Klaus Beier zählte zu den Organisatoren des Hans-Münstermann-Gedenkmarsches. (Foto: Christian Ditsch)
NS-Szene | AIB 39 / 2.1997 | 19.09.1997

Hans-Münstermann-Gedenkmarsch abgesagt

Der Schüler Hans Münstermann war während des Faschings 1993 bei einer Schlägerei erstochen worden, wobei ein albanischer Asylbewerber als Täter galt. Damals gingen rund 800 BürgerInnen in Aschaffenburg auf die Straße und bildeten – unter Beteiligung führender Neo-Nazis und örtlicher CSU-Prominenz – eine Lichterkette für den Getöteten. Die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg (hatte) "(…) die von dem Angeklagten gelten gemachte Notwehrsituation anerkannt und ihn nicht wegen fahrlässiger Tötung oder Körperverletzung mit Todesfolgen angeklagt, sondern – wie auch die übrigen sechs Angeklagten – wegen Beteiligung an einer Schlägerei". 1

Waffenfund im Umfeld der NPD

Am 16. Januar 1997 durchsuchte die Polizei das Anwesen von Lothar St. (46) in Amorbach und fand haufenweise Waffen und neonazistisches Propagandamaterial. Unter anderem hatte Lothar St. mehrere Maschinengewehre und Maschinenpistolen, Revolver, Gewehre, Luftabwehr- und Handgranaten, Hakenkreuzfahnen, rechte Unterlagen und 15.000 Schuß Munition vorrätig.2

Da er in der Stadt seit Jahren als Neonazi und Warfensammler bekannt war, ist die Durchsuchung zu diesem Zeitpunkt als Stimmungsmache der Polizei im Vorfeld des Münstermann-Marsches 1997 zu bewerten. Scheinbar hatte der Aschaffenburger Staatsschutz, damit auch Erfolg, denn die NPD zog Ihre Anmeldung für den Aufmarsch überraschend zurück.

Aus der Absage der NPD an die Stadt Aschaffenburg: »... Wir sind dabei zu dem Ergebnis gekommen, daß die gegen die NPD und JN gerichteten , absolut verlogenen Verdächtigungen bezüglich einer angeblichen NPD Verbindung zum Waffenfund in Amorbach zu einem dermaßen großen Auftrieb in der Mobilisierung von geheimdienstlich gesteuerten Autonomenbanden und anderen Störern geführt hat, daß eine Durchführung unserer Demonstration mit Rücksicht auf die Sicherheit der Aschaffenburger Bürgerinnen und Bürger nicht mehr verantwortet werden kann...«

Außerdem hat die NPD Strafantrag gegen zwei Journalistinnen wegen Verleumdung gestellt.

Lothar St. - rechte Szeneanbindung

Nach Erkenntnissen von regionalen AntifaschistInnen sieht die Wirklichkeit allerdings etwas anders aus und die empörten Worte stellen sich als Schutzbehauptung heraus. Lothar St. soll demnach zu einem Kegelklub namens Al Bande gehört haben, der sich im "Deutschen Reich" in Kirchzell trifft. Dieser soll von dem Pressesprecher der Jungen Nationaldemokraten (JN), Klaus Beier, geleiteten werden. Außerdem soll Lothar St. bei bundesweiten Treffen der Jungen Nationaldemokraten (JN) wie zum Beispiel in Maroldsweisach zu Gast gewesen sein. Er sei Mitglied der Deutsche Liga für Volk und Heimat (DLVH) und mit deren bayrischem Landesvorsitzenden Werner Eichinger befreundet.

Werner Eichinger ist Sprecher des Frankenrates im Deutschen Freundeskreis Franken, in dem Klaus Beier und die NPD/ JN ebenfalls vertreten sind.

Der NPD-Kreisvorsitzende für Aschaffenburg/Miltenberg Klaus Beier soll Fahrten deutscher Neonazis zum Todestag Francos nach Spanien organisiert haben, bei denen ein Besuch bei dem im spanischen Exil lebenden Altnazi Otto Ernst Remer (Leibwächter von Adolf Hitler, Die Deutsche Freiheitsbewegung e. V., Herausgeber der "Remer Depesche") zum Programm gehört habe.

Lothar St. galt als ein langjähriger Freund von Otto Ernst Remer und soll ihn mehrfach besucht haben.

  • 1. Main-Echo, 26.04.94
  • 2. Siehe AIB Nr. 38