Der Neonazi Peter R. griff bei einer Veranstaltung des Freien Netz Süd gegen Protestierer an. Hier ein Transparent des Freien Netz Süd im Februar 2010 in Dresden. (Bild: attenzione-photo.com)
NS-Szene | AIB 87 / 2.2010 | 10.06.2010

Jugendlicher von Neonazi fast totgeprügelt

Am 28. April 2010 wurde der 17-jährige Deutsch-Kurde Berzan B. aus Nürnberg von einem Neonazi fast totgeprügelt.

Laut Zeugenaussagen stieg er an diesem Tag gegen 14.00 Uhr an der Nürnberger U-Bahnstation Opernhaus in den Zug. Zeitgleich stieg auch der 24 Jahre alte Peter R., ein bekannter und vorbestrafter Neonazi aus der Region, mit zwei weiblichen Begleiterinnen in den Waggon ein. Eine der beiden Frauen trug eine Tasche der bei Rechten beliebten Marke »Thor Steinar«, welches der 17-jährige wohl mit einer Bemerkung kommentierte. Daraufhin wurde er von Peter R. angegriffen, mehrfach geschlagen und getreten. Nachdem die U-Bahn nur knapp eine Minute später an der Station Plärrer eintrifft, öffnen sich die Türen und ein Zeuge sieht, wie der Neonazi mit seinem Fuß gegen den Kopf des am Boden liegenden Opfers tritt.

Als der Rettungswagen eintrifft ist Berzan B. bereits klinisch tot und muss zweimal reanimiert werden. Im Krankenhaus wird er von den Ärzten in ein künstliches Koma versetzt, aus dem er nach fünf Tagen aufgeweckt wird. In der Folgezeit wurde er bereits sieben Mal operiert.

Der Täter Peter R., stellte sich einen Tag nach der Tat der Polizei und war zum Tatzeitpunkt auf Bewährung – er war wegen schwerer Körperverletzung verurteilt worden, weil er bei einer Kundgebung der Neonazigruppierung »Freies Netz Süd« zwei Gegendemonstranten angegriffen hatte.

Die Tat wirft ein schlechtes Licht auf die Polizei. Noch eine Woche vor dem brutalen Angriff hatten die Beamten in Fürth von einer »Handvoll Rechten« gesprochen, die man beobachte und unter Kontrolle habe. Auch nach dem Überfall war das Verhalten der Polizei in der Region alles andere als angemessen und sorgte für starke Proteste. So wollte die Behörde bis zum Morgen des 1. Mai noch nicht mal bestätigen, daß es sich bei dem Täter um einen Neonazi handele. Erst nach massivem öffentlichen Druck gestand die Polizei den politischen Hintergrund des Verhafteten ein. Doch selbst dabei stellte sie Angreifer und Angegriffenen auf eine Stufe. »Es liegen Erkenntnisse vor, daß sich der 17jährige in der linksextremistischen Szene aufhält; der 24jährige kann nach polizeilichen Erkenntnissen der rechtsextremistischen Szene zugeordnet werden«, hieß es in einer Presseerklärung.

Gegen die Verschleierungstaktik der Behörden und das Herunterspielen der Neonazigewalt demonstrierten am 29. Mai 2010 rund 3.000 Menschen in Nürnberg und Fürth.