Marsch gegen Gewalt in Bogota in Kolumbien. (Bild: flickr.com/jejeje; Jenny Fonseca/CC BY-NC-ND 2.0)
International | AIB 59 / 1.2003 | 10.04.2003

Paramilitärs in Kolumbien

In den Morgenstunden des 17. Januar 2001 überfielen etwa 100 schwer bewaffnete Paramilitärs das Dorf Chengue und trieben die Bewohner zusammen. Sie bezichtigten sie, Unterstützer der Guerilla zu sein und begannen sie zu ermorden. Mit Macheten zerhackten sie 25 Einwohner des Dorfes, der Großteil über 60 Jahre alt, und entführten weitere zehn, darunter sechs Kinder. Die Entführten wurden außerhalb des Dorfes gefoltert und anschließend trennten die Paramilitärs ihnen mit Macheten die Gliedmaßen ab. Allein im Monat Januar dieses Jahres ermordeten Paramilitärs in Kolumbien nach Angaben der Vereinten Nationen insgesamt 170 Personen in 26 Massakern. Die inoffizielle Zahl dürfte weit höher liegen.

Die Paramilitärs sind landesweit als AUC (Vereinigte Selbstverteidigungskräfte Kolumbiens) organisiert und umfassen mittlerweile 11.000 Bewaffnete. Sie kämpfen für ein »sauberes Kolumbien« ohne Guerilla und Kommunisten und gehen dabei äußerst brutal vor. Die Paramilitärs sind ein wichtiges Instrument bei der Durchsetzung der Interessen von Oligarchie, Militär, Regierung, Drogenhändlern und großen Konzernen. Sie könnten ohne deren Deckung nicht existieren und überschneiden sich personell und auch bezüglich der Interessen.

Direkte Auseinandersetzungen mit der Guerilla scheuen sie meist, ihre Angriffe konzentrieren sich auf unbewaffnete Zivilisten. Zu ihren Opfern zählen Bauern, Gewerkschafter, MenschenrechtsaktivistInnen und Mitglieder linker Parteien und Organisationen. Doch auf diese bleiben ihre Aktionen der »sozialen Säuberungen« nicht beschränkt, vielmehr trifft es alle, die sie als »lebensunwert« bezeichnen: arbeitslose Jugendliche, Bettler, Straßenkinder, Homosexuelle, Prostituierte usw. Letztendlich kann es jeden treffen, der nicht in ihr reaktionäres Weltbild passt oder sich offen auf ihre Seite stellt.

Allein zwischen 1988 und 1995 sind in Kolumbien 6177 Menschen aus politischen und weitere 10.566 aus wahrscheinlich politischen Motiven ermordet worden. 2.459 Menschen wurden das Opfer »sozialer Säuberungen«, wie sie Polizei und Paramilitärs durchführen, 1.451 Personen verschwanden. Über zwei Millionen Binnenflüchtlinge zeugen vom Terror gegen die Zivilbevölkerung. Die Medien lasten die Menschenrechtsverletzungen »Extremisten von links und rechts« an, obwohl alle Untersuchungen ergaben, dass der überwiegende Teil der Morde auf das Konto staatlicher Kräfte und der von ihnen gedeckten Paramilitärs geht.

Die keineswegs linke Juristenvereinigung Comision Andia de Juristas stellte für 1992 fest, dass 50 Prozent der politischen Morde von Armee und Polizei und 33,5 Prozent von paramilitärischen Gruppen verübt wurden. Heute jedoch gehen die meisten Todesopfer auf das Konto von Paramilitärs. So kann sich die Regierung in Unschuld waschen und als Opfer »linker und rechter Extremisten« darstellen. Die kolumbianischen Paramilitärs werden durch ein breites internationales Netz aus Militärberatern, Söldnern, US-Army und Neofaschisten getragen. Dies lässt sich z.B. am ehemaligen Generalkommandeur der kolumbianischen Armee Harold Bedoya Pizarro verdeutlichen.

Bedoya soll der Gründer der »Antikommunistischen Amerika-nischen Allianz« (AAA) sein, einer der frühen kolumbianischen Todesschwadrone. Bedoya, ex-Militärattaché der kolumbianischen Botschaft in den USA, Absolvent der US-amerikanischen Militärschule »School of Americas« und später dort Ausbilder, war während seiner gesamten Laufbahn in paramilitärische Aktivitäten und schwere Menschenrechtsverletzungen verwickelt. Heute ist er Anführer der neofaschistischen Partei »Movimiento Fuerza Colombia«, das bei den Präsidentschaftswahlen 1998 1,9 Prozent der Stimmen erhielt. Bedoya trat auch im US-Wahlkampf als Unterstützer des Ulta-Rechten Lyndon LaRouche auf und verfasste ein Solidaritätsschreiben voll von platten antisemitischen Stereotypen.