Am 22. September 2012 singen Neonazis am Rande einer antifaschistischen Demonstration in Hoyerswerda das antisemitische »U-Bahn-Lied«. Die Polizei greift nicht ein.
NS-Szene | AIB 96 / 3.2012 | 14.10.2012

Sommer in Sachsen

Zwickau, Sachsen, Ende 2011: Nach der Entdeckung des NSU hieß es schnell, dass es sich um eine nicht lokal verankerte, isolierte Zelle handle und Zwickau keine nennenswerte Neonaziszene habe.

Zwickau, Sachsen, 25. August 2012: Etwa zehn Männer greifen vor einem Tanzlokal zwei Migranten an. Sie rufen rassistische Parolen und schlagen auf die Betroffenen ein. Beide werden schwer verletzt, einer liegt mehrere Tage auf der Intensivstation. Bereits in der Nacht zum 17. August hatten in Zwickau zwei Neonazis einen jungen Mann attackiert und ihn als »Zecke« beschimpft. Als am 30. August eine antifaschistische »Provinz-Tour« in Hoyerswerda Halt machte, bedrohten Neonazis den Info­stand und beschimpften die Aktivist_innen als »Scheiß Zeckenpack«. Auch vor der am Abend geplanten Veranstaltung sammelten sich 20 Neonazis, riefen Parolen und zeigten ein Transparent und die Reichskriegsflagge. Die vorzeitige Abreise quittierten sie mit Applaus und »Verpisst euch – Hoyerswerda bleibt Braun«-Rufen. Einen knappen Monat später kam es am Rande einer antifaschistischen Demonstration zu rassistischen Pöbeleien durch eine Gruppe von 30 Neonazis, aber auch aus den umliegenden Häusern. Am selben Abend versuchten etwa 20 Neonazis eine Veranstaltung anzugreifen. In den Sommermonaten wurden mehrere Dutzend rechte Sachbeschädigungen, Sprühereien, zerstörte Scheiben, Angriffe mit Chemikalien, u.ä., in Hoyerswerda gezählt.

Bereits am 31. Juli hatten zwei Männer in Bischofswerda die Mitarbeiter eines Dönerlokals angegriffen, rassistische Parolen gerufen und einen der Mitarbeiter mit einem Messer verletzt. In Schmiedeberg attackierten junge Männer die Unterkunft für Asylsuchende gleich zwei Abende in Folge, am 29. und 30. Juli. Unter »Ausländer Raus!«-Rufen fuhren sie in Autos auf das Gelände und versuchten, Bewohner_innen anzufahren. Auf die Asylbewerberunterkunft in Langburkersdorf/ Neustadt kam es in der Nacht zum 10. Juli zu einem Brandanschlag. Eine weitere Brandstiftung gab es am 7. August in Schwarzenberg. Die Täter versuchten mit einer Gummifußmatte einen Imbiss in Brand zu setzen und hinterließen rassistische Parolen an der Wand. Es lassen sich sicherlich noch viele weitere Vorfälle in die Auflistung einreihen, die öffentliche Resonanz blieb jedoch gering. Ein normaler Sommer in Sachsen, Deutschland...