Rezensionen | AIB 77 / 4.2007 | 13.12.2007

Die Sozialistische Reichspartei (SRP)

Henning Hansen

Der Historiker Henning Hansen legt mit seinem Buch »Die Sozialistische Reichspartei – Vom Aufstieg und Scheitern einer rechtsextremen Partei« eine interessante und detailreiche Studie vor über eine in der Öffentlichkeit fast vergessene rechtsextreme Partei, welche die Innen- und Außenpolitik der sich gerade konstituierenden Bundesrepublik beeinflusste.

Die SRP war die erste und neben der KPD die einzige reguläre Partei, die durch einen positiv beschiedenen Antrag der Bundesregierung vom damals neu entstandenen Bundesverfassungsgericht verboten wurde. In ihrer dreijährigen Geschichte von 1949 bis 1952 erlebte die SRP einen kometenhaften Aufstieg und errang teilweise zweistellige Wahlergebnisse bei Landtags- und Kommunalwahlen. Diese Wahlsiege feierte die Partei in ihrem Stammland Niedersachsen und benachbarten Bundesländern mit einer ähnlich gelagerten Bevölkerungsstruktur.

Die SRP wurde 1952 aufgrund ihrer Wesensverwandtschaft in Programm, Vorstellungswelt und dem Gesamtstill zur NSDAP verboten. Diese Einschätzung kam nicht von ungefähr. Die SRP hatte von Anfang an den Anspruch, eine Sammlungsbewegung für alle sich in ihrem Verständnis nach 1945 treu gebliebenen Nazis zu sein. Ihre Organisationsform und der Wahlkampf mit ihrem Zugpferd, dem noch heute als Ikone der Neonaziszene verehrten Otto Ernst Remer, glich dem historischen Vorbild.

Hansen porträtiert aber nicht nur sehr gut die Sozialistische Reichspartei in Struktur, Mitgliedschaft und Programmatik anhand von Akten aus dem Verbotsverfahren und der genau beobachtenden englischen und amerikanischen Nachrichtendiensten sowie des MfS, sondern zeigt auch auf, wie die politische Landschaft im postfaschistischen Nachkriegsdeutschland auf diese Partei reagierte. Gerade das damals parteiorganisatorisch noch sehr ausdifferenzierte konservative Spektrum, welchem auch Hansen als Stipendiat der CSU-nahen Hans-Seidel-Stiftung angehört, ließ an Trennschärfe zur Partei der alten NS-Funktionäre die nicht auf einmal zu Musterdemokraten mutiert – und darauf sehr stolz – waren,  zu wünschen übrig. Die Abgrenzung des konservativen Milieus zu den bekennenden Nationalsozialisten der SRP musste teilweise durch die Alliierten erzwungen werden.

Wer Interesse an bundesrepublikanischer Zeitgeschichte und dem organisierten Rechtsradikalismus in der Nachkriegszeit hat, dem ist dieses Buch zu empfehlen.

Henning Hansen
Die Sozialistische Reichspartei (SRP).
Aufstieg und Scheitern einer rechtsextremen Partei.

Droste Verlag, Düsseldorf 2007. 317 S.,
49,80 Euro