(Bild: Screenshot HNNUSA)
International | AIB 129 / 4.2020 | 14.03.2021

USA: Neonazi als „Umbrella Man“?

Als „Umbrella Man“ ist in den USA ein Mann bekannt, der nach dem Attentat auf Kennedy 1963 als Zeuge gesucht wurde. Seit 2020 hat die USA einen neuen "Umbrella-Man".

Nach dem Tod von George Floyd durch Polizeigewalt kam es in den gesamten USA zu Demonstrationen und Protesten – fast alle hiervon friedlich.

In Minneapolis (Minnesota) tauchte am 27. Mai 2020 am Rand einer solchen Demonstration ein Mann auf. Er trug schwarze Kleidung, Gasmaske und einen großen aufgespannten Regenschirm und begann systematisch mit einem Hammer die Scheiben eines Autohauses einzuschlagen. Demonstranten redeten auf ihn ein und baten ihn aufzuhören.

Die Polizei in Minneapolis konstatierte später, dass erst durch diesen Mann ein bis dahin friedlicher Protest in gewalttätige Auseinandersetzungen kippte. Diese vermutete den Täter nicht im Umfeld der BLM-Bewegung, sondern eher im Lager der „White Supremacisten“. 

Als am 27. Juni 2020 eine Gruppe der rassistischen Biker- und Gefängnisgang „Aryan Cowboys“ eine Muslima und ihre 4-jährige Tochter in Stillwater im Osten von Minneapolis bedrängten, machte diese Fotos von den Angreifern. Auf Ihnen zu sehen: Der 1988 geborene Mitchell Wesley Carlson. Dieser war der Polizei kein Unbekannter: Er war bereits wegen häuslicher Gewalt und Körperverletzung vorbestraft. Die Polizei verglich die Fotos mit dem „Umbrella Man“ und erkannte ihn wieder.

Minneapolis war kein Einzelfall. Auch in Richmond, Virginia, nahm die Polizei im Juli 2020 sechs „White Supremacists“ fest, die aus BLM-Protesten heraus Geschäfte und die Polizei angriffen. Auch  aus Kalifornien und Boston wurden solche Aktivitäten gemeldet. Offensichtlich gab es unter den „White Supremacisten“ über den Messenger-Dienst "Telegram" gezielte Absprachen sich unter die Protestierenden zu mischen und den Protest durch ungezielte Gewalttaten zu delegitmieren.