Rezensionen | AIB 81 / 4.2008 | 09.12.2008

Zeitschriftenschau: Sozialische Zeitung / Sozialistische Hefte

Wegzehrung für die Krise

Marxistisches Denken ist gefragt wie seit der Wende 1989/90 nicht mehr. Die Verkaufszahlen für Marx´ Hauptwerk »Das Kapital« bescheren dem Berliner Dietz Verlag Arbeit und Nachfrage, heisst es in den Medien.

Ob auch linke Printmedien von dem in der ökonomischen Krise gestiegenen Bedürfnis nach Orientierung oder Selbstvergewisserung profitieren, ist noch nicht absehbar. Bisher blieb die Auflage von Zeitschriften, die sich nichts weniger als den Sozialismus auf die Fahnen geschrieben haben, eher gering, was jedoch nichts über ihre inhaltliche Reichweite und Verbreitung sagt.

So geht es auch der Monatszeitung »SOZ – Sozialistische Zeitung« aus Köln. Gestartet war das Blatt als trotzkistisch verankertes Verbandsorgan der kleinen westdeutschen Partei VSP und erschien vierzehntägig. Inzwischen ist aus der VSP ein Verein namens »Verein für solidarische Perspektiven« geworden, der die SOZ nun monatlich herausgibt. Schon unter dem ehemaligen Chefredakteur Christoph Jünke hatte sich das Blatt von einem trotzkistisch-traditionalistischem Verbandsorgan zur Stimme innerhalb der marxistischen Ökumene entwickelt. Geblieben ist die inhaltliche Orientierung an konkreten lokalen und weltweiten gewerkschaftlichen und betrieblichen Kämpfen und Kampagnen.

Bezugspunkt der Berichterstattung ist der linkssozialistische Flügel der ArbeiterInnenbewegung. Breiten Raum nahm in den vergangenen Jahren die Diskussion über die Bewegung der Sozialforen und ihre lokale Verankerung ein. Ausführlich und kritisch begleitete die SOZ die Parteibildungsprozesse zunächst der WASG, später der Linkspartei. Die Proteste gegen Hartz IV, deren Schwerpunkt in Ostdeutschland lag, wurden von der Redaktion fast euphorisch gefeiert, und nicht wenige politische Illusionen genährt, was auf eine mangelnde Kenntnis der ostdeutschen Zustände schließen ließ.

Wie leider bei vielen linken Zeitschriften ist das Blatt im Kulturteil eher schwach aufgestellt. Dieser wird ohne erkennbare Linie mit Rezensionen, Essays und Musikkritiken bestückt, die für sich genommen jedoch oft Qualität haben.

Lesenswert hingegen sind jene Artikel, die sich historischen Aspekten der Arbeiterbewegung und ihrer Repräsentanten widmen, da es den SOZ-Autor/innen gelingt auch solche Vorgänge und Personen zu beleuchten, die im linken Gedächtnis eher ein Schattendasein führen.

Hoch zu loben ist die mehrmals im Jahr erscheinende Magazinbeilage Sozialistische Hefte. Hier werden zentrale Themen aus pluralistisch linker Sicht vertieft und es wird im besten Sinne Wissenstransfer geleistet. Theoretische Überblicksaufsätze wechseln mit aktuellen Einschätzungen und dem Wiederabdruck historischer Texte, die, in neuem Licht gelesen, Einsichten in die Traditionsgeschichte linker Theoriebildung bieten. Im Unterschied zum eingestellten ak-Supplement Fantomas verliert sich das SOZ Magazin auch nicht in selbstreflexiven Betrachtungen. Es bietet Rüstzeug sowohl für den Alltag als auch für die Aneignung von politischen Erfahrungen.

SOZ – Sozialische Zeitung / Sozialistische Hefte
SoZ-Verlags-GmbH
Regentenstraße 57–59
51063 Köln