Ein Antifaschist wird bei Protesten gegen "Die Republikaner" verhaftet.
Repression | AIB 9 / 3.1989 | 12.12.1989

Westberlin: Kriminalisierung aktiver AntifaschistInnen

Es vergeht kaum eine antifaschistische Aktion mehr, ohne das AntifaschistInnen festgenommen werden. Allein um die antifaschistische Mobilisierung zum "Hitler Geburtstag" am 20. April gab es um die 90 Festnahmen. Bei allen möglichen antifaschistischen Aktivitäten wie Kundgebungen, Demonstrationen und auch einfach auf der Straße werden AntifaschistInnen kriminalisiert und im Nachgang medial diffamiert. Neonazis hingegen bekommen häufig eine Art Freibrief, werden als „verwirrte Einzeltäter“ dargestellt oder erklären einfach sie wären provoziert worden.

Kriminalisierung aktiver AntifaschistInnen in Westberlin. Über 120 Festnahmen im letzten halben Jahr.
 

Faksimile eines Flugblatts der Devrimci Yol von 1980. (Bild: Faksimile aus Devrimci Yol Arsivi; CC BY-NC-ND 4.0)
Diskussion | AIB 9 / 3.1989 | 12.12.1989

Repression in der Türkei/Kurdistan

Am 19. Juli 1989 wurde vor dem Militärgericht Mamak das Urteil im Massenprozeß gegen die Organisation Devrimci Yol (Revolutionärer Weg, auch Dev-Yol) verkündet. Mit sieben Todesurteilen, 39 mal lebenslänglich und 336 Haftstrafen zwischen zwei und zwanzig Jahren ging einer der größten Militärgerichtsprozesse in der Geschichte der Türkei zu Ende. Im Oktober 1982 war der Prozeß mit 574 Angeklagten eröffnet worden. Für 186 von ihnen forderte der Staatsanwalt die Todesstrafe. Später erhöhte sich die Zahl der Angeklagten auf 723, die der geforderten Todesstrafen auf 236.

Ein Gastbeitrag von kurdischen & türkischen AutorInnen

Hintergründe zum Prozess gegen Dev-Yol, zu deren Faschismusbegriff und Widerstandskonzept. Vielleicht ein Auslöser zu einer Diskussion, der weitere Beiträge zur türkischen und kurdischen Linken folgen.

(Bild: Faksimile aus Devrimci Yol Arsivi; CC BY-NC-ND 4.0)

(Bild: flickr.com; libertinus; Montecruz Foto; CC BY-SA 2.0)
Diskussion | AIB 9 / 3.1989 | 12.12.1989

Skinheads - fette, schwachgeistige Monster mit Hakenkreuzbinde?

Für die letzten Ausgaben des Antifaschistischen Infoblattes (AIB) mußten wir von einigen Skinheads Kritik einstecken. Wir hatten nicht darauf geachtet, daß Skinhead nicht gleich Neonazi-Skinhead ist. Das ist richtig. Deswegen ist hier ein Artikel abgedruckt, der zeigen sollen, wo die Wurzeln der Skinhead-Bewegung liegen und daß es auch heute noch eine Menge Skinheads gibt, die sich gegen das Klischeebild von Neonazi-Glatzen wehren, sich sogar gegen Faschismus und Rassismus organisieren und die „Boneheads“ - wie sie die Neonazi-Glatzen bezeichnen - bekämpfen. Den Artikel „What it means to be a skinhead“ haben wir aus der Skinhead Szene zur Verfügung gestellt bekommen.

Nachdruck von: „What it means to be a skinhead“

Skinheads, das waren 1968/'69 weiße und schwarze Arbeiterjugendliche. Als sich rassistische Überfälle von „Skinheads“ häuften, wurden sie von der Presse als neue SA betitelt. Diese Verallgemeinerung bewirkte, daß viele neonazistische Jugendliche sich dem „Arbeiterstil“ zuwendeten und das ursprüngliche Klassenbewußtsein in ein Rassenbewußtsein umwandelten. Ein Nachdruck von: „What it means to be a skinhead“.

(Bild: Montecruz Foto; CC BY-SA 2.0)

(Bild: flickr.com; gimmeapabst; Hank; CC BY-NC 2.0)
Antifa | AIB 9 / 3.1989 | 12.12.1989

S.H.A.R.P. - Skinheads Against Racial Prejudice

Für die letzten Ausgaben des Antifaschistischen Infoblattes (AIB) mußten wir von einigen Skinheads Kritik einstecken. Wir hatten nicht darauf geachtet, daß Skinhead nicht gleich Neonazi-Skinhead ist. Das ist richtig. Deswegen ist hier ein Artikel abgedruckt, der zeigen sollen, wo die Wurzeln der Skinhead-Bewegung liegen und daß es auch heute noch eine Menge Skinheads gibt, die sich gegen das Klischeebild von Neonazi-Glatzen wehren, sich sogar gegen Faschismus und Rassismus organisieren und die „Boneheads“ - wie sie die Neonazi-Glatzen bezeichnen - bekämpfen. Den Artikel durften wir aus dem Skinhead-Fanzine "SKINTONIC" (Nummer 5) - leicht gekürzt und redigiert - übernehmen.

Gastbeitrag SKINTONIC Fanzine

Ein Beitrag aus dem "SKINTONIC"-Fanzine über S.H.A.R.P., einer internationalen Skinhead-Organisation gegen rassistische Vorurteile.

(Bild: flickr.com; gimmeapabst; Hank; CC BY-NC 2.0)

Ticket der Band "Angelic Upstarts". (Foto: flickr.com; elninodelaselva; CC BY-NC-ND 2.0)
Antifa | AIB 9 / 3.1989 | 12.12.1989

Antifa-Musik-Festival gegen Kriminalisierung

In Zusammenarbeit mit der antifaschistischen englischen Musikinitiative "Cable Street Beat" hatten Westberliner, Hamburger und Lübecker Antifa-Initiativen drei Konzerte organisiert. Es spielten die „Angelic Upstarts“ und „The Blaggers“ aus England, die dort die "Cable Street Beat"-Initiative unterstützen. In Hamburg und Westberlin wurde das Musikprogramm noch durch lokale Musik-Gruppen vervollständigt. Vor circa 800 KonzertbesucherInnen spielte die Hard Core-Punk Band "Emils". Im Westberliner Tempodrom kamen 2.600 zahlende Gäste zusammen, um außer den Gruppen aus London noch „Jingo De Lunch“ live auf der Bühne zu erleben.

In Zusammenarbeit mit der antifaschistischen englischen Musikinitiative "Cable Street Beat" hatten Westberliner, Hamburger und Lübecker Antifa-Initiativen drei Konzerte organisiert.

(Foto: elninodelaselva; CC BY-NC-ND 2.0)
 

Roberto Fiore 1982 auf einem Fahndungsfoto der italienischen Polizei.
International | AIB 9 / 3.1989 | 12.12.1989

England: Geheimdienste, Neofaschisten und die Falange

Seit Ende der 1980er Jahre lebt der in Italien in Abwesenheit zu fünf Jahren Haft verurteilte italienische Neofaschist Roberto Fiore unbehelligt in London. Ausgesprochen wurde das Urteil wegen „Unterstützung einer staatsfeindlicher, bewaffneter Vereinigung“, der „Nuclei Armati Rivoluzionari“ (NAR)1. Diese neofaschistische Terrororganisation verübte 1980 das Attentat auf den Bahnhof Bologna, bei dem 85 Menschen ermordet wurden. Auch wenn die italienische Regierung Fiore bescheinigt hat nicht an der Ausführung des Attentats beteiligt gewesen zu sein, so gab es doch keinen Zweifel darüber, daß er eng mit der Gruppe verbunden war, die den Anschlag ausführte.

Seit Ende der 1980er Jahre lebt der in Italien in Abwesenheit zu fünf Jahren Haft verurteilte italienische Neofaschist Roberto Fiore unbehelligt in London. Warum weigert sich die britische Regierung Fiore auszuliefern bzw. werden Auslieferungsersuchen nicht beantwortet?

(Bild: Fahndungsfoto Polizei Italien)

  • 1. Übersetzt: Bewaffnete Revolutionäre Zellen, nicht zu verwechseln mit den "Revolutionären Zellen" in der BRD
Der Konzert Organisator Ian Stuart Donaldson. (Bild: Screenshot YouTube)
International | AIB 9 / 3.1989 | 11.12.1989

London: Neonazi-Skinhead-Treffen endete im Disaster

Die Neonazi-Skinhead-Bewegung arbeitet über die Grenzen hinweg. „Blood & Honour“ („Blut und Ehre“) eine neonazistische Organisation aus dieser Szene ist zum Vorbild und Zentrum dieser Bewegung geworden. Wir haben einen Erlebnisbericht aus der englischen Antifa-Zeitung "Searchlight" übersetzt, der schildert wie AntifaschistInnen aus dem „größten internationalen Neonazikonzert“ am 27. Mai 1989 ein Disaster werden ließen.

Wir haben einen Erlebnisbericht aus der englischen Antifa-Zeitung "Searchlight" übersetzt, der schildert wie AntifaschistInnen aus dem „größten internationalen Neonazikonzert“ am 27. Mai 1989 ein Disaster werden ließen.

(Bild: Screenshot YouTube)

Neonazi-Funktionäre wie Edgar Geiss (links) und Christian Worch (rechts) waren beim Heß-Marsch in Wunsiedel präsent. (Bild: Faksimile aus "Unsere Stunde die wird kommen")
NS-Szene | AIB 9 / 3.1989 | 05.12.1989

Neonazi-Aufmarsch in Wunsiedel

Am 19. August 1989 versammelten sich mehr als 200 Neonazis in der Kleinstadt Wunsiedel im Fichtelgebirge. Sie wollten dem "Märtyrer für Deutschland - Rudolf Heß" zwei Tage nach dessem offiziellen zweiten Todestag gedenken. Gekommen waren Neonazis aus allen Teilen der BRD, aus Belgien, Dänemark und Österreich.

Am 19. August 1989 versammelten sich mehr als 200 Neonazis in der Kleinstadt Wunsiedel im Fichtelgebirge. Sie wollten dem "Märtyrer für Deutschland - Rudolf Heß" zwei Tage nach dessem offiziellen zweiten Todestag gedenken. Gekommen waren Neonazis aus allen Teilen der BRD, aus Belgien, Dänemark und Österreich.

(Bild: Faksimile)
 

Der Neonazi Christian Wendt posierte im August 1987 anläßlich des Todes von Rudolf Heß vor dem Kriegsverbrecher Gefängnis in Spandau vor den Medien.
NS-Szene | AIB 9 / 3.1989 | 09.11.1989

Prozess gegen neun neonazistische „Hertha-Fans'“

Am Mittwoch den 5. Juli 1989 ging vor dem Westberliner Jugendgericht ein zweitägiger Prozeß gegen neun extrem rechte Hertha BSC-Fans zu Ende. Die neun Beteiligten sollen sich in unterschiedlicher Besetzung an verschiedene Schlägereien, Beleidigungen, Sachbeschädigungen, Volksverhetzung und an der Verwendung von Symbolen verbotener Organisationen beteiligt haben.

Am Mittwoch den 5. Juli 1989 ging vor dem Westberliner Jugendgericht ein zweitägiger Prozeß gegen neun extrem rechte Hertha BSC-Fans zu Ende. Die neun Beteiligten sollen sich in unterschiedlicher Besetzung an verschiedene Schlägereien, Beleidigungen, Sachbeschädigungen, Volksverhetzung und an der Verwendung von Symbolen verbotener Organisationen beteiligt haben.
 

Das Logo der „Northern League“. Der amerikanische Zweig der Organisation, welcher von Willis Allison Carto begründet wurde, vertrieb u.a. über die Zeitschrift „The Northlander“ rassistische Literatur.
NS-Szene | AIB 9 / 3.1989 | 08.11.1989

Treffen vom "Nordischen Ring"

Internationales Rassistentreffen bei Lübeck: Nach 1986 (in Schleswig) fand in diesem Jahr vom 9. bis 12. Juni in Kreuzkamp bei Lübeck erneut ein Treffen des „Nordischen Ringes e.V.“ (NR) statt.1

Internationales Rassistentreffen bei Lübeck. Nach 1986 (in Schleswig) fand in diesem Jahr vom 9. bis 12. Juni in Kreuzkamp bei Lübeck erneut ein Treffen des „Nordischen Ringes e.V.“ (NR) statt.

  • 1.

    Nachtrag: Nach Erkenntnissen des Bundesamtes für Verfassungsschutz besteht der NR aus rund 40 Mitgliedern. Vgl. Deutscher Bundestag: Drucksache 13/5434 vom 21.08.1996

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