Rezensionen | AIB 58 / 4.2002 | 28.02.2003

The final Insult

»The final Insult – Das Diktat gegen die Überlebenden« ist Titel und Thema des Buchs der gruppe offene rechnungen, das im März im Unrast-Verlag erscheint. Die HerausgeberInnen zeigen, wie mittels des Almosenfonds des deutschen Staates,der Unternehmen und der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft« Nationalsozialismus und Volksgemeinschaft erneut beerbt werden und wie dies in aggressiver Abwehr gegen die wenigen Überlebenden der Sklaven- und Zwangsarbeit geschieht. Im Zentrum des Buches stehen Erinnerungen und Erfahrungen von Rudy Kennedy (London), Ludwik Krasucki (Warschau) und Felix Kolmer(Prag). Sie berichten über ihre Zeit als Sklavenarbeiter und den Umgang der deutschen Delegation mit den Vertretern der Opfer bei den sogenannten Entschädigungsverhandlungen. Interviews mit diesen Kämpfern für eine Entschädigung bieten einzigartige Einblicke in die Geschichte der Nicht-Entschädigung und verdeutlichen die Notwendigkeit, ausgehend von den Erfahrungen der überlebenden KritikerInnen, mit den deutschen Zuständen zu brechen. Die historischen und aktuellen Beiträge von Tobias Ebbrecht, Johanna Mueller, Jörg und Lars Rensmann, Rolf Surmann, Dorothee Wein und Timo Reinfrank u.a. über die Geschichte der Entschädigungsverweigerung, die zunehmende Artikulation des Antisemitismus über die »Verhandlungen« bis heute, die Derealisierung der deutschen Linken und den Umgang mit den Ansprüche der griechischen Opfer u.a. von Distomo machen diese Herausforderung deutlich.

gruppe offene rechnungen (Hg.):
The final insult – Das Diktat gegen die Überlebenden. Deutsche Erinnerungsabwehr und Nichtentschädigung der NS-Sklavenarbeit
Unrast-Verlag Münster
ISBN 3-89771-417-5