Das "Blitz" in Oslo war Ziel eines Bomben Anschlages. (Foto: flickr.com; Konstantin Malanchev; CC BY 2.0)
International | AIB 22 / 2.1993 | 26.07.1993

Nachrichten aus Norwegen (1993)

Nachrichten aus Norwegen zu Neonazis, Rassismus und den Widerstand dagegen.

Bomben-Anschlag

Am Silvesterabend wurde an die Außenwand des autonomen Jugendzentrums Blitz in Oslo eine Zeitbombe mit Dynamit gelegt. Die Bombe explodierte um 3 Uhr morgens. Obwohl sie professionell gebaut war, verursachte sie glücklicherweise keinen ernsthaften Schaden, da sie falsch herum plaziert wurde. Das Jugendzentrum Blitz ist bekannt für seine Aktionen und Demonstrationen gegen jegliches Auftreten von Neonazis. Die Täter sind bisher unbekannt, kommen aber vermutlich aus der kleinen Neonaziszene Norwegens.

Protest gegen Massenabschiebung

Am 30. Januar 1993 beteiligten sich in Bergen, Kristiansand, Trondheim und Oslo 5000 Menschen an Demonstrationen, organisiert von AMOR (Aktion gegen Organisierten Rassismus) und SOS Rassismus. Die Demos standen unter dem Motto: »Kampf dem Rassismus, zuhause und am Arbeitsplatz; Die norwegische Flüchtlingspolitik ist eine Schande - laßt sie kommen, laßt sie bleiben« und wurden unterstützt von über 80 Organisationen, Schulen, Politischen Parteien, Gewerkschaften und der Norwegischen Kirche. Die Norwegische Regierung hat, trotz anhaltender Menschenrechtsverletzungen in der von Serben kontrollierten Kosovo-Provinz, die Deportation von 1.200 Kosovo-Albanern beschlossen, deren Asylantrag abgelehnt worden war.

Gegen die Entscheidung der Regierung fanden im ganzen Land Protestdemonstrationen statt. 14 Kosovo-Albaner haben in Tromso Schutz in einer Kirche gefunden und mit einem Hungerstreik begonnen. Die Bischöfe des ganzen Landes haben ihre volle Unterstützung des Hungerstreikes zugesichert. In Trondheim haben Aktivisten vier Familien versteckt um ihre Abschiebung zu verhindern. Bei einer Umfrage sagten 60 Prozent der Befragten, daß sie die Kircheninitiative zum Schutz der Flüchtlinge unterstützen, 52 Prozent sprachen sich gegen die Deportation der Kosovo-Albaner aus. Trotzdem hält die Regierung an ihrer Entscheidung fest und trifft erste Vorbereitungen für die Massendeportationen.

Neonazis in Norwegen

In Eidsvoll versuchte kürzlich sich eine Gruppe von 15 Neonazis in Uniform zu rächen, weil einer ihrer Mitglieder angegriffen worden sei. Sie wurden von wütenden Jugendlichen aus der Stadt gejagt.

Zweieinhalb Jahre nachdem der Neonazi Parteifunktionär Arne Myrdal1 einen gewalttätigen Angriff gegen AntifaschistInnen anführte, die gegen das Jahrestreffen der ultra-rechten Gruppe "Folkebevegelsen mot innvandring“ (FMI) um Björn Voldnes in Fevik protestierten, wurde er vor Gericht gestellt. Anklage wurde erst nach massiver öffentlicher Kritik erhoben. Myrdal wurde zu sieben Monaten Haft verurteilt. Außerdem war Arild E. angeklagt worden u.a. wegen  gewalttätiger Angriffe auf AntifaschistInnen in Fevik 1990 und Brumunddal 1991. Er wurde zu 90 Tagen Gefängnis verurteilt.

Der langjährige Neonazi-Führer Johnny Olsen wird 1993 aus der Haft entlassen. Er war 1981 wegen zwei Morden zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Mit dem Neonazi-Heft "Norsk Blad" versucht der Herausgeber Michael Knudsen die norwegische Neonazi-Szene stärker zu vereinen. In Norwegen existieren diverse Neonazi-Gruppen wie die "Fedrelendspartiet" um Harald Trefall, die "Den Norske Forening" um Torfinn Hellandsvik und die "Boot Boys" um Ole Krogstad. Eine der norwegischen Neonazi-Gruppe namens "Rage 88" bzw. "Zorn 88" um Erik Rune Hansen organisierte Ende 1992 ein Treffen von Neonazis in der Nähe von Oslo. Hieran soll auch der deutsch-norwegische Neonazi Ernst T. teilgenommen haben, um Kommunikationsmöglichkeiten zu deutschen Neonazis über Radio-Kurzwelle zu planen.

  • 1. Arne Mydral gilt als Anführer der Gruppe "Norge mod Immigration" (NMI).