Diskussion | AIB 2 / 2.1987 | 21.12.1987

Gegen Faschismus und Rassismus gemeinsam kämpfen

Rückblick: In der zweiten Ausgabe des Antifaschistischen Infoblatt (AIB) ging die damalige Redaktion noch einmal auf ihre Beweggründe zur Herausgabe dieser Zeitschrift ein und stellte zur Diskussion warum sie diese  als ein deutsch-türkisches Projekt betreiben wollen.

Wozu ein Antifaschistisches Infoblatt?

Wir wollen mit dem Antifaschistischen Infoblatt zur Entwicklung einer antifaschistischen und antirassistischen Bewegung von Deutschen und hier lebenden Ausländern beitragen. Dazu sollen zu den folgenden Themen Gegenöffentlichkeit hergestellt werden: Aktivitäten der Alt- und Neonazis, antifaschistischer Widerstand und Protest, faschistische Tendenzen des Staates, Beispiele von antirassistischer Arbeit, Informationen über die repressive Flüchtlingspolitik und Artikel über die Länder, aus denen die hier lebenden AusländerInnen kommen, vor allem aus der Türkei. Informationen und Handlungsmöglichkeiten zu den oben genannten Schwerpunkten, sollen in deutsch und türkisch im Antifaschistischen Infoblatt stehen. Das Info soll einfach geschrieben sein, so dass jede/r Interessierte es lesen kann.Wir wollen ein Überblick aus der Stadt geben, aus den Stadtteilen, Betrieben und Schulen. Hier können Betroffene selbst zu Wort kommen.

Rassismus spaltet

Gerade in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit, wachsender Armut und vermehrter Konkurrenz an den Arbeitsplätzen ist der Rassismus ein extrem gefährliches Spaltungsinstrument. Nicht nur wir beobachten wie sich Deutsche gegen Menschen aus dem Ausland aufhetzen lassen, anstatt gemeinsam für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Dieser Rassismus wird durch die Presse – hier mal wieder Springer vorneweg – und durch staatliche Maßnahmen geschürt und verbreitet. Wir können uns noch genau an die beispiellose Hetze gegen Flüchtlinge im Sommer 1986 erinnern, als von einer „Asylantenflut„ geredet wurde, aller Orten können wir rassistische Praktiken der Polizei beobachten, die „Aktion gezielte Ausländerfahndung (AGA)„ setzt die diskriminierenden Bestimmungen des Staates durch. Mit Hilfe des Rassismus soll abgelenkt werden von den Gründen der Wohnungsnot, der Arbeitslosigkeit und so weiter. (...)

Neonazis ungebremst

So ist der Rassismus das Hauptthema der Neonazis, die die geschürte Ausländerfeindlichkeit dankbar aufnehmen und organisieren. Die Neonazis sehen in diesem Klima die Chance ihren Terror weiter zu verstärken, laut Neonazi-Chef Michael Kühnen ist der Rassismus ihre „einzige Möglichkeit zu einer Massenbasis zu gelangen„. Die Wahlerfolge der Deutschen Volksunion (DVU) in Bremerhafen und die 3 % der Republikaner in Bayern, sind nur ein Ausdruck dieser Entwicklung. Von staatlichen Stellen wird nur sehr unzureichend bis garnicht gegen die Neonazis vorgegangen. Wenn es zu Auseinandersetzungen mit Neonazis kommt steht die Polizei allzu oft auf Seiten der Neonazis und die Justiz steht dieser Praxis in nichts nach: Wenn bei Neonazis Waffen gefunden werden, dann sind sie „Waffennarren„ - wenn bei Antifaschisten sowas gefunden würde, so wird gleich „mit der ganzen Härte des Gesetzes„ vorgegangen.

Antifaschismus international

Der deutsche Rassismus macht es den türkischen Nationalisten leichter ihre Ideologie durchzusetzen. Über die Medien werden die Menschen aus der Türkei aufgefordert sich auf ihr „Türkentum„ zu besinnen und sich von den Deutschen fernzuhalten. Dem hat die Linke aus der Türkei hier wenig bis garnichts entgegenzusetzen. Deutlich sichtbar wie stark diese Strömung ist, die hauptsächlich von den islamischen Fundamentalisten getragen wird, wurde es im Juli 1987 als 4000 türkische Nationalisten gegen „die Lüge vom Armeniermord„ im Berliner Bezirk Kreuzberg auf die Strasse gegangen sind. Es wurden Hetzparolen gegen die „Ungläubigen„ gerufen, oder dazu aufgefordert den „halbnackten Frauen den Bauch aufzuschlitzen„. Auch gegen diesen Nationalismus und Rassismus werden wir Stellung beziehen und informieren. Wenn wir nicht in erster Linie den deutschen Rassismus erfolgreich bekämpfen werden wir auch dem türkischen Nationalismus in Zukunft wenig entgengensetzen können. Wir sehen die Notwendigkeit einer verstärkten antifaschistischen und antirassistischen Mobilisierung, die von Deutschen und Ausländern getragen wird, hier in Berlin-West heißt natürlich vor allem mit den Menschen aus der Türkei zusammen. Bis heute gibt es jedoch nur sehr wenig Gegenöffentlichkeit und Widerstand, der über den Kreis der Linken hinausgeht. Das Infoblatt soll die Aktionen, Kampagnen und Kleinarbeit durch durch Veröffentlichung unterstützen. Es soll unterschiedliche Protest und Widerstandsformen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen vorstellen und damit ein Zusammenkommen zum gemeinsamen Widerstand unterstützen. Viele Menschen haben ihre Erfahrungen mit Neonazis und Rassisten gemacht, wir wollen die Möglichkeit geben diese Sachen zu veröffentlichen, um gemeinsam überlegen zu können, wie wir uns am besten wehren wollen. Wir fordern euch zur Diskussion und Kritik auf. (...)