Antifa | AIB 62 / 1.2004 | 10.03.2004

Stand up, speak out, turn it down!

Unter dem Namen »Turn it down« startete das MitarbeiterInnen des Berliner Antifaschis­tischen Pressearchiv und Bildungs­zentrum (apabiz) zusammen mit Kulturschaffenden eine Internetplattform, die sich gegen Rechtsrock und für Musik und Kultur einsetzt. Die Initiatoren setzen auf Vernetzung, Information und Kontinuität im Kampf gegen extrem rechte Einflüsse in den Musikszenen.

Das Thema Rechtsrock ist für die MitarbeiterInnen des apabiz nichts neues. Seit vielen Jahren arbeitet das Projekt schwerpunktmäßig zu rechter Musik und rechten Jugendkulturen. Dabei beobachten sie seit langem den wachsenden Einfluss der extremen Rechten in die verschiedenen Musik­szenen. Vor allem in den Oi-Punk- und Hardcoreszenen, aber auch im Gothic- oder Metalbereich sind diese Ein­flüsse zu finden. Die Erfahrungen damit, wie das Thema in den Szenen behandelt oder ignoriert wird und die kontroversen Auseinandersetzungen mit Akteuren aus dem Musikbereich, waren Anlass für das Turn it down-Projekt. 

Die Seite bietet eine Menge an Material und Handlungsmöglich­keiten für eine offene und kontroverse Auseinandersetzung zu dem Thema. Neben Informationen zu neonazistischen Bands, Labels, Symbolen und Codes weist ein Veranstaltungs­kalender auf kommende Aktionen, Konzerte oder Demos hin. In regelmäßigen Abständen werden Profile über Bands erscheinen, die einen ganz klaren neonazistischen Back­ground haben, aber auch die »unpolitische« Oi-Szene wird genauer unter die Lupe genommen werden.  In zahlreichen Interviews mit Betreibern von Plattenläden und Jugendzentren, Kon­zert­veranstaltern, Bands und Kampagnen werden unter dem Menüpunkt »Kontrovers« Handlungs­weisen im Umgang mit rechten Tendenzen aufgezeigt.

Turn it down will diejenigen vernetzen, die bereits aktiv sind. Viele Leute aus den diversen Szenen wissen oft sehr gut, was vor Ort auch hinter den Kulissen passiert. Ihre Kritik an Konzertveranstaltern, die sich mit rechten Bands arrangieren, oder an Versänden, die auf unpolitisch machen, ist oft schärfer, als manche vermuten. Hier ist ein Austausch notwendig und förderlich. Es gibt eine Menge an erfolgreichen Aktionen, Kampagnen und Initiativen. Oft werden diese jedoch nicht über ihren lokalen Rahmen oder über ihre Szene hinaus bekannt. Der Austausch über gute oder schlechte Erfahrungen, erfolgreiche oder gescheiterte Aktio­nen soll über Turn it down gefördert werden. Etliche Labels, Plattenläden, Versände, Bands, Manager oder Produzenten haben klar gemacht, dass »Gegen Rechts« für sie mehr ist als eine abgezockte Imagefrage. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass ein gemeinsames Interesse da ist, die Leute aber zu selten zusammen finden.

Dabei beschränkt sich Turn it down nicht auf den virtuellen Raum. Erste Veranstaltungen im Realen haben bereits stattgefunden, weitere sind in Planung. Turn it down will die Vernetzung all derer voran bringen, die ganz einfach keinen Bock auf Nazis in ihrer Szene haben, sondern mit Spaß und ohne Ausgrenzung nette Konzerte, Partys, Feste oder was auch immer organisieren und erleben wollen. Und das sind nicht nur antifaschistisch engagierte Jugendliche, sondern viel mehr.

Stand up, speak out:
www.turnitdown.de