis 20 Uhr angerufen werden kann.

In dieser Chronologie sind die Wahlkampfaktivitäten der "Republikaner" (REPs), von denen wir wissen, eingeflossen - die Aktionen gegen ihre rassistische Propaganda natürlich auch. Die ständigen REP-Werbespots, wie sie zum Beispiel über den Radiosender "Hundert.6" gingen sind nicht vermerkt. Die samstäglichen Wahlkampfstände konnten wir auch nicht alle aufzählen, genauso wenig wie ihre Propagandavorlesungen über CB-Funk.

Antifa-Infotelefon Westberlin

Das "Antifa-Infotelefon" Westberlin berichtet in chronologischer Form über die Neonaziaktivitäten, rechte Veranstaltungen und antifaschistische Gegenaktionen in Westberlin in den vergangenen Monaten.

Die Westberliner Neonazi-Aktivisten Mario D., Oliver Schweigert, Lutz Schillok, Thomas Givens, Reinhard Golibersuch (v.l.n.r.)
NS-Szene | AIB 6 / 1.1989 | 13.04.1989

Die „Freiheitspartei“ in Westberlin: Neonazi-Tarnorganisation

Unbeachtet von der jetzt auf einmal so empörten bürgerlichen Öffentlichkeit über den Wahlerfolg der „Die Republikaner“ (REPs) haben sich militante Neonazis in Westberlin mit der „Freiheitspartei“ (FP) eine legale Organisation geschaffen. Schon lange hat die Westberliner „Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei“ (FAP) an einer legalen Organisationsform gearbeitet, um das Alliierte Verbot des öffentlichen Auftretens zu umgehen. Die „Freiheitspartei“ wurde als Wählergemeinschaft im Berliner Bezirk Wedding vom Landeswahlausschuß zugelassen und konnte bei den Wahlen 208 Stimmen erreichen.

Die Westberliner FAP

Neonazistische Skinheads beginnen sich auch in Schweden zu organisieren.
International | AIB 6 / 1.1989 | 11.04.1989

Schweden: Überfallversuch auf Searchlight Journalist

Vor einigen Wochen konnte ein antifaschistischer Journalist aus Britannien knapp einem Angriff in einem Treffpunkt von schwedischen Neonazi-Skinheads in Stockhol entkommen.

Vor einigen Wochen konnte ein antifaschistischer Journalist aus Britannien knapp einem Angriff in einem Treffpunkt von schwedischen Neonazi-Skinheads in Stockhol entkommen.

NS-Propagandakarte zu "Volksdeutschen" im Wartheland. (Bild: Bundesarchiv, R 49 Bild-0705 / Unbekannt / CC-BY-SA 3.0)
Diskussion | AIB 6 / 1.1989 | 10.04.1989

Neue Politik: Flüchtlinge Raus - Aussiedler Rein ?

Staatliche und industrielle Kreise verfolgen politische und ökonomische Interessen bei der massiven finanziellen Förderung zum Zuzug der sogenannten „Deutschstämmigen“ aus den „ehemaligen deutschen Ostgebieten“. Die Linke verhält sich zu diesem Thema wenig bis garnicht. Flüchtlinge aus der sogenannten „Dritten Welt“ werden unter dem Motto „die BRD ist kein Einwanderungsland“ abgeschoben, AussiedlerInnen dagegen sind höchst Willkommen. Nicht nur Konservative und Neonazis erwarten dadurch einen Anstieg der nationalistischen Deutschtümelei. Mit Sprüchen wie „Nationale Aufgabe“ setzt sich die Bundesregierung an die Spitze dieser deutschen Tradition.

Flüchtlinge aus der sogenannten „Dritten Welt“ werden unter dem Motto „die BRD ist kein Einwanderungsland“ abgeschoben, AussiedlerInnen dagegen sind höchst Willkommen. Die Linke verhält sich zu diesem Thema wenig bis garnicht.

(Bild: Bundesarchiv, R 49 Bild-0705 / CC-BY-SA 3.0)
 

Der Präsident des Deutschen Bundestages, Dr. Philipp Jenninger, empfängt 1986 den rechts-nationalistischen Schriftsteller und das frühere "Freikorps"-Mitglied" Ernst Jünger in seiner Dienstvilla in Bad Godesberg. (Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F073370-0003 / Wegmann, Ludwig / CC-BY-SA 3.0)
Gesellschaft | AIB 6 / 1.1989 | 07.04.1989

50. Jahre Gedenken der Novemberpogrome 1938

Mit dem Schwerpunktthema über den Degesch-Konzern1 im Antifaschistischen Infoblatt (AIB) Nr. 5 wollten wir neben der Hintergrundinformation auch einen Beitrag zum politischen Inhalt zukünftiger antifaschistischer Aktionen leisten. In diesem Zusammenhang geben wir deshalb einen kurzen Rückblick auf die antifaschistische Demonstration und die Veranstaltung in Westberlin zum 50. Jahrestag der Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung in Deutschland 1938. Im Anschluß daran noch ein paar Worte zu den offiziellen Gedenkfeiern.

Rückblick auf den 9. November 1988.

(Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F073370-0003 / Wegmann, Ludwig / CC-BY-SA 3.0)

 

  • 1. Die Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung m.b.H. (Degesch) war ein Chemieunternehmen, das sich mit dem Vertrieb von Schädlingsbekämpfungsmitteln befasste. Sie war die Inhaberin des Patents zur Herstellung von Zyklon B, das im NS für Massentötungen in mehreren Vernichtungslagern eingesetzt wurde.
(Bild: Screenshot YouTube/NDR; Faksimile Hürryjet)
NS-Szene | AIB 6 / 1.1989 | 06.04.1989

Michael Kühnens Auftritt bei „Hürriyet“

Der Neonazi-Anführer Michael Kühnen liebt publikumswirksamen Auftritte. Dies um so mehr, seitdem dem selbsternannten „Führer“ ein erheblicher Teil seiner Gefolgschaft in konkurrierenden Neonazi-Gruppen abhanden gekommen ist. Anfang Januar 1989 bot die Tageszeitung „Hürriyet“, ein von türkischen MigrantInnen viel gelesenes Blatt, dem Neonazi eine öffentliche Plattform.

Anfang Januar 1989 bot die türkische Tageszeitung „Hürriyet“ dem Neonazi-Anführer Michael Kühnen eine öffentliche Plattform.

(Bild: Screenshot YouTube/Faksimile Hürryjet)
 

(Bild: Faksimile aus "wir selbst" Mai 1986)
Repression | AIB 6 / 1.1989 | 06.04.1989

"Nationalrevolutionäre" an der Universität Oldenburg

Gegen StudentInnen der Universität Oldenburg wurde am 22. November 1988 - auf Weisung des niedersächsischen Kultusministeriums - Anklage wegen Verstoß gegen das niedersächsische Pressegesetz erhoben. Ihnen wird vorgeworfen ihre Zeitung "Lanzarote" „nicht von strafbaren Inhalten freigehalten zu haben“.

Gegen StudentInnen der Universität Oldenburg wurde Anklage wegen Verstoß gegen das Pressegesetz erhoben. Sie hatten kritisch über "nationalrevolutionäre" Tendenzen eines Pofessors berichtet.

(Bild: Faksimile "wir selbst")
 

NS-Szene | AIB 6 / 1.1989 | 04.04.1989

KAH: (Neo)Nazis wollen Hitlergeburtstag feiern

Jedes Jahr am 20. April "feiern" neue und alte Nazis den Geburtstag Adolf Hitlers, auf ihre Art und Weise. Das geht von Feiern und Gedenken an den Führer des nationalsozialistischen Terrorsystems, bis hin zu Überfällen auf AntifaschistInnen, AusländerInnen usw. Dieses Jahr ist jedoch mit einer neuen Eskalation zu rechnen. Es ist der 100. Geburtstag und der wird seit Jahren vorbereitet.

Jedes Jahr am 20. April "feiern" neue und alte Nazis den Geburtstag Adolf Hitlers, auf ihre Art und Weise. Das geht von Feiern und Gedenken an den Führer des nationalsozialistischen Terrorsystems, bis hin zu Überfällen auf AntifaschistInnen, AusländerInnen usw. Dieses Jahr ist jedoch mit einer neuen Eskalation zu rechnen. Es ist der 100. Geburtstag und der wird seit Jahren vorbereitet.
 

Ekkehard Weil in Westberlin vor Gericht. (Bild: Screenshot von YouTube/AP)
NS-Szene | AIB 6 / 1.1989 | 01.04.1989

Das Umfeld des Berliner Neonazi-Terroristen Ekkehard Weil

Ekkehard Weil (40) wurde von der Westberliner Polizei als Tatverdächtiger für eine antisemitische Denkmalschändungen vom 7. Januar 1989 ermittelt. Als Käuferin der Schweinekopfhälften soll die 28-jährige Pia B.1 durch Zeugen wiedererkannt worden sein.

Ekkehard Weil (40) wurde von der Westberliner Polizei als Tatverdächtiger für eine antisemitische Denkmalschändungen vom 7. Januar 1989 ermittelt. Als Käuferin der Schweinekopfhälften soll die 28-jährige Pia B. durch Zeugen wiedererkannt worden sein.

(Bild: Screenshot YouTube/AP)
 

  • 1. Bei Pia B., handelt es sich um die Ehefrau von dem Berliner Neonazi Günter Bernburg.

AIB 6 | 1.1989

Doppelnummer 6/7

(nicht mehr lieferbar)

Seiten

Subscribe to Newsfeed der Startseite