Rezensionen | AIB 98 / 1.2013 | 24.05.2013

Terror von rechts

Patrick Gensing

Anhand des Buchcovers könnte man meinen, dass »Terror von rechts« einfach nur eines der zahlreichen NSU-Bücher ist, die derzeit reihenweise in den Ladenregalen stehen. Doch das Porträtfoto von Rechtsterroristin Beate Zschäpe täuscht. Patrick Gensing gelingt auf knapp 230 Seiten das, was vielen NSU-Büchern fehlt: er beschreibt nicht zum zehnten Mal, wann Zschäpe welche Katze zum Tierarzt gebracht hat, sondern nimmt die brutale Mordserie des NSU zum Anlass, Rassismus und Neonazismus als gesamtgesellschaftliches Problem zu beleuchten.

Rezensionen | AIB 98 / 1.2013 | 24.05.2013

Schulverweis für Andi!

Arbeitskreis Extremismusbegriff

Seit 2005 werden vom Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen die sogenannten »Andi-Comics« aus der Reihe »CoDex – Comic für Demokratie und gegen Extremismus« herausgegeben. Im Mittelpunkt der drei unterschiedlichen Ausgaben stehen die Schwerpunkte »Rechtsextremismus«, »Islamismus« und »Linksextremismus«.

Rezensionen | AIB 98 / 1.2013 | 24.05.2013

Blut muss fließen

Thomas Kuban

»Blut muss fließen, knüppelhageldick, und wir scheißen auf die Freiheit dieser Judenrepublik«, gröhlt es aus den Kehlen der Neonazis. Szenen, die der Autor Thomas Kuban bei seiner knapp 15-jährigen Recherche in der neonazistischen Rechtsrockszene nur allzu oft erlebt hat. Rund 90 Undercover-Drehs mit versteckter Kamera, davon rund 50 Konzerte, liegen dieser zugrunde. Neben den ausführlichen Schilderungen seiner Konzertbesuche liefert Kuban auch einen umfassenden Einblick in die Vertriebsstrukturen von Labels, die extrem rechte Bands vertreiben.

Gesellschaft | AIB 98 / 1.2013 | 22.05.2013

Faschismus, eine »charismatische Herrschaft«?

Der zehnte Teil der Reihe »Faschismustheorien. Erklärungen des NS« widmet sich der Deutung des Nationalsozialismus als »charismatische Herrschaft«. Damit ist zwar keine eigene Faschismustheorie zu begründen, Charisma wird aber in den
gängigen Faschismusdefinitionen als ein Bestandteil – neben Rassismus, Militarismus etc. – aufgeführt.

Fabian Kunow

Der zehnte Teil der Reihe »Faschismustheorien. Erklärungen des NS« widmet sich der Deutung des Nationalsozialismus als »charismatische Herrschaft«. 

(Foto: flickr.com; Donatello Trisolino/CC BY-ND 2.0)
Rassismus | AIB 98 / 1.2013 | 19.05.2013

Verleugnende Verdrängung

Rassismus in der DDR und die Folgen bis heute

In meiner Veröffentlichung habe ich nahezu tausend rassistische (und antisemitische) Beispiele aufgeführt, die sich von Gräberschändungen jüdischer Friedhöfe, über die Ermordung des Mosambikaners Carlos Conceicao (18 Jahre) durch einen rassistischen Mob im September 1987 in Staßfurt (heute Sachsen-Anhalt) bis hin zur Ermordung eines Arbeiters (58 Jahre) im Juni 1990 in Erfurt erstrecken1. Der latente und manifeste Rassismus in der ostdeutschen Bevölkerung wurde während der Herrschaft der SED nahezu vollständig vor der Öffentlichkeit verheimlicht. Obligatorisch wurden rassistische Vorkommnisse in internen Schreiben der SED, der FDJ oder dem Ministerium der Staatssicherheit, als »Streng Geheim«, »Vertrauliche Verschlußsache« oder »Geheime Vertrauliche Verschlußsache« deklariert und liefern so einen beredten Eindruck von der Funktionsweise politischer Zensur und Manipulation. 

Harry Waibel

Rassismus in der DDR und die Folgen bis heute.

(Foto: flickr.com; Donatello Trisolino/CC BY-ND 2.0)

  • 1. Rassisten in Deutschland, Frankfurt/M. 2012. Im III. Kapitel (S. 71–153) und im Anhang in der »Chronologie rassistischer Ereignisse in der DDR« (S. 261–402) wird auf Beispiele näher eingegangen.
NS-Szene | AIB 98 / 1.2013 | 13.05.2013

»Die Rechte« in NRW

Sammelbecken ehemaliger »Freier Kameradschaften«

Ende August 2012 verbot das Ministerium für Inneres und Kommunales in Nordrhein-Westfalen (NRW) drei der aktivsten Neonazi-Kameradschaften: den »Nationalen Widerstand Dortmund« (NWDO) um Dennis Giemsch, die »Kameradschaft Hamm« (KSH) um Sascha Krolzig und die »Kameradschaft Aachener Land« (KAL) um René Laube. Auf Betreiben der Dortmunder und Hammer Neonazis wurde daraufhin eine Reorganisierung in der Pfingsten 2012 – also bereits vor den Verboten – gegründeten (Möchtegern-)Partei »Die Rechte« (DR) um Christian Worch in Angriff genommen. 

Ende August 2012 verbot das Ministerium für Inneres und Kommunales in Nordrhein-Westfalen (NRW) drei der aktivsten Neonazi-Kameradschaften: den »Nationalen Widerstand Dortmund« (NWDO) um Dennis Giemsch, die »Kameradschaft Hamm« (KSH) um Sascha Krolzig und die »Kameradschaft Aachener Land« (KAL) um René Laube.

Die Angeklagten v.l.n.r.: Felix Budin, Wilhelm Christian Anderle, Gottfried Küssel | Foto: Martin Juen
NS-Szene | AIB 98 / 1.2013 | 05.05.2013

Neonazis, Makerspaces, Nerds

Im Januar 2013 wurden die österreichischen Neonazis Gottfried Küssel, Felix Budin und Wilhelm Christian Anderle zu mehrjährigen Haftstrafen wegen neonazistischer »Wiederbetätigung« verurteilt.1 Sie waren angeklagt, die neonazistische Website alpen-donau.info (ADI) und ein daran angeschlossenes Forum (alinfodo.com) betrieben zu haben. Im Laufe des Prozesses fiel ein Name immer wieder: Robert Marquardt

Emil Meyer

Im Januar 2013 wurden die österreichischen Neonazis Gottfried Küssel, Felix Budin und Wilhelm Christian Anderle zu mehrjährigen Haftstrafen wegen neonazistischer »Wiederbetätigung« verurteilt.

(Foto: Martin Juen)

Teilnehmer eines neonazistischen »Balladenabends« im Objekt 21. Links: Jens Brucherseifer von der Band »Sturmwehr« und rechts: Jürgen Windhofer
International | AIB 98 / 1.2013 | 29.04.2013

Objekt 21

Neonazistische trifft organisierte Kriminalität

Anfang 2013 konnte eine eigens gegründete Sonderkommission der Kriminalpolizei in Oberösterreich (OÖ) ein kriminelles Netzwerk zerschlagen, auf dessen Konto Brandanschläge, Drogenhandel, Schutzgelderpressung und schwere Misshandlungen gingen. Eine politische Dimension bekam der Fall durch die Tatsache, dass von den elf Ende Januar in Untersuchungshaft genommenen Verdächtigen gleich sechs der Neonaziszene zugerechnet werden. Konkret handelt es sich um die Führungsriege der Anfang 2011 behördlich aufgelösten Neonazigruppe Objekt 21, die es auf rund 200 Mitglieder und SympathisantInnen brachte.

Heribert Schiedel

Anfang 2013 konnte eine eigens gegründete Sonderkommission der Kriminalpolizei in Oberösterreich (OÖ) ein kriminelles Netzwerk zerschlagen, auf dessen Konto Brandanschläge, Drogenhandel, Schutzgelderpressung und schwere Misshandlungen gingen.

Fania Brancovskaja ist eine der letzten noch lebenden Zeug_innen der Shoah in Litauen. | Foto: C. Carlsen
Geschichte | AIB 98 / 1.2013 | 21.04.2013

Umkämpfte Erinnerung

Massenmord, Kollaboration und jüdischer Widerstand im deutsch besetzten Litauen

In Litauen lebten im Juni 1941 etwa 230.000 Jüd_innen, über 90 Prozent von ihnen sollten unter deutscher Besatzung ermordet werden. Keine jüdische Gemeinde wurde derart zerstört. Dieser zynische Erfolg verdankt sich der Kollaboration litauischer Antisemit_innen – ein Kapitel, das in Litauen kaum aufgearbeitet wurde. Rechte und Konservative schwadronieren vom »Roten Holocaust« und diffamieren ehemalige jüdische Partisan_innen. Ein Berliner Filmprojekt porträtiert die Wilnaer Jüdin Fania Brancovskaja in ihrem Kampf um historische Gerechtigkeit.

Christian Carlsen

Massenmord, Kollaboration und jüdischer Widerstand im deutsch besetzten Litauen.

(Bild: Christian Jäger)
Repression | AIB 98 / 1.2013 | 14.04.2013

Stellvertreter-Prozess

Beobachtungen aus Dresden

»Die Auseinandersetzungen in Zusammenhang mit den Ereignissen des 19.02.2011 haben für erhebliche Unruhe in der Bevölkerung gesorgt und der Stadt Dresden bzw. dem Freistaat Sachsen politischen und wirtschaftlichen Schaden zugefügt«, so das Dresdener Amtsgericht in seiner schriftlichen Urteilsbegründung gegen Tim H. Entsprechend hätte er erwartet, dass sich der Angeklagte »bei der Dresdner Bevölkerung« entschuldigen würde, machte der Amtsrichter schon in der mündlichen Begründung seinen Standpunkt klar.

»Die Auseinandersetzungen in Zusammenhang mit den Ereignissen des 19.02.2011 haben für erhebliche Unruhe in der Bevölkerung gesorgt und der Stadt Dresden bzw. dem Freistaat Sachsen politischen und wirtschaftlichen Schaden zugefügt«, so das Dresdener Amtsgericht in seiner schriftlichen Urteilsbegründung gegen Tim H.

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