Die beiden Berliner REP-Funktionäre Klaus Weinschenk (rechts) und Otto Wenzel (links) zusammen mit Werner Deutsch (mitte) von der BDI auf einer REP-Kundgebung.
Braunzone | AIB 6 / 1.1989 | 25.04.1989

"Die Republikaner" zur Wahl in Westberlin

Bisher hatte in Westberlin die alliierte Kommandantur ein kritisches Auge auf das öffentliche Auftreten und die Kandidatur von neonazistischen Parteien zu den Abgeordnetenhauswahlen. Zumindest bei der offen neonazistischen „Nationaldemokratische Partei Deutschlands“ (NPD) halten sie noch fest an ihren Anordnungen, die die Partei mit einem Verbot für jegliche Auftritte in der Öffentlichkeit und ihr damit auch eine Kandidatur bei den Wahlen verbieten. Verbot hin, Verbot her, dies betraf und betrifft eben nur die NPD und wird in der Praxis oft nicht einmal eingehalten. NPD-Versammlungen werden nicht selten von den eingesetzten Beamten geschützt anstatt aufgelöst. Gegen den Landesverband der extrem rechten „Deutschen Volksunion“ (DVU), der am 26. Juni 1988 im ICC gegründet worden ist, wurde von offizieller Seite genauso wenig unternommen wie gegen die (extrem) rechte Partei "Die Republikaner" (REPs), die ihre Landesverbandsgründung am 5. September 1987 durchzogen. Die DVU wird zwar am 29. Januar nicht zu den Wahlen kandidieren, dafür sind aber vier andere (extrem) rechte Parteien zum Stimmenfang angetreten. Neben den REPs finden sich die "Demokratische Allianz" (DA), die "Ökologisch Demokratische Partei" (ÖDP) und im Bezirk Wedding die "Freiheitspartei" (FP) auf den Stimmzetteln wieder. Das ganze rechte Wählerpotential – von Rechtskonservative und Reaktionäre, über Grünbraune bis zu den Alt- und militanten Neonazis - wird damit an die Urne gerufen.

"Die Republikaner" können sich und ihre (extrem) rechten Inhalte also auch in Westberlin zum ersten mal zur Wahl stellen.
 

(Bild: Screenshot: halbzehn.net)
Rassismus | AIB 6 / 1.1989 | 24.04.1989

Rassistischer Brandanschlag in Schwandorf

Zu dem Brandanschlag in der Nacht vom 17. Dezember 1988 auf ein Wohnhaus im oberpfälzischen Schwandorf will die Polizei keine rassistischen Hintergründe vermuten. Bei dem Anschlag kamen vier Menschen ums Leben, man fand sie später in den Trümmern: Osman und Fatma Can, 50 und 44 Jahre alt, deren Sohn Mehmet, 12 Jahre alt, und Jürgen Hübener, 47 Jahre alt. Sechs weitere Personen wurden schwer verletzt. Als Täter wurde der 19jährige Josef Saller festgenommen, der als Motiv für die Tat seinen Haß auf Ausländer angab.1

Zu dem Brandanschlag in der Nacht vom 17. Dezember 1988 auf ein Wohnhaus im oberpfälzischen Schwandorf will die Polizei keine rassistischen Hintergründe vermuten. Bei dem Anschlag kamen vier Menschen ums Leben. Als Täter wurde der 19jährige Josef Saller festgenommen, der als Motiv für die Tat seinen Haß auf Ausländer angab.

(Bild: Screenshot: halbzehn.net)

  • 1. Nachtrag: Die rechte Gesinnung von Josef Saller wirkte sich strafverschärfend auf das Urteil aus. Wegen besonders schwerer Brandstiftung wurde er zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt. In Haft wird Saller von der neonazistischen "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige e.V." (HNG) betreut.
NS-Szene | AIB 6 / 1.1989 | 23.04.1989

Tote im FAP Milieu

Im September 1987 überfielen drei Essener Mitglieder der „Freiheitlichen Deutsche Arbeiterpartei“ (FAP) das örtliche Büro der "Deutschen Kommunistischen Partei" (DKP), dabei wurde ein flüchtender Invalider krankenhausreif geschlagen. Der 20-jährige Frank R. legte bei der Polizei ein vollständiges Geständnis ab. Einen Tag nach Eröffnung der Berufungsverhandlung, wurde er von einem S-Bahn Zug überrollt. In Hannover starben zwei angebliche Verräter aus den Reihen der FAP.

Im September 1987 überfielen drei Essener Mitglieder der „Freiheitlichen Deutsche Arbeiterpartei“ (FAP) das örtliche Büro der DKP. Frank R. legte bei der Polizei ein vollständiges Geständnis ab. Einen Tag nach Eröffnung der Berufungsverhandlung, wurde er von einem S-Bahn Zug überrollt. In Hannover starben zwei angebliche Verräter aus den Reihen der FAP.

Der (frühere) "Nationalrevolutionäre" Sven Thomas Frank bei einer REP-Veranstaltung in Berlin.
Braunzone | AIB 6 / 1.1989 | 22.04.1989

"Nationalrevolutionäre" Publizistik

Mitte Oktober 1988 bekamen das Antifaschistische Infoblatt (AIB) zwei Exemplare der "nationalrevolutionären" Zeitschrift „Aufbruch“ zugeschickt. Die gleiche Zeitschrift landete in den Briefkästen verschiedener fortschrittlicher Organisationen. Der „Aufbruch“ wird von "Nationalrevolutionären" ("Naros") verbreitet.

Mitte Oktober 1988 wurde die "nationalrevolutionäre" Zeitschrift „Aufbruch“ an verschiedene fortschrittlicher Organisationen verschickt. Der „Aufbruch“ als "Beiträge zur nationalrevolutionären Politik" wird von den "Nationalrevolutionären" ("Naros") verbreitet. Mit ihrem nicht leicht zu durchschauenden Programm versuchen sie einen Fuß in linke Bewegungen und Organisationen zu bekommen.
 

(Symbolbild Bamberg. Foto: flickr.com; pilot_micha; CC BY-NC 2.0)
NS-Szene | AIB 6 / 1.1989 | 22.04.1989

Neonazi-Aktivitäten in Bamberg

In der oberfränkischen Stadt Bamberg kommt es seit Januar 1989 zu rassistischem Terror und Aktivitäten neonazistischer Gruppen. Immer öfter tauchen an Hauswände gesprühte Neonazi-Parolen auf.

In der oberfränkischen Stadt Bamberg kommt es seit Januar 1989 zu rassistischem Terror und Aktivitäten neonazistischer Gruppen.

(Foto: flickr.com; pilot_micha; CC BY-NC 2.0)
 

(Symbolbild. Foto: flickr.com; Dave Conner; CC BY 2.0)
Repression | AIB 6 / 1.1989 | 22.04.1989

Hamburg-Bergedorf – Neonaziterror und Repression

Im Hamburger Stadtteil Bergedorf, wo sich seit einigen Jahren der Terror neonazistischer Schlägertrupps enorm verstärkt hat, fand am 12. November 1988 eine antifaschistische Demonstration statt. An dieser Demonstration beteiligten sich 500 bis 600 Menschen - eine sehr hohe Zahl für Bergedorf.

Im Hamburger Stadtteil Bergedorf fand am 12. November 1988 eine antifaschistische Demonstration statt. Im Zuge dieser kam es zu Auseinandersetzungen mit Neonazis und Repression gegen Antifas.

(Symbolbild. Foto: flickr.com; Dave Conner; CC BY 2.0)
 

Der Lehrer Günter Reich macht im Oktober 1999 als Republikaner-Funktionär Wahlkampf in Berlin. (Foto Christian Ditsch)
Braunzone | AIB 6 / 1.1989 | 21.04.1989

Westberlin: Rassistische Stimmungsmacher als REPs in Rathäusern

Einige Personen aus der Führungsriege der ehemaligen „Bürgerinitiative Demokratie und Identität“ (BDI) halten Einzug in die Westberliner Rathäuser. Der rassistische Charakter dieser Bürgerinitiative wurde im Januar 1987 in einer von autonomen AntifaschistInnen erstellten Dokumentation1aufgezeigt. Mit rassistischer Propaganda und hinter einer "demokratischen Fassade" der 1980 gegründeten "BDI" starteten 1986 verschiedene rechte Aktivisten in Westberlin ihren Feldzug gegen AusländerInnen und Flüchtlinge.

Einige Personen aus der Führungsriege der ehemaligen „Bürgerinitiative Demokratie und Identität“ (BDI), halten Einzug in die Westberliner Rathäuser. Mit rassistischer Propaganda 1986 verschiedene rechte Aktivisten in Westberlin ihren Feldzug gegen AusländerInnen und Flüchtlinge.

  • 1. "BDI - Faschisten hinter demokratischer Fassade!"
Der FAP-Funktionär Siegfried Borchardt (vorne) bei einer Neonazi-Demonstration. (Foto: Christian Ditsch)
Repression | AIB 6 / 1.1989 | 21.04.1989

Dortmund - Angriffe auf AntifaschistInnen

Im Anschluß an eine antifaschistische Demonstration anläßlich des 56. Jahestages der Machtübergabe an die NSDAP im Januar 1989 kam es zu Angriffen von Neonazis aus den Kreisen der „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP) auf eine Gruppe abziehender DemonstrantInnen. In der Neonazi-Gruppe soll sich laut Augenzeugen-Berichten auch Siegfried Roland Borchardt (genannt „SS-Siggi“) befunden haben. Borchardt kandidierte 1984 für die FAP bei den Kommunalwahlen und war 1985 ihr Spitzenkandidat zur Landtagswahl. Die Polizei nutzte die Gelegenheit, um die AntifaschistInnen zu krimalisieren.

Im Anschluß an eine antifaschistische Demonstration kam es zu Angriffen von Neonazis aus den Kreisen der „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP) auf eine Gruppe abziehender DemonstrantInnen. Die Polizei nutzte die Gelegenheit, um die AntifaschistInnen zu krimalisieren.
 

Auch der FAP-Funktionär Siegfried Borchardt wollte zur DVU Veranstaltung. Hier links im Bild bei einer Neonazi-Demonstration.
Antifa | AIB 6 / 1.1989 | 19.04.1989

Schwelm: Blockade gegen die DVU

Rund 4000 AntifaschistInnen verhinderten am 22. Januar 1989 eine Versammlung der neonazistischen „Deutschen Volksunion" (DVU) in  Schwelm (Nordrhein Westfalen). Aufgerufen hatte ein breites Bündnis von Gewerkschaften bis zu den autonomen AntifaschistInnen.

Rund 4000 AntifaschistInnen verhinderten am 22. Januar 1989 eine Versammlung der neonazistischen „Deutschen Volksunion" (DVU) in  Schwelm (Nordrhein Westfalen).

NS-Szene | AIB 6 / 1.1989 | 19.04.1989

Rechte Fanzines international

Eine internationale Vernetzung der Neonazi-Skinhead-Szene findet auch über sog. Fanzines statt.

Eine internationale Vernetzung der Neonazi-Skinhead-Szene findet auch über sog. Fanzines statt.
 

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