Rezensionen | AIB 9 / 3.1989 | 08.11.1989

REP: Die Republikaner - Phantombild der neuen Rechten

Claus Leggewie

Erstaunlich, wie schnell nach den Wahlen in Berlin, der BRD und zum Europaparlament der Buchmarkt mit angeblichen Neuigkeiten über die „Republikaner“ (REPs) von diversen Autoren überschwemmt wurde. Am häufigsten gelobt wurde das Buch „REP: - Die Republikaner - Phantombild der neuen Rechten“ welches zu Unrecht Claus Leggewie alleine zugerechnet wird. Außer ihm haben noch drei weitere Autoren an diesem Schnellschuß mitgearbeitet. Besser wird das Buch dadurch nicht.

AIB 9 | 3.1989

»Rot«-Grün. Antifaschismus unter Beschuss

(nicht mehr lieferbar)

AIB 8 | 2.1989

(nicht mehr lieferbar)

(Symbolbild. flickr.com; Jean Pierre Hintze; CC BY-SA 2.0)
Repression | AIB 6 / 1.1989 | 27.04.1989

Lübeck – Prozess gegen fünf AntifaschistInnen geplatzt

Lübeck am 17. August 1985: Neonazi-Skinheads hatten in Groß Parin bei Lübeck ein "Rock gegen Links" Konzert organisiert. Etwa 700 (Neonazi)-Skinheads - laut Polizeiangaben waren es 630 Besucher - waren angereist, um die rechten Bands "Böhse Onkels" (später „Böhse Onkelz“), „Indecent Exposure“ (England), „Die Hards“ und „Kahlkopf“ (Bad Homburg) zu hören.1 Das rechte Skinheadt-Treffen war offiziell als ein „Rockfest" von Fußballfans angemeldet worden und zog Gäste aus ganz Deutschland, Skandinavien, England und Österreich an. Ein Highlight für die Gäste war die Band "Böhsen Onkels". Der "Böhse Onkels" Sänger Kevin Russel soll laut Berichten aus der Skinhead-Szene im Lied "Deutschland" statt „deutsche Frauen, deutsches Bier – schwarz rot gold wir steh’n zu Dir“ für das rechte Publikum extra deutlich „deutsche Frauen, deutsches Bier – schwarz weiß rot wir steh’n zu Dir“ gesungen haben.
Im Anschluß a das Open-Air-Konzert wollten einige Neonazi-Skinheads das linke Kommunikationszentrum Alternative („Walli“) überfallen. Dieser Überfall konnte verhindert werden, nicht jedoch zahlreiche Angriffe und Raubüberfälle gegen andere Jugendliche und Erwachsene. AntifaschistInnen setzen sich zur Wehr und attackierten eine Gruppe von Neonazis aus den Kreisen der "Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei" (FAP) bzw. deren Umfeld.

Fünf AntifaschistInnen wurde in Lübeck der Prozeß wegen einer Auseinandersetzungen mit rechten Skinheads im Zuge eines rechten Musik Festivals gemacht.

(Foto: Jean Pierre Hintze; CC BY-SA 2.0)
 

  • 1. Vgl. Fanzine "Hanseaten Skins" Nr. 3
Antifa | AIB 6 / 1.1989 | 25.04.1989

REP- Kandidatur verhindern?

In Westberlin hatte sich das "Bündnis gegen Rassismus, Faschismus und Sexismus" die Verhinderung der Kandidatur der "Die Republikaner" zu einem Hauptziel seiner antifaschistischen Arbeit gemacht. Die offensive Parole "Auflösung und Zerschlagung aller faschistischen Verbände und Organisationen" stand und steht hier zwar im Vordergrund, ist aber in der Praxis mehr dem Ruf "Keine Kandidatur der Republikaner" gewichen.

Gastbeitrag "Bündnis gegen Rassismus, Faschismus und Sexismus"

Die Stärke des Bündnis liegt auf der Straße. Hier kann Druck und Öffentlichkeit von Unten hergestellt werden. Von der Störung bis zur Verhinderung verschiedener Veranstaltungen der REPs und anderen extrem rechten Organisationen profitiert diese Stärke. Jetzt müssen wir natürlich erkennen, daß diese Stärke allein nicht ausgereicht hat. Die Kräfteverhältnisse sind eben nicht zu unseren Gunsten verteilt.

(Foto: Christian Ditsch)
Braunzone | AIB 6 / 1.1989 | 25.04.1989

Die "Jungen Republikanern" 1989

In dem Artikel über die REPs in der Ausgabe Nr. 4 des Antifaschistischen Infoblatts (AIB) hatten wir einige Namen und Fakten über die Verbindungen und die Zusammenarbeit von Aktivisten der "Die Republikaner" (REP) mit anderen (extrem) rechten Organisationen und Neonazis dargestellt. Trotz der offiziellen Distanzierungen von (Neo)Faschisten, wie sie die Parteiführung ständig verbreitet, bleiben Kontakte natürlich bestehen.

Trotz der offiziellen Distanzierungen von (Neo)Faschisten, wie sie die REP-Parteiführung ständig verbreitet, bleiben Kontakte an der Basis natürlich bestehen. Die "Jungen Republikaner" (JRep) sind von dem Distanzierungs-Bemühungen anscheinend nicht besonders intensiv betroffen.

(Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F081850-0029 / Schaack, Lothar / CC-BY-SA 3.0)
Braunzone | AIB 6 / 1.1989 | 25.04.1989

Rechte Wahlantritte 1989

Die Westberliner "Republikaner" bekennen Farbe: Sogar die SPD fühlt sich aus dem Schlaf gerissen, ist empört, verurteilt aufs Schärfste und fordert jetzt ein Verbot der rechten Partei "Die Republikaner" (REPs). Die bürgerlichen Medien und Teile der Öffentlichkeit sehen "das Ansehen Berlins" gefährdet . Als es im Dezember 1988 um die Zulassung der Parteien zur Abgeordnetenhauswahl ging, scherten sich die bürgerlichen Parteien wenig bis nichts um den äußerst rechten Inhalt "republikanischer" Politik. Die REPs wurde in allen Bezirken zur Wahl zugelassen und ihr damit "verfassungstreue" und "demokratisches" Bestreben bescheinigt. Zwei üble Machenschaften sind der Grund für daß plötzliche Umdenken der etablierten Parteien im Wahlkampf: Erstens der Wahlkampfspott der REPs, der am 2. Januar 1989 vom SFB-Fernsehen ausgestrahlt wurde und Zweitens die Schändung der Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus durch militante Neonazis in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar 1989.

Europas Rechte rüsten für die Wahlen zum Europaparlament am 18. Juni 1989. In der BRD tritt ein Bündnis zwischen der NPD und der DVU mit ihrer "Liste- D" und aus der Partei "Die Republikaner" an.

(Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F081850-0029 / Schaack, Lothar / CC-BY-SA 3.0)
 

Die beiden Berliner REP-Funktionäre Klaus Weinschenk (rechts) und Otto Wenzel (links) zusammen mit Werner Deutsch (mitte) von der BDI auf einer REP-Kundgebung.
Braunzone | AIB 6 / 1.1989 | 25.04.1989

"Die Republikaner" zur Wahl in Westberlin

Bisher hatte in Westberlin die alliierte Kommandantur ein kritisches Auge auf das öffentliche Auftreten und die Kandidatur von neonazistischen Parteien zu den Abgeordnetenhauswahlen. Zumindest bei der offen neonazistischen „Nationaldemokratische Partei Deutschlands“ (NPD) halten sie noch fest an ihren Anordnungen, die die Partei mit einem Verbot für jegliche Auftritte in der Öffentlichkeit und ihr damit auch eine Kandidatur bei den Wahlen verbieten. Verbot hin, Verbot her, dies betraf und betrifft eben nur die NPD und wird in der Praxis oft nicht einmal eingehalten. NPD-Versammlungen werden nicht selten von den eingesetzten Beamten geschützt anstatt aufgelöst. Gegen den Landesverband der extrem rechten „Deutschen Volksunion“ (DVU), der am 26. Juni 1988 im ICC gegründet worden ist, wurde von offizieller Seite genauso wenig unternommen wie gegen die (extrem) rechte Partei "Die Republikaner" (REPs), die ihre Landesverbandsgründung am 5. September 1987 durchzogen. Die DVU wird zwar am 29. Januar nicht zu den Wahlen kandidieren, dafür sind aber vier andere (extrem) rechte Parteien zum Stimmenfang angetreten. Neben den REPs finden sich die "Demokratische Allianz" (DA), die "Ökologisch Demokratische Partei" (ÖDP) und im Bezirk Wedding die "Freiheitspartei" (FP) auf den Stimmzetteln wieder. Das ganze rechte Wählerpotential – von Rechtskonservative und Reaktionäre, über Grünbraune bis zu den Alt- und militanten Neonazis - wird damit an die Urne gerufen.

"Die Republikaner" können sich und ihre (extrem) rechten Inhalte also auch in Westberlin zum ersten mal zur Wahl stellen.
 

(Bild: Screenshot: halbzehn.net)
Rassismus | AIB 6 / 1.1989 | 24.04.1989

Rassistischer Brandanschlag in Schwandorf

Zu dem Brandanschlag in der Nacht vom 17. Dezember 1988 auf ein Wohnhaus im oberpfälzischen Schwandorf will die Polizei keine rassistischen Hintergründe vermuten. Bei dem Anschlag kamen vier Menschen ums Leben, man fand sie später in den Trümmern: Osman und Fatma Can, 50 und 44 Jahre alt, deren Sohn Mehmet, 12 Jahre alt, und Jürgen Hübener, 47 Jahre alt. Sechs weitere Personen wurden schwer verletzt. Als Täter wurde der 19jährige Josef Saller festgenommen, der als Motiv für die Tat seinen Haß auf Ausländer angab.1

Zu dem Brandanschlag in der Nacht vom 17. Dezember 1988 auf ein Wohnhaus im oberpfälzischen Schwandorf will die Polizei keine rassistischen Hintergründe vermuten. Bei dem Anschlag kamen vier Menschen ums Leben. Als Täter wurde der 19jährige Josef Saller festgenommen, der als Motiv für die Tat seinen Haß auf Ausländer angab.

(Bild: Screenshot: halbzehn.net)

  • 1. Nachtrag: Die rechte Gesinnung von Josef Saller wirkte sich strafverschärfend auf das Urteil aus. Wegen besonders schwerer Brandstiftung wurde er zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt. In Haft wird Saller von der neonazistischen "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige e.V." (HNG) betreut.
NS-Szene | AIB 6 / 1.1989 | 23.04.1989

Tote im FAP Milieu

Im September 1987 überfielen drei Essener Mitglieder der „Freiheitlichen Deutsche Arbeiterpartei“ (FAP) das örtliche Büro der "Deutschen Kommunistischen Partei" (DKP), dabei wurde ein flüchtender Invalider krankenhausreif geschlagen. Der 20-jährige Frank R. legte bei der Polizei ein vollständiges Geständnis ab. Einen Tag nach Eröffnung der Berufungsverhandlung, wurde er von einem S-Bahn Zug überrollt. In Hannover starben zwei angebliche Verräter aus den Reihen der FAP.

Im September 1987 überfielen drei Essener Mitglieder der „Freiheitlichen Deutsche Arbeiterpartei“ (FAP) das örtliche Büro der DKP. Frank R. legte bei der Polizei ein vollständiges Geständnis ab. Einen Tag nach Eröffnung der Berufungsverhandlung, wurde er von einem S-Bahn Zug überrollt. In Hannover starben zwei angebliche Verräter aus den Reihen der FAP.

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