Rezensionen | AIB 111 / 2.2016 | 14.10.2016

Nazis im Wolfspelz

Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen (Hrsg.)

Wer Geschichte deutet, liefert auch eine glaubhafte Erzählung, wie es zu unserer heutigen Gesellschaft gekommen ist. Dass Rechte mit bemerkenswerter Zähigkeit um historische Deutungen kämpfen, zeigt, wie sehr sie in ihrem politischen Selbstbild von ihnen abhängig sind.“

Ausgehend von dieser These widmet sich das Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen in der vorliegenden Broschüre der sinn- und identitätsstiftenden Bezugnahme von (Neo-)Nazis auf Germanendarstellungen. Den Heraus­geber_innen ist es gelungen, einen fachlich fundierten und gleichzeitig sehr anschaulichen sowie pointierten Einblick zu liefern. Geht es bei der Darstellung immer auch um Bildsprache ist hier eine umfangreiche Bebilderung, die u.a. in Form einer aufklärenden Symbolkunde auftaucht sowie auf die eingängig geschriebenen Textstellen Bezug nimmt, sehr lobend hervorzuheben.

Am Beispiel des Wikingertages im polnischen Wolin wird exemplarisch aufgezeigt, wie weit völkisches und neonazistisches Gedankengut sowie dessen Darstellung sogenannte Living-History-Veranstaltungen und Reenactment-Gruppen dominieren kann. Einblicke in das Pagan-Metal-Genre sowie ein umfangreicherer Text zur Germanendarstellung im Nationalsozialismus runden die sehr lesenswerte Broschüre ab. Nicht nur Geschichtsinteressierten sei die Lektüre empfohlen.

Archäologisches Freilichtmuseum
Oerlinghausen (Hrsg.)
Nazis im Wolfspelz
Germanen und der rechte Rand
ISBN: 978-3-943643-03-9
53 Seiten

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