Besucher des Treffens der Landsmannschaft Schlesien 2007 in Hannover. (Bild: attenzione-photo.com)
Braunzone | AIB 64 / 3.2004 | 12.09.2004

Vertriebenenhetze durch Görlitzer Stadtrat

Als zum 1. Mai dieses Jahres im deutsch-polnischen Grenzgebiet Plakate mit der Überschrift: »Polen und Tschechen herzlich willkommen in der EU! Unsere Justiz arbeitet bereits fleißig, denn Mord verjährt nicht« auftauchten, war die Aufregung groß – auf polnischer Seite. Auf der deutschen hielt sich die Empörung in Grenzen. 

Während in Polen die Staatsanwaltschaft Ermittlungen einleitete, beschränkte man sich in Görlitz darauf, die Plakate durch die Polizei entfernen zu lassen. Auf den Plakaten sind neben Fotos von verstümmelten Leichen auch vermeintliche Zahlenangaben über Millionen ermordeter Deutscher nach dem 8. Mai 1945 in den ehemaligen deutschen Ostgebieten enthalten. Die abschließende Forderung nach der Rückgabe der »völkerrechtswidrig enteigneten Häuser und Grundstücke« lässt an dem geschichtsrevisionistischen Charakter des Plakates keinen Zweifel.

Eine Gruppe ostsächsischer Rechtsextremer und »Berufsvertriebener« um den ehemaligen Vorsitzenden der Schlesischen Jugend e.V., Jürgen Hösl-Daum, hatte anlässlich der EU-Osterweiterung ihre Hetze vertrieben. Die SJ ist die Jugendorganisation der Landsmannschaft Schlesien. Ende Juli wurden Hösl-Daum und zwei weitere Ostsachsen in der Nähe vom polnischen Boleslawice festgenommen. Im Gepäck wiederum besagte Plakate, welche zuvor geklebt worden waren. In Polen äusserten sich Medien und Öffentlichkeit empört und verängstigt über diese zunehmend aggressiver gewordenen Versuche, vermeintliche deutsche Ansprüche geltend zu machen. Hösl-Daum, der mittlerweile zum Stadtrat der Deutschen Sozialen Union in Görlitz gewählt wurde, leugnete erst seine Tatbeteiligung, um sie dann später doch zuzugeben. Ein Radiosender recherchierte von ihm verfasste »Rundschreiben«, welche mit seinem Namen gekennzeichnet waren.

Während man sich in Görlitz wahlweise ahnungslos oder erstaunt gibt, ist Hösl-Daum für Antifas kein Unbekannter. Erst im letzten Jahr führte er in Polen eine »Holzkreuzaktion« durch, und brachte entlang polnischer Straßen Kreuze an, die für den »Mord an deutschen Zivilisten« stehen sollten. Und als ehemaliger ehrenamtlicher Archivar des 1. FC Nürnberg sagte er zu einem Studenten, der über den 1. FC im »Dritten Reich« recherchierte: »Die Reichskristallnacht ist eine Erfindung Martin Luthers«. Ähnlich äusserte er sich auch im Juli diesen Jahres. Die DSU unterstützt ihn in der »Sache«, aber nicht in der »Methode«. Eine typische Reaktion für Görlitz. Man will die revanchistischen Heimat-, Berufs-, und Bekenntnisvertriebenen um jeden Preis als Touristen halten.