Gesellschaft | AIB 73 / 4.2006 | 09.12.2006

Erinnerungspolitischer Eklat beim Weimarer Kunstfest

Ende August hielt der Ministerialdirektor des Kulturstaatsministers, Hermann Schäfer, eine Rede zur Eröffnung des Weimarer Kulturfestes. Die Veranstaltung stand unter dem Titel: »Gedächtnis Buchenwald«. Ehemalige Buchenwald-Häftlinge waren ebenso geladen wie ausländische Gäste.

Doch in der Rede des Professors Schäfer kam das Schicksal der KZ-Häftlinge nicht mit einem Satz vor. Stattdessen referierte Schäfer über sein Spezialthema: »Vertreibung der Deutschen«.

Nur lautstarke Unmutsäußerungen aus dem Publikum konnten Schäfer zum Abbruch seiner Rede bewegen. Der Vorsitzende des internationalen Buchenwaldkomitees, Bertrand Herz, zeigte sich empört über den Vorgang. In der anschließenden, zumeist über das Feuilleton ausgetragenen Debatte, rechtfertigte sich Schäfer mit dem Argument, er habe nicht gewusst, dass sich im Publikum ehemalige KZ-Häftlinge befunden hätten. Im übrigen sei er für das Thema Buchenwald kein Spezialist.

Während Opferverbände vor einer Akzentverschiebung des erinnerungspolitischen Diskurses warnten, beklagten nicht nur Vertreter des Vertriebenenverbandes, dass es nach wie vor eine Konkurrenz der Opfer gebe. Für zusätzliche Empörung hatte die Anweisung des Bundesinnenministeriums gesorgt, auch NS-Gedenkstätten sollten zum »Tag der Heimat« offiziell flaggen. Die Anweisung war umgehend zurückgenommen worden.