Rezensionen | AIB 96 / 3.2012 | 30.10.2012

Neue Nazis. Jenseits der NPD

Toralf Staud, Johannes Radke

Zurecht werden nicht wenige angesichts des Titels und Ankündigungstextes fragen, was an dem mittlerweile zehn Jahre alten Phänomen der »Autonomen Nationalisten« (AN) noch neu sein soll. Doch  beides verspricht weniger, als das Buch bietet: Zum einen wird sich nicht lediglich auf die AN  beschränkt, sondern ein relativ umfassender Überblick zum aktuellen Neonazismus und Rechtsterrorismus von den achtziger und neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts bis heute geliefert. Zum anderen bedienen sich noch immer viele Medien als Standartbild bei Artikeln zu Neonazis am Klischee des martialischen Skinheads mit Springerstiefeln. Insofern scheint das »neue« Phänomen offenbar immernoch nicht bei allen angekommen zu sein.

Das Buch geht aber noch weiter und befasst sich mit den rechtspopulistischen und islamfeindlichen Gruppierungen um »Pro Deutschland«, und wie sie trotz bescheidener Wahlerfolge versuchen, Diskurse rassistisch aufzuladen. Zudem berichtet »Neue Nazis« über die derzeitige Situation der NPD und rundet das Taschenbuch mit einem Aussteiger-Interview sowie einem kleinen »Was tun gegen Nazis«-Ratgeberteil ab.

Durch die unkomplizierte Art, der Stil des Buches ist locker und reportagig gehalten, bietet es sich insofern gerade für diejenigen an, die einen kompakten Einstieg in die aktuellen und jüngeren Entwicklungen in der bundesdeutschen rechten Szene suchen. Langjährigen Szenekenner_innen wird es hingegen nicht viel neues bieten, aber offensichtlich sind diese auch nicht Zielgruppe des Werks.

Toralf Staud, Johannes Radke:
Neue Nazis. Jenseits der NPD:
Populisten, Autonome Nationalisten und der Terror von rechts
Verlag Kiepenheuer und Witsch, Köln 2012